Denkanstöße zu einem Windpark

Feb 21st, 2012 | By | Category: Energie, Klima, Kommentare, Ostfalen, Politik und Gesellschaft, Wirtschaft, Wolfenbüttel

Ein Windpark sorgt für aufgeheizte Diskussionen

Denkanstöße und ein Aufruf zur gemeinsamen Suche nach tragfähigen Lösungen

Ein Kommentar – im Ostfalen-Spiegel

Von Rainer Elsner

Seit im Winter bekanntgegeben wurde, dass der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) an einer Ausweisung von Windkraft-Potentialflächen arbeitet, erhitzen sich mancherorts die Gemüter. Einer der ins Auge gefassten Standorte liegt zwischen dem Wolfenbütteler Ortsteil Ahlum und der Gemeinde Dettum (Samtgemeinde Sickte) im Landkreis Wolfenbüttel. Vor allem in der Gemeinde Dettum aber auch anderswo hat sich Aufregung ob des möglichen Windparks vor der Haustür breit gemacht. Vehement wird gegen den Windpark auf Veranstaltungen, auf einer Internetseite und in Leserbriefen gewettert, wodurch die Berichterstattung nach meinem Eindruck auch von den Gegnern dominiert wird. Die durchaus weitgreifende Bedeutung des Themas hat mich deshalb zu ein paar Hinweisen, Denkanstößen und einem Appell zur vernünftigen Lösungssuche veranlasst.

 

„Vernunft ist Bewegung ohne gesicherten Bestand. Sie drängt zur Kritik jeder gewonnenen Position, steht daher im Gegensatz zu der Neigung, sich durch endgültige feste Gedanken vom weiteren Denken zu befreien.“

Karl Jaspers[1]

Wir haben mehr als ein Problem!

Windkraftanlagen und Windpark am Süd-Ost-Ende der Asse nahe Remlingen (Foro: re)

Wir haben mehr als ein Problem! Windparks sind gegebenenfalls nur eines davon – und zugleich Teil der Lösung. Die anderen, in letzter Konsequenz kollektiv existenziellen (!), Probleme sind nicht erst seit Durban oder Fukushima bekannt! Die Menschheit marschiert allem Anschein nach sehendem Auges auf einen Abgrund zu. Seit Jahrzehnten versuchen kritische Stimmen, die Gesellschaft insgesamt wie die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft im Besonderen darauf aufmerksam zu machen. Nur ein paar Beispiele:

In den frühen 1970er Jahren haben MIT-Wissenschaftler den 1. Bericht an den Club of Rome[2] abgeliefert; seitdem sind die Tendenzen im Bereich des Rohstoffverbrauchs und der Klimaentwicklung bekannt. Seit Ende der 1980er Jahre brachte das UN-Wissenschaftsgremium IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) mehrfach umfassende Berichte zur drohenden Klimaerwärmung heraus.[3] Seit den späten 1970er Jahren (Harrisburg) sind auch die Gefahren der Atomkraft vorstellbar, seit 1986 (Tschernobyl) schreckliche Realität. Ebenfalls seit den späten 1970er Jahren ist die Gefahr im (ohne atomrechtliche Genehmigung betriebenen) Atommüllendlager Asse 2 bekannt[4]. Dennoch haben in all diesen Fragen jahrzehntelang (!) nur wenige konsequent gehandelt und versucht gegenzusteuern!

Verantwortung

Wir alle, also zunächst wir als Gesellschaft und dann – quasi runtergebrochen – wir als jeweils einzelner Mensch sind hier angesprochen. Denn wir tragen alle gemeinsam und dann eben jeder für sich die Verantwortung dafür, was wir tun (ob nun als einzelne persönliche Handlung oder als kollektive Handlung von Gruppen, denen wir angehören). Dafür müssen wir (letztlich als einzelne Person) uns bewusst machen, ob wir die Folgen dieser Handlungen verantworten können und wollen!

Dazu gehört dann zum Beispiel auch die Frage, ob es mir tatsächlich egal ist, was mit den Menschen im Uranbergbau geschieht oder in Bangladesch, wenn der Meeresspiegel steigt (die Liste solcher „Beispiele“ ist sehr lang!). Am Ende gehört dann selbstverständlich auch der Mensch dazu, der unter einem Windpark leidet. Um das alles gegeneinander abwägen zu können, muss ich ergründen, wie die einzelne Last tatsächlich aussieht. Gefahren für die Gesundheit von Menschen muss dann selbstverständlich immer entgegengewirkt werden! Ästhetische Empfindlichkeiten wie die Veränderung des Landschaftsbildes durch hohe Masten und große Rotoren müssen wir partiell vermutlich einige Zeit hinnehmen. Für mich ist das im Zweifel erträglicher als der Abriss ganzer Dörfer (Braunkohletagebau) oder eben strahlenverseuchte Arbeiter und Anwohner (Beispiel Wismut im Erzgebirge, wir brauchen da gar nicht in die Ferne schweifen, um die tragischen Folgen zu sehen).

Für all diese Folgen sind wir als Gesellschaft verantwortlich, die seit geraumer Zeit über ihre Verhältnisse lebt – derzeit, als hätten wir 1,5 Erden für unseren Ressourcenbedarf verfügbar[5] – und als einzelner Mensch, der dem zugehörigen Lebensstil folgt und jeden Meter vom hübschen Einfamilienhaus zum Bäcker mit dem SUV fährt.

Ausgleich der Lasten

Und weiter, gesamtgesellschaftliche Probleme lassen sich nicht immer „gerecht“ lösen! Dann muss aber ein Ausgleich der Lasten stattfinden, müssen besonders belastete Menschen in der Tat entschädigt werden. Das alles ist übrigens grundlegend in Artikel 14 Grundgesetz geregelt (Eigentum verpflichtet). Auch wenn das nicht alle einsehen, wer mehr hat, muss (in zumutbarem Rahmen) auch mehr geben, auch im Kleinen. Als Beispiel: Wenn ich in einer Mietwohnung lebe(n muss), kann ich nur bedingt Ansprüche stellen. Häufig muss ich damit leben, das Hauptverkehrsstraßen laut sind, LKWs vorbeidonnern, das Haus hellhörig ist und ich jedes Husten des Nachbarn höre, ich vom Balkon auf das Nachbarhaus schaue usw. Zwar wird auch hier zum Teil technisch entgegengewirkt, aber irgendetwas ist immer. Solche Probleme habe ich im (dörflichen) Eigenheim in der Regel weniger. Tatsächliche Lärmbelastungen durch Windkraftanlagen muss ich dann sicher dennoch nicht hinnehmen, den Anblick einiger Windräder auf dem Acker schon – meine ich.

Deutschland ist ein dicht besiedeltes Land. Unsichtbar lassen sich die Anlagen also nicht errichten. Niemand will jedem ein Windrad in den Garten stellen. Aber wir alle müssen unseren Beitrag leisten für eine bewohnbare und lebenswertere Welt auch noch in der Zukunft. Und das geht nicht ohne – vertretbare – Beeinträchtigungen Einzelner. Die Gesellschaft insgesamt trägt dann gegebenenfalls die Verantwortung, diese Beeinträchtigungen erträglich zu gestalten.

jede technische Anlage hat Auswirkungen auf Mensch und Natur

Es geht – zumindest mir – jetzt aber nicht darum, die Betroffenen nicht ernst zu nehmen oder gar jeden Windpark um jeden Preis errichten zu lassen. Nur, jede technische Anlage hat Auswirkungen auf Mensch und Natur. Da wir in einer industrialisierten Wohlstandgesellschaft (!) leben, müssen wir versuchen, für jeden Einzelfall den denkbar besten Kompromiss zu finden. Das kann sicher auch das Unterbleiben einer Errichtung sein. Das einfache Rezept Offshore ja, Onshore nein funktioniert aber leider nicht.[6] Schon die hierfür notwendigen Stromtrassen bringen gleichfalls Belastungen für Menschen mit und stoßen deshalb ebenfalls auf Widerstand. – Und die kompromisslose Einnahme einer prinzipiellen Gegenhaltung hilft bei der Problemlösung gar nicht – zumal, wenn die eigentlich ursächliche Problematik ansonsten ignoriert wird.

