Kalter Krieg auf dem Stöberhai

Aug 16th, 2010 | By | Category: Wandern

Kalter Krieg auf dem Stöberhai

Ausflugsziele in Ostfalen – Natur, Geschichte, Gegenwart

Die Beschreibung einer mehrstündigen Wanderung folgt deutschen Kaisern und Königen, führt vorbei an Spuren aus dem Mittelalter und entdeckt eine versunkene Welt aus dem Kalten Krieg. Auch ein wenig Eisenbahngeschichte findet Erwähnung und eine kulinarische Empfehlung rundet den Bericht ab.

Anfahrt: mit dem Pkw oder mit dem Bus, Fahrplanauskünfte:

Ausgangspunkt: Harz, Niedersachsen, Parkplatz und Bushaltestelle „Lausebuche“ an der Bundesstraße 27 zwischen Braunlage und Bad Lauterberg

Länge der Tour: ca. 18 km

Höhen: zw. 460 m u. 720 m ü.NN, zu Überwinden sind ca. 530 Höhenmeter auf u. ab

Beschaffenheit der Wege: Forststraßen, kurze Abschnitte auf Waldpfaden

Rastmöglichkeiten: Bänke, Schutzhütten, eine Waldgaststätte

Kennzeichnung der Wege: Wie im Harz allgemein üblich sind die Wege meist gut beschildert und ausgezeichnet. Dies erfolgt in der Regel durch Zweigvereine des Harzklubs.

Grundsätzliche Ratschläge: finden sich bei Gedanken, Hinweise und Tipps zum Wandern

Bild 1: Parkplatz "Lausebuche", im Hintergrund B27 mit Bushaltestelle (Foto: re)

Braunlage. (re) Ausgangspunkt ist der Parkplatz „Lausebuche“ an der Südostseite der B27 zwischen Braunlage und Bad Lauterberg (Bild 1). Hier befindet sich auch die gleichnamige Bushaltestelle. Und hier kreuzt der „Kaiserweg Bad Harzburg – Tilleda“ die Straße. Die Wanderung startet in östlicher Richtung auf dem Kaiserweg. Der Kaiserweg führt etwa im rechten Winkel von der Bundesstraße weg. Ein Hinweisschild für die Hasselkopf-Loipe weist auch auf diesen Weg.

Der Kaiserweg ist ein etwa 110 Kilometer langer Fernwanderweg. Er folgt einer alten Harzquerung, die seit dem frühen Mittelalter benutzt wurde. Der Harz war im Mittelalter von Pfalzen der Deutschen Könige (die in der Regel auch zum Römischen Kaiser gekrönt wurden) umgeben. Das Gebirge selbst war Reichswald und Jagdgebiet der Kaiser und Könige. Deshalb wurde diese Harzquerung auch von diesen Herrschern immer wieder benutzt. Der Name des heutigen Kaiserweges gründet in der Flucht Kaiser Heinrich IV. über diesen Weg. Im Jahr 1073 floh der Deutsche König (Kaiser war er erst ab 1084) vor den Sachsen von der Harzburg aus über den Harz nach Walkenried und weiter nach Eschwege. Der eigentliche Kaiserweg führt von Bad Harzburg nach Tilleda am Kyffhäuser. Eine verlängerte Version startet bereits an der Kaiserpfalz in Goslar.

Bild 2: Auf dem Kaiserweg durch den Fichtenwald (Foto: re)

Durch einen hauptsächlich mit Fichten besetzten Wald (Bild 2) führt die Forststraße in einigen Windungen und über einen Bach (Großer Kronenbach) und leichte Steigungen als nächsten markantem Punkt zum Kapellenfleck.

Kapelle aus dem 13. Jahrhundert

Der Kapellenfleck hat seinen Namen von den Grundmauern einer wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kapelle, die hier gestanden hat. Heute sind auf den ersten Blick nur eine Freifläche zu sehen und eine Hinweistafel, die über den Ort aufklärt. Außerdem gibt es ein paar Bänke und eine Stempelstelle der Harzer Wandernadel. Neben dem Grundriss der Kapelle gibt es auch die Reste einer Wallanlage. Die Indizien sprechen dafür, dass Wallanlage und Kapelle zusammen gehören. Vermutlich gab es an diesem Ort im Mittelalter eine Schutzunterkunft für Reisende und möglicherweise auch eine Station zum Wechseln der Zugtiere. Der Weg war mit einem ganzen Wegesystem verbunden, welches unter anderem dem Transport von Bergbau-Gütern diente.

