Abenteuer auf dem Acker

Aug 22nd, 2010 | By | Category: Wandern

Ein Hauch von Abenteuer auf dem Acker

Ausflugsziele in Ostfalen – Natur, Geschichte, Gegenwart

Über Stock und Stein führt der Weg auf Höhen jenseits der 800 Meter mitten in den Nationalpark Harz zur sagenhaften Hanskühnenburg und bergab und bergauf zurück zur Stieglitzecke. Bei rauem Wetter weht ein Hauch von Abenteuer über die Wipfel der Bäume.

Anfahrt: mit dem Pkw oder mit dem Bus, Fahrplanauskünfte:

Ausgangspunkt: Harz, Niedersachsen, Parkplatz und Bushaltestelle „Stieglitzecke“ an der Bundesstraße 242 zwischen Clausthal-Zellerfeld und Sankt Andreasberg Ortsteil Sonnenberg

Länge: etwa 18 km

Höhen: zw. 630 m u. 835 m ü. NN (inkl. Turm), zu Überwinden sind ca. 590 Höhenmeter auf u. ab

Beschaffenheit: Forststraßen, zwei längere Abschnitte auf steinigen und teilweise feuchten Pfaden

Rast: Bänke, Schutzhütten, eine Waldgaststätte

Kennzeichnung der Wege: Wie im Harz allgemein üblich sind die Wege meist gut beschildert und ausgezeichnet. Dies erfolgt in der Regel durch die Zweigvereine des Harzklubs, hier in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Harz.

Grundsätzliche Ratschläge: finden sich bei Gedanken, Hinweise und Tipps zum Wandern

Bild 1: Blick auf die B242 an der Stieglitzecke, links hinten der Parkplatz, rechts davon ist die Bushaltestelle (Foto: re)

Sankt Andreasberg. (re) Das Acker-Bruchberg-Massiv ist ein markanter Teil des Oberharzes und gehört zu einem großen Teil zum Nationalpark Harz. Der Höhenzug „Auf dem Acker“ erstreckt sich vom Südwesten nach Nordosten und erreicht dabei Höhen von mehr als 850 Metern über Normal Null (NN). Am Übergang in den „Bruchberg“, der deutlich über die 900 Meter über NN hinausragt, verläuft die B242 vom Sonnenberg nach Clausthal-Zellerfeld. Auf dem Scheitelpunkt der Straße befindet sich die Stieglitzecke und unweit davon in Richtung Clausthal ein großer Parkplatz (Bild 1). Im Winter ist dies ein beliebter Ausgangspunkt für Skilanglauftouren in dieser bisher recht schneesicheren Höhenlage. Für Wanderungen auf dem Acker gibt es hier zwei Wege, die Ackerstraße auf der Südseite des Höhenzuges und den Reitstieg auf der Nordseite. Die Gipfelbereiche des Acker-Bruchberg-Massivs gehören größtenteils zur Kernzone des Nationalparks und sind deshalb für den Zutritt gesperrt. Nationalparks werden unter anderem dazu eingerichtet, die regionale Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Dies dient letztendlich auch dem Erhalt der für den Menschen lebensnotwendigen Lebenswelt. Die dem Betrieb des Nationalparks dienenden Vorschriften (Bild 2) sollten also unbedingt befolgt werden. Außerdem sollten Wanderin und Wanderer ihre Tour immer gut vorbereitet und mit dem passenden Schuhwerk, passender Kleidung und Ausrüstung starten.

Landschaftlich reizvolle Tour

Bild 2: Tafel am Beginn eines Wanderweges mit Regel für den Nationalpark Harz (Foto: re)

Die landschaftlich reizvolle Tour zur Hanskühnenburg führt streckenweise über einfache Wanderpfade. Teilweise sind sie sehr steinig beziehungsweise felsig, mitunter auch feucht (Bild 3). Entsprechend ist ein festes und wasserdichtes Schuhwerk unbedingt notwendig. Durch die unwegsamen Wegabschnitte wird diese Tour nicht als Fahrradtour empfohlen. Allenfalls mit einem guten Mountainbike kann auf den meisten Abschnitten auch tatsächlich geradelt werden.