AKW Grohnde an der Weser bei Hameln, weniger als 100 km entfernt von Braunschweig; Hauptgesellschafter ist E.ON (Foto: AxelHH, Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei)

Es geht, wie so oft, um die Fragen: Wie wollen wir leben? Welchen Preis sind wir bereit, dafür zu bezahlen? Und welchen Preis sind wir bereit andere – nicht zuletzt in anderen Ländern und auch in der Zukunft – dafür bezahlen zu lassen? Nach meiner Auffassung kommen wir um einen Umbau unserer Gesellschaft nicht herum. Konsum und Energieverbrauch um jeden Preis wird so oder so nicht mehr lange funktionieren. Aber auch für die Übergangszeit brauchen wir vertretbare Lösungen.

Sankt Florian

Bei den Gegnerinnen und Gegnern von Windparks finde ich aber leider kaum einen Hinweis auf die beschriebenen Probleme. Kaum jemand anerkennt die beschriebene Verantwortung von uns allen. Im Gegenteil, die drohende Klimaerwärmung wird teils sogar bestritten[7]. Die genannten Probleme finden sich allenfalls in Floskeln wieder. Immer wieder wird die ablehnende Haltung kollektiv kundgetan und anderen versucht „Sankt Florian“ zu unterstellen, um von der eigenen entsprechenden Haltung abzulenken. Doch, wer am lautesten „schreit“ und mit großen Gruppen die Säle dominiert, hat noch lange nicht Recht und repräsentiert damit auch nicht automatisch die Mehrheit. – Wobei echte Demokratie sich aber nicht in – im Zweifel rücksichtslosen – Mehrheitsentscheidungen offenbart, sondern eben im tragfähigen Kompromiss!

Es tut mir leid, aber es entsteht hier wirklich der Eindruck, dass von manchen Akteuren intensiv nach Argumenten gegen einen Windpark gesucht wird – gesucht, weil nicht wenige dieser Akteure (zugespitzt formuliert) eigentlich nur die Ästhetik stört. Hier muss sich jeder dann aber die Frage gefallen lassen, ob er oder sie denn lieber auf das Kohlekraftwerk Buschhaus sehen will oder auf das AKW Grohnde (gut 80 km von hier!)? Wo jeweils auf jeden Fall auch nicht nur die Ästhetik stört – vom Braunkohletagebau, Uranminen oder den Folgen der Klimaveränderung eben ganz zu schweigen.[8]

Aber, keine Frage, Ängste und Sorgen müssen ernst genommen werden!

Aber, keine Frage, die Ängste und Sorgen der potentiellen Anwohner müssen ernst genommen werden. Vernünftig kann das Thema nur diskutiert werden, wenn wirklich alle Interessen Berücksichtigung finden, alle Bedenken geprüft werden, alle Betroffenen Gehör finden. Dann müssen wir aber auch eine sachliche Diskussion unter Einbeziehung unserer gesellschaftlichen Verantwortung führen.

Da darf auch die Ästhetik als Grund genannt werden. Auch wenn es nach meiner Auffassung in diesem Fall nur ein nachgeordnetes Argument sein sollte. Die Bedenken zu gesundheitlichen Auswirkungen müssen auf jeden Fall ernst genommen werden. Denn sollte der geplante Windpark tatsächlich eine eindeutig erhöhte Belastung für die Gesundheit offenbaren, kann er so nicht gebaut werden. Ob und wie er gebaut werden kann, muss deshalb in einer von allen Beteiligten ergebnisoffenen, sachlich und vernünftig geführten Diskussion erarbeitet werden. [8]

eine gemeinsame sachliche und fachliche Arbeit mit am Ende tragfähigen Lösungsvorschlägen

Also liebe Menschen! Ich denke, wir haben keine Zeit mehr (zu verlieren). Es geht um die Welt unserer Kinder und Kindeskinder – nicht allein um unsere Befindlichkeiten! Das im Blick zu halten bei seiner Entscheidungsfindung ist vernünftig. Die Informationsarbeit des Zweckverbandes ist meines Erachtens schon sehr vorbildlich. Der Schritt, den Bürgermeister Pink für Wolfenbüttel gehen will, weist ebenfalls in die richtige Richtung. Ich meine aber, dass es möglicherweise nicht ausreicht, die Bürgerinnen und Bürger zu befragen. Es erscheint mir sinnvoll, die Bürger zuvor direkter an den Planungen zum Windpark zu beteiligen. Hierfür gibt es erfolgreich erprobte Methoden repräsentativer Art, in welchen eine gemeinsame sachliche und fachliche Arbeit in der Regel zu am Ende tragfähigen Lösungsvorschlägen führt – die dann auch Thema einer Bürgerbefragung sein können. In jedem Fall erscheint es mir sinnvoll, solche Methoden auszuprobieren, denn in ihnen steckt meines Erachtens noch weit mehr Potential.

Also, es gibt viel Arbeit, aber möglicherweise auch reichlich ungenutztes Lösungspotential. Worauf warten wir noch?

Wolfenbüttel, 21.02.2012

—–

Quelle:

[1] Jaspers, Karl: Vernunft und Widervernunft in unserer Zeit: Drei Vorlesungen. Neuausg. 3. Aufl. München: Piper, 1990 [(1) 1950], S. 33.

[2] Meadows, Dennis L. [u.a.]: Die Grenzen des Wachstums: Bericht an den Club of Rome zur Lage der Menschheit. A. d. Amerik. V. Hans-Dieter Heck. Stuttgart: DVA, 1972 (amerik. Orig.: The Limits to Growth. New York: Universe Books, 1972).

[3] Vgl. z. B. auch: Leggett, Jeremy (Hrsg.): Global Warming: Die Wärmekatastrophe und wie wir sie verhindern können: Der Greenpeace Report. München, Zürich: Piper, 1990

[4] Jürgens, Hans-Helge: Atommülldeponie Salzbergwerk ASSE II: Gefährdung der Biosphäre durch mangelnde Standsicherheit und das Ersaufen des Grubengebäudes. Braunschweig: Braunschweiger Arbeitskreis gegen Atomenergie, 1979.

[5] Veltzke, Britta: „Global Overshoot Day: Schulden bei Mutter Erde“ taz.de vom 29.09.2011 (http://www.taz.de/!78867/) online abgerufen am 17.02.2012.

[6] Vgl. Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND) (Hrsg.): Für einen natur- und umweltverträglichen Ausbau der Windenergie. Positionen: 56. Broschüre/PDF-Datei. Berlin: BUND, 2011 (speziell zu Offshore S. 12 f.; http://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/energie/4.pdf, abgerufen am 02.02.2012.

[7] Vgl. z. B. Gegenwind Schleswig-Holstein e. V.: „Informationen zur Klimahysterie 2010“ http://www.gegenwind-sh.de/index.php?article_id=54 online abgerufen am 17.02.2012;

und auch Herrn Zielinski im Interview: Feddern, Jörg; Zielinski,Hans-Joachim; Keiffenhaim, Marcel: „Streitgespräch Offshore“ greenpeace magazin Nr. 3 (2005), online, http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=2992&no_cache=1&sword_list[]=windenergie online abgerufen am 10.02.2012.

[8] Ich bin Bürgermitglied im Ausschuss für Bau, Stadtentwicklung und Umwelt des Rates der Stadt Wolfenbüttel. Benannt wurde ich von der Fraktion der Piratenpartei, mit der ich deshalb auch beratend zusammenarbeite. Ich selbst bin aber parteilos. Dieser Kommentar ist also meine persönliche Meinungsäußerung.
Gleichwohl habe ich für die Diskussion in und mit der Fraktion ein erstes Diskussionspapier erarbeitet, in dem ich begonnen habe, die Argumente zusammenzutragen und zu diskutieren. Das Dokument
Windenergiepark zwischen Wolfenbüttel–Ahlum und Dettum?: Fachbericht und Stellungnahme an die Fraktion der Piratenpartei zur möglichen politischen Lösung des Konflikts;
kann derzeit in seiner ersten Fassung von der Internetseite der Stadtratsfraktion der Piratenpartei in Wolfenbüttel als PDF-Datei kopiert werden. Die überarbeitete Fassung folgt in Kürze, kann aber hier (WindenergieparkAhlumDettumV1_2.pdf) bereits eingesehen werden.

13 comments
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  1. Sehr geehrter Herr Elsner,
    ich habe durch Zufall von Ihrem Artikel erfahren.
    Sie bringen hier in der Tat bzgl. der aktuell geführten Diskussion einige richtige Punkte zur Sprache. Vielen Dank.
    Was ich aber leider sehr vermisse ist die aktuelle Standortsituation rund um das Atommüll-Lager ASSE2 und den aktuellen Wissens- und Kenntnisstand bzgl. eines solch großen Industrie-Windparks.

    Lassen Sie mich einiges kurz aus meiner persönlichen Sichtweise erläutern:

    1. Die Region um das ASSE2-Atommüll-Lager ist jetzt bereits stark belastet. Sowohl was aktuelle, als auch zukünftige Gesundheitsgefahren angeht, bis hin zu stark sinkenden Immobilienpreisen in dieser Region. Nicht ohne Grund finden Sie rund um die Asse wahrscheinlich tausende von den gelben „Aufpassen“-Tafeln in Gärten, an Zäunen und am Wegesrand. Die Bürger dieser Region sind jetzt bereits stärker belastet, als in einem großen Teil des restlichen Landes und daher auch mit Recht besorgt und sensibilisiert.
    Der geplante Industrie-Windpark würde übrigens nur knapp 2km von der Asse entfernt sein.
    2. Noch ist völlig unklar ob es zu einer Rückholung des Atommülls kommt, wenn ja, dann wird dieser wahrscheinlich oberirdisch wiederum in dem Gebiet rund um die Asse gelagert werden müssen.
    Ist dieses nicht bereits Belastung genug für die Anwohner in dieser Region?
    3. Wissen Sie, dass regelmäßig Atomstrahlungsmessungen im Grundwasser etc. in den der Asse angrenzenden Gemeinden stattfindet und die Ergebnisse regelmäßig von den Gemeinderäten bekannt zugeben sind?
    4. Es gibt meines Wissens keinen vergleichbar großen Industrie-Windpark in Deutschland, vor allen Dingen nicht mit den aktuell geplanten bis zu 185m hohen Windkraftanlagen in einer Stückzahl bis zu 30.
    Insbesondere liegen keine Kenntnisse über die Auswirkungen auf die umliegenden Siedlungen vor. Ob Infraschall, Schattenwurf oder viele andere Belastungen. Besonders wichtig hierbei ist, dass ein Abstand von nur einem Kilometer zu den angrenzenden Dörfern eingehalten werden soll. Man bezieht sich hier auf Rechtsprechungen von 2004 und zu diesem Zeitpunkt waren die Windräder gerade mal 1/3 so hoch.

    Nachdem also die Region bereits einmal zum Testfeld ernannt wurde und dieses mit dem Atommüll-Lager gründlich in die Hose gegangen ist, entschuldigen Sie den Ausdruck, darf es nicht noch einmal zu solch einem Schritt in dieser Region kommen.

    Jetzt eine wichtige Frage, die ich mir nach meinen obigen Schilderungen, die Sie übrigens auch so auf Seiten der Bürgerinitiative wieder finden, nicht beantworten kann.
    Wie kommen Sie zu Ihrem Statement
    „Es tut mir leid, aber es entsteht hier wirklich der Eindruck, dass von manchen Akteuren intensiv nach Argumenten gegen einen Windpark gesucht wird – gesucht, weil nicht wenige dieser Akteure (zugespitzt formuliert) eigentlich nur die Ästhetik stört.“ ?

    Mir als unmittelbarer Anwohner des Asse-Atommüllagers ist dieses Statement nicht nachvollziehbar.
    Können Sie hier wirklich guten Gewissens einfach nur von „Befindlichkeiten“ reden ?

    Mit freundlichen Grüßen
    Roger Milenk

  2. Lieber Herr Milenk,

    vielen Dank für Ihren Diskussionsbeitrag!

    Neben den durchaus wichtigen Informationen für den Teil der Leserinnen und Leser, die bisher uninformiert sind, sehe ich in Ihrem Beitrag aber leider auch eine Bestätigung meiner Kritik an der Auseinandersetzung mit dem Windpark. Denn auch Sie verlassen die auf die Ablehnung des Windparks zentrierte Haltung nicht. Sie zählen die andernorts bereits genannten Kritikpunkte auf, die aus Ihrer Sicht gegen einen Windpark sprechen und stören sich an meinen zugespitzten Formulierungen. Auf den Kern meiner Kritik – die von mir genannten übergreifenden Probleme und die Anerkennung der damit verbundene Verantwortung gegenüber unzähligen (häufig völlig wehrlosen) Menschen als notwendigen Teil der Diskussion – gehen Sie aber leider – wie andere an anderer Stelle auch – nicht weiter ein. Eben diese Haltung hat mich aber zu den zugespitzten Formulierungen veranlasst.

    Einige oder alle der genannten Argumente gegen den Windpark mögen sich ja bestätigen. Dann muss das in die Entscheidung über eine Errichtung desselben selbstverständlich einfließen. So gesichert, wie Gegner des Windparks all ihre Argumente vortragen, sind diese aber nicht – im Gegensatz zu den übergreifenden Argumenten, die den prinzipiellen Bau solcher Anlagen erforderlich machen.

    Vielleicht habe ich da auch eine etwas andere Wahrnehmung und komme deshalb zu einer anderen Beurteilung der Situation, als möglicherweise Sie oder eben auch andere Beteiligte, weil ich mich mit der Thematik schon seit vielen Jahren (in schwankender Intensität) auseinandersetze. Wie die Risiken der Atomkraft, der Ressourcenverbrauch oder der drohende Klimawandel war auch der Atommüll in der Asse bei mir schon vor zwanzig Jahren ein Thema. Mittlerweile sind viele Jahre vergangen, in denen die genannten Themen von vielen Menschen unverändert nicht beachtet wurden und viel zu wenig sinnvoll gehandelt wurde und noch immer wird. Gerade auch vor dem Hintergrund der Asse sind für mich Windkraftanlagen deshalb zunächst vor allem ein positives Zeichen der Hoffnung, dass wir die genannten Probleme endlich ernstnehmen und zu lösen versuchen (was dann noch immer schwer genug ist!), und zunächst einmal keine Belastung. Deshalb können sie dennoch eine Belastung darstellen und muss (!) selbstverständlich auch bei solchen Anlagen auf Leben und Gesundheit von Menschen geachtet werden! Und auch – auf den ersten Blick – ästhetische Bedenken dürfen nicht in jedem Fall unbeachtet bleiben. – Was ich aber auch alles in meinen Beiträgen bereits gesagt habe!

    Wie ich es gleichfalls in meinem Kommentar (und in anderen Beiträgen im Ostfalen-Spiegel) bereits versucht habe, zu erklären, können und dürfen nach meiner Auffassung in einer demokratischen Gesellschaft Entscheidungen nur in einer alle Interessen und Belange berücksichtigenden Diskussion herbeigeführt werden. Und die Entscheidungen selbst müssen dann auch fast immer einen Kompromiss darstellen. Wenn ich nun aber die Reaktionen der Gegner des Windparks höre, lese, erlebe, dann frage ich mich eben, ob von dieser Seite aus eine solche Diskussion überhaupt gewollt ist?

    Nichts destotrotz, ich für meinen Teil halte eine solche – echte – Diskussion für unbedingt notwendig und denke auch, dass wir nicht mehr all zu viel Zeit mit dem Austausch gegenseitiger Vorwürfe vergeuden sollten. Denn dann stehen wir eines Tages vor manifestierten Entscheidungen, mit denen vielleicht nur ganz wenige wirklich leben können. Auch wenn ich für meinen Teil die Notwendigkeit solcher Windparks als grundsätzlich gegeben ansehe, so will ich sie dennoch nicht um jeden Preis errichtet wissen. Mir ist sowohl an der Gesundheit aller (!) Menschen gelegen wie auch an dem Erhalt des sozialen Friedens in der Region. Aber deshalb darf dennoch niemand die Augen vor einem Teil der mit dem Windpark zusammenhängenden Probleme verschließen und seinen Standpunkt um jeden Preis zu hundert Prozent durchsetzen wollen!