Die Tour führt auf dem Reitstieg hin zur Hanskühnenburg und kommt am Ende auf der Ackerstraße zurück. Für den Hinweg auf dem Reitstieg kann grob gesagt werden, dass es auf deutlich sichtbaren Wegen im Zweifel immer hangseitig, also südlich weiter geht. Denn durch den Schutz der Nationalpark-Kernzone führen keine Wege mehr hinauf auf den Kamm des Ackers. Der Reitstieg beginnt direkt am Parkplatz, wo sich auch eine Bushaltestelle befindet. Nach Südwesten führt eine Forststraße in den Fichtenwald. Nach etwa einem Kilometer gibt es eine Querverbindung zur Ackerstraße. Bald danach wird aus der geschotterten Forststraße ein steiniger Weg. Nun macht sich gutes Schuhwerk bezahlt. Zwischendurch führt der Weg wieder etwas herab und geht wieder in eine Forststraße über. Am Auerhahnplatz führt der Weg links (südlich) relativ steil bergan. Nach dieser Steigung wird es dann wieder ein einfacher Pfad, der nun durch die moorige Hochebene des Ackers führt. Hier gibt es immer wieder feuchte und moorastige Stellen. Die ganze Hochlage des Acker-Bruchberg-Massivs ist feucht, teils sogar ein Hochmoor.

Beides trägt den Namen Hanskühnenburg

Bild 3: Steiniger und feuchter Weg auf dem Acker (Foto: re)

Vorbei an einer kleineren Klippe werden bald ein mächtiger Felsen und ein Turm mit einem Satteldach sichtbar. Beides trägt den Namen Hanskühnenburg. Zunächst taucht der Felsen rechts (nördlich) neben dem Weg auf. Auf kurzen schmalen Pfaden durch die Blaubeeren kann dieser besucht werden. Der Felsen, die Hanskühnenburg-Klippe, war der Namensgeber für die Baude. Der Name dieses Naturdenkmals geht auf eine Sage zurück.

Hanskühenburg-Sage

Nach der Sage hielt sich hier der Raubritter Hans der Kühne verborgen. Nachdem er eine schöne Jungfrau entführt hatte, wurde er von dieser verflucht. Alsbald versank er samt Burg und Spießgesellen im Erdboden. Die Felsen sind die Reste der Burg, unter der ungeheure Schätze verborgen sein sollen.[1]

Mitte bis Ende des 18ten Jahrhunderts nahm der Tourismus im Harz zu. Zur Förderung wurde seinerzeit der Harzklub gegründet. Die Zweigvereine des mittlerweile auch dem Natur- und Umweltschutz verpflichteten Vereins betreuen bis heute die Wanderwege im Harz und in den Vorgebirgen. Der Bau von Schutzhütten und Ruhebänken gehört dazu wie der Bau von Wegen und deren Beschilderung. In der Anfangsphase des Vereins wurde auf den Harzbergen zahlreiche Aussichtstürme errichtet und später häufig mit einfachen Gaststätten ergänzt. In dieser Zeit wurde in der Nähe des Felsens so ein Aussichtsturm errichtet. Der einfache Holzturm wurde später durch den heutigen Steinbau ersetzt. Im Erdgeschoss des Turms wurde dann eine Baud, eine Waldgaststätte eingerichtet. Nach mehrfachen baupolizeilichen Schließungen kam es Mitter der 1970er Jahre zu einer kompletten Sanierung und Erweiterung des Gebäudes durch den neuen Träger Landkreis Osterode. Seit der Eröffnung der Ackerloipe gibt es vor allem im Winter einen großen Ansturm durch Skilangläufer. In der einfachen Selbstbedienungsgaststätte gibt es eine überschaubare Speisekarte mit schmackhafter, deftiger Kost und erfrischenden oder heißen Getränken. Wie in den meisten Waldgaststätten des Harzes ist der Empfang freundlich (inklusive dem netten Hund). Bei guter Sicht kann von dem Turm aus der gesamte Harz überblickt werden (Bild 4). Die Hanskühnenburg ist auch eine Stempelstelle der Harzer Wandernadel und liegt zudem seit 2010 am Harzer Baudensteig.

International berühmt durch Waldsterben

Bild 4: Blick vom Turm der Hanskühnenburg auf die gleichnamige Klippe und in Richtung Stieglitzecke (Antenne links hinten) (Foto: re)

International berühmt geworden ist die Hanskühnenburg durch das Waldsterben. Noch in den 1970er Jahren war der Turm von hohen Fichten umgeben, die die Aussicht behinderten. Die Bäume standen bis an die Gaststätte. Später in den 1980er Jahren war die gesamte Hochlage des Ackers mehr oder weniger frei von hohen Bäumen. Vergleichende Bilder fanden sich allerorten bei Berichten zum Thema Waldsterben in Deutschland. Mittlerweile wachsen die Fichten wieder und der Wald auf dem Acker scheint sich erholt zu haben. Noch haben die Bäume die alte Höhe nicht erreicht, aber in einigen Jahren fühlen sich Besucher aus den 1970er Jahren vielleicht wieder an diese Zeit erinnert.