    Mein Hoffnung ist nun also (auch da wiederhole ich mich), dass wir alle möglichst schnell unsere Gemüter beruhigen und uns an einen Tisch setzen, um nach wirklich tragfähigen Lösungen zu suchen. Denn, noch ist für einen Windpark bei Dettum keine (!) unveränderbare Entscheidung gefallen – für viele andere auf Energiegewinnung zurückzuführende Probleme schon! Sinnvolle und akzeptable Lösungen, die wir hier vielleicht finden, können dann möglicherweise sogar Vorbild werden für andere Orte wie auch Probleme.

    In diesem Sinne

    Herzliche Grüße

    Rainer Elsner

  3. Sehr geehrter Herr Elsner,

    vielen Dank für die umfassende Stellungnahme.

    Deutschland teilt sich auf riesige 357.000 Quadratkilometer auf.
    Ich bin beruflich sehr viel unterwegs, meiner Kenntnis nach befinden sich außer in Teilen der neuen Bundesländer nirgends so viele Windkraftanlagen wie bereits heute in Niedersachsen und dabei insbesondere in unserer Region um Braunschweig/Wolfenbüttel. Wir tragen also bereits einen großen Teil der Verantwortung in unserem Bundesland. Was ohne Frage begrüßenswert ist.
    Im Bereich des ZGB´s (Zweckverband Großraum Braunschweig) liegen wir mit 25% schon jetzt weit über dem aktuellen Bundesdurchschnitt von 15% an erneuerbarer Energie. Aus diesem Blickwinkel betrachtet stellt sich mir dann folgende Frage:

    WARUM muss in einer Region, die so extremen Altlasten und Risiken wie dem Asse2-Atommüllager ausgesetzt ist, jetzt einer der größten deutschen Industrie-Windparks in mitten von drei eng anliegenden Ortschaften geplant werden?
    Nicht zu vergessen, dass alles vor dem Hintergrund von nicht vorhandenen Erfahrungswerten und Gutachten.

    Hier greift für mich der Begriff Altlast. Mit einer so herausragenden, extrem risikoreichen Altlast wie die Asse2-Problematik nun mal ist, darf eine solche Region nicht mit weiteren Belastungen versehen werden.
    Aus oben genannten Gründen kann es für mich hier kein Abwägen und auch keine Kompromissbereitschaft geben. Im Übrigen verstehe ich leider Ihren Ansatz an dieser Stelle nicht, denn es gibt im gesamtpolitischen Kontext gesehen sehr viele Entscheidungen, in denen ein Abwägen oder auch ein Kompromiss ein Rückschritt für unsere christlich, sozial geprägte Gesellschaft bedeuten würde.

    Am Ende des Tages sollten wir alle beachten, dass die Grundgesetze, auf denen unsere Gesellschaft baut, nicht zu diskutieren sind und dazu gehört auch der §2 des GG – „Jeder Mensch hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“
    In der aktuellen Problematik gebietet sich hier daher m.E das Vorsichtsprinzip. Zumindest so lange, wie keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen.

    Sie schreiben zudem, dass in einer Demokratie Entschlüsse fast immer durch einen Kompromiss erzielt werden müssen.
    Genau in diesem Falle spricht aber eigentlich sehr viel gegen einen Kompromiss.
    Auf der einen Seite haben wir die Interessen der Investoren und Landbesitzer und bitte sagen Sie mir jetzt nicht, denen ginge es nur um den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und zum anderen müssen wir die aktuelle Gesetzeslage betrachten.
    Denn ein für Windparks freigegebenes Gebiet ist sowohl in der Höhe der Anlagen als auch Anzahl an Windkrafträdern nicht zu limitieren! Dafür hat die aktuelle Rechtsprechung gesorgt.

    Zum Schluss noch ein interessanter Link zu einem Artikel in der FAZ:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/windraeder-in-deutschland-durchs-land-der-riesen-11638103.html

    Ich finde es durchaus bewundernswert, dass durch alle Gesellschaftsschichten hindurch sich hier eine klar positionierte Gegenfront herausbildet, die sich nach wie vor für Windkraft und erneuerbare Energien ausspricht, aber nicht in Regionen, die bereits unter starken Altlasten zu leiden haben und nicht unter den Bedingungen, die zwar aktuell rechtlich machbar erscheinen, aber keinesfalls im Sinne der Beeinträchtigung der Gesundheit der Menschen betrachtet worden sind.

    Hier ist die Politik und hier sind die Ministerien gefordert für Aufklärung und Sicherheit zu sorgen – übrigens etwas was die WHO und das Robert-Koch-Institut ja bereits bzgl. der Windkraftanlagen fordern.

    Mit freundlichen Grüßen
    Roger Milenk

  4. Lieber Herr Milenk,
     
    vielen Dank, dass Sie unsere Diskussion fortsetzen!
     
    Als positiv nehme ich dabei zur Kenntnis, dass Sie nicht mehr nur allein über die Gefahren von Windkraftanlagen sprechen, sondern auch – wenn ich das richtig deute – unsere gemeinsame Verantwortung und die damit verbundene Notwendigkeit des Umstiegs auf erneuerbare Energiequellen anerkennen.
     
    Das hebe ich so hervor, weil ein wichtiger Punkt meiner Kritik an den Gegnerinnen und Gegner von Windkraftanlagen der ist, dass in der Regel nur sehr polemisch gegen diese „gefährlichen“ Anlagen protestiert wird. Die gemeinsame Verantwortung, die Gründe, warum solche Anlagen gebaut werden und auch die Gefahren anderer Bereiche der Energiegewinnung werden aber nicht weiter beachtet. Oder, worauf ich in meinem Kommentar auch verwiesen habe, diese Gründe werden sogar schlicht bestritten. Genau diese Ignoranz und Verantwortungslosigkeit macht es mir dann aber schwer, die Gegner ernst zu nehmen.
     
    Ihre Bürgerinitiative WindparkADe tritt nun eben leider mit ihrer Internetseite genauso eindimensional wie viele andere Windkraftgegner-Initiativen in die Öffentlichkeit. Sicher muss das Hauptanliegen immer im Zentrum stehen. Aber wenn Sie dabei die eigentliche Verantwortung völlig ausblenden, werde Sie auch entsprechend von außen wahrgenommen.
     
    Nun kamen Sie in Ihrer Antwort dennoch nicht umhin, Ihre Kompromisslosigkeit einmal mehr zu unterstreichen. Aber ich freue mich ja schon, dass wir unser Gespräch fortsetzen und dabei nicht mehr nur allein über Windkraftanlagen sprechen. Denn, falls Sie es tatsächlich nicht gemerkt haben sollten, meine Beiträge zum Thema sind alle ein Versuch, dazu beizutragen, eine für alle (!) beteiligten Menschen wirklich akzeptable Lösung zu finden. Wenn ich davon gesprochen habe, dass die Sorgen der Gegner ernstgenommen werden müssen, habe ich das auch wirklich so gemeint! Ich bin hier zunächst so wenig ein Entscheider wie Sie und könnte die Windräder auch einfach hinter den paar Häusern, die mich vom östlichen Ortsrand Wolfenbüttels trennen, verschwinden lassen. Aber vielleicht kann ich, können wir, eben einen Beitrag dazu leisten, für alle Beteiligten akzeptable Lösungen zu finden. Ich setze mich nach meinen Möglichkeiten dafür ein – und lerne dabei durchaus auch dazu.
     
    Ich denke, ansonsten habe ich das Wesentliche zu meiner – nicht so kompromisslos festgelegten (!) – Position und Sichtweise bereits – zum Teil wiederholt – mitgeteilt und muss ich es deshalb nicht noch einmal wiederholen. Ich gehe davon aus, die Menschen, die dies hier lesen, werden dies mehrheitlich aufmerksam und kritisch tun. Dann sprechen meine Worte für sich.
     
    Für alle, die es noch immer nicht verstanden haben: Probleme, die nicht gelöst werden, sondern nur verdrängt, kommen immer wieder zurück – in der Regel dann jedes Mal unerbittlicher. Da hilft auch kein unbeirrbares Ignorieren. Mitunter trifft es dann erst kommende Generationen, das mag ja die stille Hoffnung von manchem Akteur sein. Viele, viel zu viele von uns leben ihr Leben mit einem unbändigen Drang zu Konsum, Luxus und Energieverbrauch, als würde es kein Nebenan und kein Morgen geben … (- aber jetzt wiederhole ich mich doch).
     
    Was meine Gedanken zu demokratischen Entscheidungen betrifft, so denke ich, wer mich richtig verstehen will, tut dies auch. Wer sich – warum auch immer- schwer damit tut, der mag sich bitte die Mühe machen, meinen Kommentar nochmal aufmerksam zu lesen und auch im Gesamtzusammenhang meiner Äußerungen zu betrachten. Gegebenenfalls sollten hierzu noch das Selbstverständnis des Ostfalen-Spiegels (https://www.rainer-elsner.de/ostfalen-spiegel/) und meine Artikel in der Rubrik „Zeitgeist“ (https://www.rainer-elsner.de/zeitgeist/) gelesen werden. Spätestens dann müsste es ein jeder vernünftig denkende Mensch – hoffe ich – verstehen.
     
    Unser Grundgesetz und hier vor allem die Grundrechte, steht für mich so wenig zur Disposition wie das Leben und die Gesundheit und auch die Freiheit von Menschen – allerdings nicht nur in Dettum und Umgebung! Eben all das wird aber gerade durch kompromisslose Haltungen in Frage gestellt (Kompromisse, wie gesagt, immer auf der Basis der Grundrechte und der unveräußerlichen Menschenrechte für alle Menschen hier, in der Welt und in der Zukunft!).
     
    Die politische und wirtschaftliche Realität in unserer „christlich-sozialen“ Gesellschaft ist im Übrigen häufig leider eine andere, als Sie es vermutlich mit diesem Hinweis darauf darstellen wollen – und das in der Regel nicht aufgrund von Entscheidungen „grüner Ideologen“! Auch hier liefert der Ostfalen-Spiegel mit seinen fast täglich veröffentlichten NGO-Meldungen bereits genügend Hinweise.
     
    Ihren Hinweis auf das Geldverdienen mit den Windrädern kann ich schließlich gar nicht nachvollziehen – erstrecht nicht, wenn Sie sich auf eine Quelle (die FAZ) stützen, die das dort gleichfalls negativ anmerkt, zugleich aber jahrein, jahraus den „Primat der Ökonomie“ predigt. Die Rücksichten, die in dem Artikel – möglicherweise zu Recht – eingefordert werden, wurden und werden an gleicher Stelle jahrzehntelang in anderen Zusammenhängen verwehrt. In unserem Wirtschaftssystem ist Geldverdienen die Grundlage des Überlebens und insofern zunächst allgemein akzeptiert. Eine Diskussion des Wirtschaftssystems ist also möglicherweise ebenso notwendig, würde hier aber zu weit führen. Im Status Quo müssen wir alle Geld verdienen. Und da sind für mich Windkraftwerke zunächst deutlich harmlosere Geschäfte als Atomkraftwerke, Kriegswaffen oder Nahrungsmittelspekulationen.
     
    So sehr ich also wirklich die Bedenken und Ängste vieler Gegnerinnen und Gegner des Windparks verstehe und unbedingt berücksichtigt wissen will. Eine kompromisslose Diskussion (was dann eigentliche keine Diskussion mehr ist) erscheint mir nicht akzeptabel und auch wenig zielführend – wohlgemerkt vor dem dargelegten Hintergrund!
     
    Für mich wäre das dann nur noch ein Trauerspiel.
     
    Aber, und jetzt wiederhole ich mich bewusst, ich halte meinen Wunsch aufrecht, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und gemeinsam nach akzeptablen Lösungen suchen – was sicher nicht ganz ohne Kompromiss gehen wird. Die Alternative wäre, den Dingen ihren Lauf lassen. Dann werden die Anlagen vermutlich so errichtet, wie es derzeit diskutiert wird. Sie als Gegner können dann irgendwann teure Prozesse ohne sichere Aussicht auf Erfolg anstrengen. Das geht selbstverständlich auch, aber ich würde das immer nur als Ultima Ratio ansehen.
     
    Herzliche Grüße
     
    Rainer Elsner
     
    P.S.: Eine inhaltliche Bitte habe ich noch. Die RKI-Empfehlungen sind mir bekannt und habe ich auch in meinen Überlegungen berücksichtigt. Entsprechende Aussagen der WHO konnte ich bisher in der Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit nirgendwo finden. Wenn Sie dazu also eine möglichst präzise Quellenangabe haben, bin ich Ihnen dafür dankbar.

  5. Sehr geehrter Herr Elsner,

    ich möchte an dieser Stelle die an diesem Ort vorliegende Diskussion beenden.
    Ich sage Ihnen auch gerne warum.
    Wir nähern uns hier kein Stück an und vor allen Dingen gehen Sie leider auch in Ihrer letzten Mail mit keinem Wort auf die wichtigsten Sachverhalte ein, so z.B den rechtlichen Umstand der nicht vorhandenen Limitierung an Höhe und Anzahl der Windkraftanlagen und damit auch einer nicht vorhandenen Kompromisslösung für das besagte Gebiet.
    Im Gegenzug schreiben Sie von einer eindimensionalen Website der Bürgerinitiative, die ich hier übrigens in meinen Ausführungen nicht vertrete, da ich hier als Privatperson schreibe.
    Noch einmal zum Verständnis:
    Ich bin sehr gerne kompromisslos dort, wo es mir der Sachverhalt gebietet und es erfordert, und kompromissbereit, wo es sinnvoll und angemessen ist. Aber das hatte ich ja bereits erklärt.
    Ich finde übrigens nichts falsch daran.

    Bevor wir uns also weiter im Kreise drehen, denke ich ist es an der Zeit, dass wir uns beide wieder den eigentlichen Dingen widmen.

    Lassen Sie mich noch zum Schluss zwei Schlussbemerkungen machen:

    1. Nicht was technisch machbar ist, sondern was technisch im Einklang mit Natur und Mensch ist, sollte umgesetzt werden. Das gilt übrigens für sehr viele Technologien.
    Schlagen Sie heute mal die Braunschweiger-Zeitung auf, jetzt soll auch noch in unserem Bereich das Fracking beginnen und hier wird noch nicht einmal die ASSE-Region ausgeschlossen.
    Wie wäre eine CO2-Einlagerung unterhalb des Elms oder der Asse. Entschuldigen Sie, wenn ich hier etwas sarkastisch werde, aber dazu wird man ja beinahe schon aufgrund der Tatsachen gedrängt.
    Vielleicht hat die Politik auch einfach nur die Region um die Asse bereits abgeschrieben und die aktuelle Rückholungsdiskussion soll nur vom Thema ablenken ?

    2. Ich weiss nicht wie weit Ihre Recherchen reichen, was das Geldverdienen mit den Windkraftanlagen angeht. Selbst der Spiegel hatte hier bereits vor wenigen Jahren einen sehr eindeutigen Artikel verfasst.
    Zur Zeit sind diverse Arbeitskreise dabei die ganzen Hintergründe der Betreiber, Gutachten usw. zu recherchieren. Lassen Sie es mich mal so formulieren, mir bleibt dort bereits jetzt schon bei ersten Ergebnissen, die zu Tage gefördert wurden, die Luft weg.
    Sicher werden diese Ergebnisse nach dem Abschluss aller Recherchen Ihnen gerne zur Verfügung gestellt.
    Übrigens gibt es ein schönes Statement am Telefon durch einen Mitarbeiter des ZGB´s: „Wir machen Millionäre“.
    Damit sind in erster Linie auch die Landverpächter und damit Landwirte gemeint, oder warum klagen die ersten bereits in Deutschland für eine Ausweisung Ihrer Flächen für die Windkraft.
    Und wie lassen sich im übrigen sonst die vielen Spenden der Betreiberfirmen in soziale Projekte auf der Gemeindeebene erklären, von denen man vom Tegernsee bis zur Nordsee immer wieder liest.
    Ich könnte hier noch sehr lange weiter schreiben, aber ich denke Sie werden vieles ohnehin noch in den kommende Monaten durch verschiedenste Medien zur Kenntnis erhalten. Es erstaunt mich aber dennoch sehr, dass ein so belesener, wissensorientierter Mensch, wie Sie es anscheinend sind, davon noch nichts mitbekommen haben will.