Gedenkstein nicht mehr zeitgemäß

Gegenüber dem Eingang zur Baude befindet sich der kleine Hanskühnenburg-Felsen. An diesem sind zwei Gedenktafeln angebracht. Gut sichtbar ist eine 1999 angebrachte Bronzetafel, die an den Besuch der Hanskühnenburg-Klippe von Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1784 erinnert. Ein zweiter Gedenkstein wurde 1924 aufgestellt und ist mittlerweile umgekippt und bereits etwas verwittert. Dieser Stein erinnerte an Albert Leo Schlageter, Offizier im Ersten Weltkrieg und dann in der Weimarer Republik in verschiedenen Freikorps, der 1923 bei der Ruhrbesetzung vom französischen Militär hingerichtet wurde. Die Rolle der Freikorps in der Weimarer Republik, Schlageters Teilnahme am Kapp-Putsch und seine Nähe zu den Nationalsozialisten lassen einen solchen Gedenkstein heute nicht mehr zeitgemäß erscheinen.

Nach der empfehlenswerten Rast in der Waldgaststätte geht es nach Süden zunächst steil bergab. Über ein paar Kurven mündet die Forststraße hinab in die Ackerstraße. Vor allem für Skilangläufer sei hier auf die Steilheit und die damit verbundene Gefahr dieses Wegabschnitts verwiesen! Je nach Fahrtrichtung ist dies auch für eine Tour mit dem Fahrrad von Interesse. Der Rest der Tour führt nur noch über Forststraßen, zunächst halbrechts bergab sogar auf Asphalt. Nach gut fünfhundert Metern gibt es eine Linkskurve. Weiter bergab in der nächsten Kurve führt die Tour auf eine dort links abzweigende geschotterte Forststraße, den Kirchtaler Planweg.

Aktueller Hinweis für das Jahr 2010!

Dieser Weg ist seit Juni 2010 wegen eines Bergsturzes gesperrt. Die Sanierungsarbeiten scheinen aber kurz vor dem Abschluss zu stehen, so dass der Weg wahrscheinlich schon bald wieder freigegeben wird. So lange kann die Tour erlaubtermaßen nur weiter oben auf der Ackerstraße fortgesetzt werden. In diesem Fall kann der nächste Anlaufpunkt, die Waidmanns Ruhe, auf der nächsten talwärts abzweigenden Forststraße angelaufen werden.

Zurück zur Ackerstraße

Bild 5: Neu errichtete Schutzhütte an der Ackerstraße (Foto: re)

Weitgehend parallel zum Hang führt der Weg vorbei an einem Abzweig ins Tal. An der nächsten Weggabelung führt die Tour dann rechts bergab. Für eine Rast und gegebenenfalls auch für den Stempel der Harzer Wandernadel geht es zuvor aber kurz einige Meter den Weg bergan zur Schutzhütte Waidmanns Ruhe mit Stempelstelle. Weiter führt der Weg etwa zwei Kilometer parallel zum Hang zu einer großen Wegekreuzung, dem Schmierplatz. Hier führt der linke Weg steil bergan zurück zur Ackerstraße. Auf diesem Stück der Ackerstraße verläuft die Wanderung zugleich auf dem Europäischen Fernwanderweg E6. Nochmals wird eine Schutzhütte, die Hubertushütte (Bild 5), passiert. Dann windet sich die Forststraße langsam wieder bergan zurück zur B242. Direkt an der Straße befindet sich eine letzte Schutzhütte, die Magdeburger Hütte. Von hier sind es nur noch wenige Meter zurück zum Parkplatz beziehungsweise der Bushaltestelle. Etwa 18 Kilometer sind dies gewesen.

[1] Meyers Reisebücher: Der Harz. Grosse Ausgabe. 18. Aufl. Leipzig, Wien: Bibliographisches Institut, 1905, S. 179 f.

2 comments
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  1. Hallo Rainer,

    viel Arbeit. Ist das bei Deinen Sommerwanderungen entstanden?
    Die Gemütlichkeit der Gaststätte hätte man noch beschreiben können,
    ich hätte aber mal Lust auch was zu verfassen.
    Die Sage von Hans Kühnenburg wird auf der Kühnenburg anders beschrieben, Deine
    Version kannte ich noch nicht.
    Mathias

  2. Mathias,

    der Text ist nicht direkt bei den Wanderungen, aber danach entstanden.

    Gute Beiträge sind jederezit willkommen. Vielleicht beginnst Du mit einer Ergänzung zur Gemütlichkeit der Gaststätte Hanskühnenburg 😉

    Die Sage habe ich so in der angegebenen Quelle gefunden. Im Internet gibt es verschiedenen Varianten. Ich habe mich dann für diese über hundert Jahre alte gedruckte Quelle entschieden.