    Nochmals, ich bin ohne jede Frage für Windkraft, aber nur wenn die Technologie im Einklang mit der Natur und insbesondere der Gesundheit des Menschen zum tragen kommt.
    Und ich bin mir sicher, dass es hier genügend Weißflächen für erneuerbare Energien in Deutschland gibt, die diesen Umstand berücksichtigen und trotzdem die vom Bund geplanten 35% bis zum Jahre 2020 ermöglichen würden.
    Nur muss dazu sicher nicht der ZGB mit einer geplanten 100% an erneuerbarer Energie eine Vorreiterrolle einnehmen wollen und dabei eine Region, die aufs schärfste schon unter der Asse2-Problematik leidet hier noch weiteren Belastungen und Risiken aussetzen.

    Viele Grüße
    Roger Milenk

    PS:Bitte lassen Sie mir noch Ihre Email-Adresse zukommen, ich werde Ihnen einen Link zur der WHO-Ausführung zukommen lassen.

  6. Insgesamt empfinde ich Windkraftanlagen als äußerst störend in der Landschaft. Daher bin ich der Ansicht, dass das Argument der gerechten Lastenverteilung im Großraum BS zu einer unnötigen Verschandelung des Landschaftsbildes führt. Es ist schon schwierig: Einerseits muss ein Mindestabstand von 1.000 m zu Ortschaften eingehalten werden, andererseits werden damit die letzten raren Gebiete mit Naturflächen nun ausgerechnet mit diesen hässlichen und störenden Windkraft-anlagen belastet und verschandelt.

    Gerade im Bereich Salzdahlum und Umgebung haben wir eine wirklich schöne Hügellandschaft mit gewachsener Straßenführung und dörflicher Bebauung, welche diese Landschaft zu einer „Oase“ im Nahbereich zu BS und WF macht. Hier wäre eine Zerstörung des Landschaftsbildes unverhältnismäßig und sehr zu bedauern – eigentlich ein Frevel.

    Ungeachtet der z.Zt. von Ihnen erwogenen und prinzipiell begrüßenswerten Mindestabstände zur Bebauung, rege ich zur Prüfung an, ob es nicht möglich und sinnvoll ist, Windkraftanlagen entlang von Autobahnen, Gewerbe- und Industriegebieten sowie z.B. Kanälen und Hafenanlagen (ggf. mit geringeren Abständen) zu erstellen und die Landschaften zu verschonen.

    Auch sollte eingehend geprüft werden, ob es im Großraum BS künftig möglich wäre, über intensivere Nutzung von Solar-, Wasser und sonstiger Energie einschl. Repowering der bereits vorhandenen Windkraftanlagen, die Energieziele zu erreichen, ohne Bürger und Landschaft nachhaltig durch optisch derart schwerwiegende Eingriffe mit Windkraftanlagen zu belasten.

    Es ist selbstverständlich, dass jedes Bundesland und die meisten Kommunen Ihren Beitrag zur Energiewende leisten müssen und wollen. Es sollte hierbei aber möglich sein, die regional unterschiedlichen Befindlichkeiten der Bevölkerung zu berücksichtigen und nicht aus politisch-ideologischen Gründen nach dem „Gießkannenprinzip“ hier unbedingt sämtliche Landstriche regelmäßig mit Windkraft-anlagen zu belasten und zu entstellen.

    Wie ich der Diskussion entnehmen konnte, gibt es möglicherweise Kommunen (z.B. im Harz, Goslar usw.), welche einer Nutzung von Windenergie positiver gegenüberstehen. Es sollte doch versucht werden, nur Gebiete mit hoher politischer Akzeptanz auszuwählen.

    Weiterhin rege ich zu prüfen an, ob es nicht mit den östlich benachbarten Bundesländern Möglichkeiten zur länderübergreifenden Betrachtung der Gesamt-MW-Leistung geben kann. Möglicherweise besteht dort Interesse für mehr Windkraft in schwach besiedelten Regionen. Falsches, politisch motiviertes Gerechtigkeitsempfinden, sollte bei der Verteilung der Windkraftflächen nicht ausschlaggebend sein. Eine Gesamtverschandelung sämtlicher Landstriche muss nicht sein !

    Dem Totschlagargument des Herrn Paland – St. Florian – ist entgegenzuhalten, dass die betroffenen Ortschaften (Dettum, Ahlum, Salzdahlum, Atzum, Mascherode und Stöckheim) auf Grund ihrer sehr stadtnahen Lage zu WF und BS – entgegen weiter entfernten Ortschaften – ohne die Beeinträchtigung durch Windkraftanlagen in den meisten Fällen nicht von Bevölkerungsrückgang betroffen sind.
    Es ist also im Rahmen einer Güterabwägung nicht vergleichbar, ob Windkraftanlagen in der Umgebung einer bereits ohnehin aussterben Ortschaft, die wesentlich weiter von regionalen Oberzentren wie Braunschweig entfernt liegt, errichtet werden – oder ob die Windkraftanlagen intakte, lebendige Ortschaften zerstören und auf lange Sicht entwerten und entvölkern.
    Gleiches gilt für eine Güterabwägung zwischen Standorten von Windkraftanlagen an Autobahnen, Gewerbe- und Industriegebieten usw. und Standorten in unmittelbarer Nähe zu intakten und erhaltenswerten Wohngebieten.

  7. Lieber Herr Milenk,

    vielen Dank für Ihre abschließenden Worte!

    Nun, auch ich habe noch reichlich anderes zu tun. Insofern kommt es mir entgegen, diese nun wohl etwas festgefahrene Diskussion zu beenden. Das Wesentliche ist von meiner Seite auch gesagt. Sie gestatten mir aber bitte, dennoch ebenfalls ein paar abschließende Bemerkungen.

    Bitte entschuldigen Sie zunächst, wenn der Eindruck entstanden ist, ich würde Ihre Meinungsäußerung mit der Meinung der Bürgerinitiative WindparkADe gleichsetzen. Das ist nicht der Fall. In anderer Richtung gehe ich aber davon aus, dass Sie zumindest grundsätzlich das vertreten, was dort veröffentlicht wird – unter anderem, weile Sie selbst darauf verwiesen haben.

    Ich gebe Ihnen auch durchaus Recht, dass es Situationen gibt, in denen eine kompromisslose Haltung zulässig ist. In der hier diskutierten Situation sehe ich es aber als wenig hilfreich an. Ihre am Ende doch unverändert kompromisslose Haltung empfinde ich deshalb als sehr bedauerlich! Warum, und wie ich es mir anders vorstelle, habe ich bereits ausgeführt.

    Und, wer seinen kompromisslosen Standpunkt nicht verlässt, sollte andere, kompromissbereite Menschen nicht auf eine mangelnde Annäherung hinweisen. Auch wenn wir uns vielleicht tatsächlich ein Stück weit im Kreis gedreht haben, für mich war unser Gespräch durchaus aufschlussreich und informativ. Dieser Ort und unser kleiner Personenkreis ist aber so oder so sicher nicht der passende zur Lösung des Konflikts.

    Aber ich sehe es unverändert als sinnvoll an, eine sachliche und offene Diskussion zu führen. Denn diese kann möglicherweise – sofern notwendig – der Änderung des Handelns in der Politik wie auch der Rechtsprechung dienen. Ein Ergebnis könnte dann zum Beispiel die geforderte fundierte Begutachtung des häufig angeführten Infraschalls sein. Zugleich müssen wir aber auch gemeinsam nach Lösungen für unser Energie- und Ressourcenproblem suchen. Für mich geht das eine nicht mehr ohne das andere (wie bereits begründet).

    Was dann konkrete Fakten wie zum Beispiel die nicht limitierten Höhen betrifft, so bin ich nicht darauf eingegangen, weil ich Ihren Hinweis als eine von vielen Information und nicht als eine Frage verstanden habe (wie es ja auch nicht formuliert war). Ich bin auch für jede Information dankbar und reiche die hier gerne weiter. Mein Anliegen ist es aber nicht, hier das Thema abschließen zu diskutieren. Ich glaube, dazu sind wir beide weder inhaltlich noch zeitlich in der Lage noch sind wir dazu berufen. Mein Anliegen ist, zum kritischen und wirklich verantwortungsbewussten Denken anzuregen und eben zu konstruktiven auf Verständigung ausgerichteten Gesprächen.
    Die von mir vorgeschlagene Diskussion soll ja auch nicht hier geführt werden, sondern sollte am „runden Tisch“ mit den tatsächlich Beteiligten und der Politik geführt werden.

    Was nun Ihren Punkt 1. betrifft, so ist es für mich sehr interessant, in diesen Diskussionen (nicht nur mit Ihnen) auch immer wieder zu erfahren, wie viele technikkritische Naturschützer es plötzlich gibt! Wenn das dann tatsächlich zu einer gelebten Realität wird, hätten die Auseinandersetzungen mindestens einen absolut wünschenswerten Effekt! Ich für meinen Teil brauche da aber sicher keine Belehrung mehr. Ich sehe das Endlager Asse 2 zum Beispiel ebenso kritisch wie Sie (wie gesagt, nicht erst seit gestern!). Die beispielhaft genannte CO2-Verpressung ist für mich vereinfacht gesagt problemverlagernd, nicht lösend. Und das von Ihnen ebenso skeptisch angeführte Fracking erscheint mir gleichfalls eine verantwortungslose Handlung zu sein, die mit dem technisch Machbaren versucht möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften – aber eben auch unseren unbändigen Ressourcenbedarf zu stillen! Mag auch sein, dass manche Politikerinnen oder Politiker die Region der Asse tatsächlich so bewerten, wie Sie das vermuten. Ich weiß es aber auch nicht.

    Das Grundsätzliche zu Ihrem Punkt 2. habe ich auch bereits gesagt. Das ich bereits über alle vorhandenen Informationen verfüge, habe ich hingegen nirgendwo behauptet. Für neue Informationen bin ich – auch angesichts meiner beschränkten Zeit für Recherchen – jederzeit dankbar (wie schon gesagt). Dabei halte ich es aber für angebracht, Behauptungen auch zu belegen. Wo ich nicht eine Meinung geäußert habe, sondern von Fakten gesprochen habe, habe ich dies in der Regel auch mit Verweisen (Links) oder Endnoten belegt. Das wäre bei den Vorwürfen gegen die Windkraftindustrie von Vorteil wie auch, wenn Sie den WHO-Link bereits hier mit genannt hätten. Andere Leserinnen und Leser interessieren sich sicher auch dafür. Meine E-Mail-Adresse für den Link und gerne auch weitere neue Informationen entnehmen Sie bitte dem Impressum (https://www.rainer-elsner.de/impressum/). Sollten sich die angedeuteten Vorwürfe gegen die Windkraftindustrie erhärten, wäre das für mich (soweit ich Ihre Hinweise richtig verstanden habe) zunächst nur der Hinweis, dass wir als Gesellschaft vermutlich eben doch grundsätzlichere Diskussionen führen müssten. Die Windkraftindustrie handelt dann eben nämlich einfach nur wie andere Industrien auch …

    Um es am Ende nochmal möglichst kompakt zusammenzufassen: Meine Position ist in diesem Fall der in der Auseinandersetzung mit unseren ökologischen und sozialen Problemen schon lange empfohlene Ansatz: global Denken, lokal handeln. Das macht es zwar nicht einfacher, sondern wohl eher schwieriger. Aber nur so sehe ich die Chance, wirklich nachhaltige Lösungen zu finden.

    Ich hoffe deshalb weiter, dass konstruktive, ergebnisoffene Gespräche möglich sind. Da Sie mich ja leider allem Anschein nach wiederholt nicht oder falsch verstehen, füge ich hinzu: Ergebnisoffen, heißt für mich ergebnisoffen, beinhaltet also auch die Möglichkeit, keine Windräder zu bauen. Ich glaube, für das friedliche Zusammenleben in der Region ist eine in einer solchen Diskussion gefundene Entscheidung geeigneter als gleich verhärtet „aufeinander loszugehen“.
    Redlicherweise muss ich dabei für andere Leser hinzufügen, dass ich über das Zustandekommen einer solchen Diskussion nicht entscheiden kann, sondern es allenfalls in meinem Einflussbereich anregen kann.

    Freundliche Grüße

    Rainer Elsner

  8. Sehr geehrter Herr Elsner,

    Ihre Verweise auf eine „Ergebnis offene“ Diskussion zum Thema Windpark Ahlum-Dettum finde ich grundsätzlich sehr gut. Das Problem bei dieser Diskussion ist allerdings, daß es leider nur zwei Alternativen gibt: Windpark JA, oder Windpark NEIN.

    Wenn Sie die Vorträge des ZGB verfolgt haben, so gibt es bestimmte Rahmenkriterien, nach denen die Flächen möglicher Windparks im ZGB-Gebiet ausgewählt werden. So z. B. 1000 m Abstand zur Wohnbebauung, und viele andere Kriterien. Hierraus ergeben sich die Flächen, die als Windparkflächen ausgewiesen werden können.

    Bei der ganzen Diskussion muß man zwei entscheidende Punkte beachten:
    1.) Die Kriterien, nach denen mögliche Windparkflächen ausgesucht werden, müssen für alle Flächen im ZGB-Gebiet die selben sein. Ansonsten könnte das gesamte Verfahren angefochten werden. Dieses bedeutet aber, daß Sonderregelungen (z. B. größerer Abstand zur Wohnbebauung etc.) für einzelne Gebiete zwar diskutiert werden können, sie sind aber nicht umsetzbar, weil, wie geschrieben, dem Verfahren gleiche Maßstäbe für alle Flächen zu Grunde liegen müssen. So habe zumindest ich den ZGB in allen Veranstaltungen verstanden.
    2.) Wenn eine Fläche zur Windenergienutzung ausgeschrieben wird, so können Betreibern dort keine Vorschriften bzgl. der Bebauung gemacht werden. Dieses betrifft sowohl die Höhe der Anlagen als auch die Anzahl der Anlagen (pro 10 ha darf eine Anlage errichtet werden). Bei einer möglichen Fläche von 300 ha für den angedachten Windpark Ahlum-Dettum wären hier bis zu 30 Windräder möglich. Und diese hätten nach heutigem Stand eine Höhe von 185 m. Sollte es zum Zeitpunkt der Umsetung größere Anlagen geben, so wären auch diese denkbar. Über diesen Punkt kann man selbstverständlich auch diskutieren. Beeinflussen kann jedoch keine Institution und kein Bürger etwas. Man ist also voll und ganz auf das „Wohlwollen“ zukünftiger Betreiber angewiesen.

    Dieses Situation drängt viele Bürger, die grundsätzlich erneuerbaren Energien offen gegenüber stehen, und sich einen Kompromiss (weniger Windräder, größere Abstände) durchaus vorstellen könnten, in die Position, GEGEN den geplanten Windpark zu sein. Ich sehe daher leider keine Möglichkeiten für „Ergebniss offene“ Diskussionen. Aber nicht, weil ich keine Windräder will, sondern weil es für meine Überzeugung (Erneuerbare Energie mit und nicht gegen die Menschen) in diesem Fall aus den oben genannten Gründen für den Windpark Ahlum-Dettum wenig, um nicht zu sagen, gar keinen Verhandlungsspielraum gibt…

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian Hecker

  9. Sehr geehrter Herr Heckner,

    vielen Dank für diese Ergänzung!

    Nur eine kurze Antwort, da ich tatsächlich wenig Zeit habe und das Wesentliche zunächst ja auch bereits gesagt wurde.

    Die vorhergehende Diskussion war für mich durchaus hilfreich in meiner Meinungsbildung und kann dies für andere ja vielleicht auch sein. Zugleich war sie am Ende vielleicht tatsächlich etwas festgefahren.

    Ihre Hinweise sind deshalb eine gute Ergänzung, da Sie zum einen die Notwendigkeit regenerativer Energien nochmal anerkennen, zum anderen aber auch nochmal auf die nachvollziehbaren Bedenken der Anwohner und den nach derzeitigem Sachstand wohl tatsächlich engen Spielraum erklären.

    Mir ging und geht es auch nicht darum, genau dort eine Windpark installiert zu sehen. Sondern ich störe mich daran, dass viele schnell dagegen waren (und sind), aber die übergreifenden Probleme nicht notwendigerweise mit diskutiert oder zum Teil sogar nicht anerkennen.

    Ziel sollte deshalb eine Art „runder Tisch“ sein, der wirklich ergebnissoffen nachhaltige Lösungen diskutieren kann. Wie das möglich werden kann und ob das hier noch möglich ist, weiß ich noch nicht. Aber miteinander reden ist dafür auf jeden Fall notwendig.

    Mit freundlichen Grüßen

    Rainer Elsner

  10. Nachtrag (Zwischenergebnis)

    Mit kritischem Nachdenken über die vorstehende Diskussion, ein paar Hintergrundinformationen mehr sowie durch die (zum Teil erneute) Sichtung von Unterlagen komme ich zu folgendem Ergebnis:

    Den Kern meiner Kritik an der Ablehnung der Windkraftanlagen bildeten das Ignorieren der global wirkenden Problematik unseres Lebensstils, die den Bau von Windkraftanlagen notwendig werden lässt und das kompromisslose und „laute“ sich allein gegen Windkraftanlagen richtende Engagement der Windkraftgegner.

    In diesem Kern sehe ich mich durch die Diskussion leider doch bestätigt. Wer die komplette Diskussion aufmerksam und kritisch gelesen hat, wird das vermutlich bereits nachvollziehen können. Außerdem liefern die Quellen, die (auch mir) als angebliche Begründung genannt wurden, diese Begründung nicht. Im Detail werde ich das in einigen Tagen berichten.

  11. Schlussbemerkung:
    Mich wundert es, dass Sie bis heute nicht einmal auf zwei wichtige Tatbestände eingegangen sind:
    1. Die Asse-Atommüll-Lagerproblematik genau in dem besagten Gebiet und die daraus betstehende, herausragende Altlast für alle angrenzenden Anwohner.
    2. Die aktuelle Gesetzgebung, die einen Kompromiss in Höhe und Anzahl an Windkraftanlagen in dem Gebiet nicht erlaubt.
    Wenn Sie ohne inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Themen, zumindest finde ich keine in Ihren Antworten, bereits Ihr Zwischenergebnis ziehen, dann finde ich ehrlich gesagt Ihr Verhalten in diesem Punkt kompromisslos und gar nicht zu Ihrer bisher geäußerten Überzeugung und Haltung passend.
    Mit freundlichen Grüßen
    Roger Milenk

  12. Verehrter Herr Milenk,

    vielen Dank für Ihre Ergänzung!

    Für mich mutet es aber schon fast etwas grotesk an, wenn Sie zunächst wiederholt Ihre kompromisslose Haltung betonen, mir dann aber plötzlich Kompromisslosigkeit vorwerfen. Und diese werfen Sie mir vor, weil ich mit Ihnen angeblich keine inhaltliche Diskussion geführt habe. Neben der Tatsache, dass Ihr Vorwurf meines Erachtens so nicht zutifft, war die inhaltliche Diskussion aber von Anfang an nicht das zentrale Thema in diesem Beitrag, denn diese wurde bereits an anderen Stellen und Orten (Presseartikel, Leserbriefe, Informationsveranstaltungen, …) wiederholt geführt. Mein Anliegen war und ist die Einbeziehung des für mich deutlich zu wenig beachteten ökologischen und gesellschaftlichen Gesamtzusammenhanges, in welchem die Errichtung des Windparks stattfinden soll bzw. besser wohl muss (eigentlich auch ein Inhalt).

    Auf diese Diskussion, die neben der Aufforderung zu offenen gemeinsamen Gesprächen aller Akteure eben das Hauptanliegen meines Kommentars war, sind Sie leider nicht wirklich eingegangen. Und damit haben Sie zugleich eine meiner Missbilligungen des Vorgehens der Windparkgegner bestätigt. Sie habe auch dieses Forum vorrangig dazu benutzt, vor allem Ihre ablehnende Haltung mit Nachdruck zum Ausdruck zu bringen.

    Nun ist Kommunikation immer eine schwierige Angelegenheit und häufig mit Missverständnissen verbunden. Wie weit hier Missverständnisse vorliegen, kann ich nicht eindeutig erkennen – und bedauere diese, sofern sie auf meiner Seite liegen sollten. Nur, wer wiederholt betont, kompromisslos zu sein, sollte dies bitte anderen nicht zum Vorwurf machen – die sicher Position bezogen haben aber Kompromisslosigkeit in keiner Weise zum Ausdruck gebracht haben.

    Was meine Person betrifft, so bin ich zunächst vor allem ein kritischer Beobachter und kein unmittelbar Beteiligter (außer ein wenig beratend). Da ich die Notwendigkeit solcher Windparks aber sehe, habe ich die nach meinem Eindruck zu sehr zur Ablehnung tendierende öffentliche Diskussion kommentiert und zu gemeinsamen Gesprächen aller Akteure aufgerufen. Was die inhaltliche Auseinandersetzung mit Ihren Themen betrifft, so habe ich diese durchaus geführt, hier partiell und vor allem an anderer Stelle auch eingehender – als Quelle habe ich auch darauf verwiesen. Dort werden Sie auch manche von Ihnen genannte Quelle wiederfinden. Gleichwohl habe ich nun – wie angekündigt – in einem neuen Artikel (https://www.rainer-elsner.de/2012/kritik-der-argumente-gegen-windkraftanlagen/) meine Bewertung der Gegenargumente nochmal und teils ausführlicher dargestellt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Rainer Elsner

  13. ….wenn ich Sie also richtig verstehe, war eine inhaltliche Diskussion also gar nicht Ihr fokussiertes Thema.
    Das ist interessant.
    Merkwürdig finde ich dann, wie umfassend und inhaltlich Ihr erster Artikel zur Problematik ausgefallen ist.
    Wenn dann jemand dazu Stellung bezieht, wie in meinem Falle, berufen Sie sich am Ende darauf, dass Sie ja eigentlich ein ganz anderes Thema verfolgten.
    Nur lässt sich manchmal nicht vermeiden, dass Themen miteinander verflochten sind oder ineinandergreifen – dieses in unserem Falle sogar besonders schwer, denn um es vielleicht noch mit eingängigeren Bildern zu beschreiben:

    Wenn das Haus schon brennt, müssen nicht noch Brandbeschleuniger hineingeworfen werden.

    Oder um es mit anderen Worten zu sagen: in unserem Hinterhof ist kein Platz für weitere Belastungen, denn mit einem der größten Umweltkatastrophen Deutschlands (aktuelle Aussagen verschiedenster überregionaler Politiker) ist unser Hinterhof bereits randvoll gefüllt.

    Dieses Thema umgehen Sie aber mit Ihren Antworten in diesem Forum geschickt. Sie wollen eine Diskussion über die ökologische und gesellschaftliche Verantwortung des Individuums, lassen aber individuelle Sachverhalte dabei außen vor.
    Das führt mich eher zu einer philosophischen Betrachtungsweise, die sollte dann aber sicher nicht an einem solch prekären Beispiel, wie dem unseren geführt werden.

    Für mich entziehen sich Ihre Argumentationsketten meiner Logik.
    Vielleicht fordern Sie ja auch, dass Menschen, die in der unmittelbaren Nähe einer Einflugschneise von Flughäfen wohnen, einen höheren Steuersatz zahlen müssten, da sie ja aufgrund von weniger Nachtruhe auch mehr Tagesarbeitszeit zur Verfügung hätten?!

    So lange Sie aus meiner Sicht nicht bereit sind die Individuallage zu betrachten werden wir beide nicht auf einen Nenner kommen, was ich sehr schade finde. Trotzdem vielen Dank für die bisherige Auseinandersetzung, ich lerne ständig dazu.

    Mit freundlichen Grüßen
    Roger Milenk