Weiter führt die Route über eine große Wegekreuzung nahe der Schutzhütte „Schweinepfahl“. Im Winter kreuzen sich hier mehrere Langlaufloipen. Ein Stück noch geht es weiter auf dem Kaiserweg. Nach einer Steigung dann lichtet sich der Wald und der Kaiserweg verlässt die Forststraße links (südöstlich) in Richtung der Straße nach Wieda. Über den Glasekopf, Kleiner Espentalskopf und Großer Espentalskopf führt die Tour in einem nordwestlichen Bogen hinauf auf den Stöberhai. Der Weg trägt größtenteils ein gelbes Dreieck als Kennzeichen. Meist führt diese Route an Kreuzungen mehr oder weniger geradeaus weiter. Erst am Fuß des Stöberhais verlässt die Tour eine Forststraße rechts hinauf auf einem ungeschotterten Waldweg. Es führen gegebenenfalls aber mehrere Wege auf den Stöberhai. Bei Hinweisschildern ist darauf zu achten, dass der Stöberhai nicht mit der Waldgaststätte Stöberhai verwechselt wird. Die Waldgaststätte liegt in einem Tal und diese Tour führt dort erst nach dem Erreichen des Stöberhais vorbei.

Überbleibsel aus dem Kalten Krieg

Bild 3: Freifläche mit Mobilfunkantenne, auf der mehr als drei Jahrzehnte eine Funkabhöranlage stand (Foto: re)

Der Stöberhai besteht quasi aus zwei Gipfelplateaus. Der hier beschriebene Weg führt zunächst auf den „Nebengipfel“, auf welchem heute ein Antennenmast für Mobilfunkanlagen steht. Bis vor wenigen Jahren standen unweit der Antenne noch die mächtigen Überbleibsel aus dem Kalten Krieg. Ein Stück weiter öffnet sich zur Linken (östlich) eine große Freifläche. Der Weg führt im Bogen zu einem Betonhäuschen auf dieser Freifläche (Bild 3). Am anderen Ende der Freifläche ist eine Betonmauer zu sehen. Die Betonmauer besteht aus drei in circa 45° ineinander übergehende Mauern. In der Innenseite befinden sich Hinweis- und Gedenktafeln an die militärische Anlage, die hier von 1959 bis 1992 betrieben wurde und die 2005 abgerissen wurde. Auch ein Foto ist zu sehen, welches zusammen mit der noch weitgehend baumlosen Freifläche einen Eindruck von der Dimension der Anlage vermittelt. Der Turm dieser Elektronischen-Aufklärungs-Anlage war über viele Jahrzehnte weithin sichtbar. Betrieben wurde diese NATO-Einrichtung von einer Luftwaffeneinheit der Bundeswehr und vom französischen Militär.

Bild 4: Blick zum Brocken, links davon mit kahler Kuppe der Achtermann und rechts mit Schanzenturm der Wurmberg (Foto: re)

Zurück zum Betonhäuschen sind es nur wenige Meter zu einer Wegekreuzung. Nach links (Osten) weg geht es leicht bergan auf den eigentlichen Gipfel des Stöberhais. Ein Wegekreuz mit dem Hinweis auf die Höhe (720 m über NN) ist deutlich zu sehen. Links davon steht eine Schutzhütte mit einer Stempelstelle der Harzer Wandernadel. Auf der Rückseite sind einige Bänke aufgestellt, von denen aus eine gute Sicht herrscht. Sankt Andreasberg, dahinter das Acker-Bruchberg-Massiv, der Rehberg und das Brocken-Massiv flankiert vom Achtermann und Wurmberg (Bild 4) sowie Teile Braunlages sind zu sehen. Gutes Wetter vorausgesetzt ist dies ein schöner Ort zum Verweilen. Bis zu einem Brand im Jahr 1980 stand hier ein Hotel mit Aussichtsturm. Der Hotelbetrieb wurde bereits 1975 eingestellt.

Historischer Bahnhof Stöberhai

Bild 5: Die Waldgaststätte Historischer Bahnhof Stöberhai (Foto: re)

Weiter geht es dann wieder bergab zum Historischen Bahnhof Stöberhai. Wer gut zu Fuß ist, kann den Weg auf einem steilen Waldpfad abkürzen. Wenig länger ist sonst der Weg über die Forststraße. Nach etwa zwei Kilometern führt der Weg in eine Talsenke. Halbrechts fällt der Blick auf das etwas bergan stehende historische Gebäude des Bahnhofs Stöberhai (Bild 5). Bis nach dem Zweiten Weltkrieg gab es auch im Westharz mehrere Schmalspurbahnen. Bis 1962 fuhr hier ein Zug nach Braunlage. Ihren Betrieb nahm die die Eisenbahn 1899 auf. Die Schienen sind schon lange abgebaut und nur bei genauem Hinsehen wird die alte Bahntrasse noch sichtbar. Der Bahnhof beherbergt heute eine kleine aber feine Waldgaststätte. Nach einer Renovierung wird die Gaststätte seit 2005 von neuen Pächtern betrieben. Die kalte und warme Küche findet ihre Zutaten in der Region. Eine geräucherte Forelle zählt zu den Gaumenfreuden, das Fleisch kommt vom Harzer Höhenvieh oder aus Harzer Wildbeständen. Seit 2010 führt hier auch der Harzer Baudensteig vorbei. Wanderin und Wanderer freuen sich in der Regel immer, wenn sie abseits der Zivilisationshektik einen freundlichen Ort für ihre Rast finden. Das ist hier der Fall. Trotz der exponierten Lage sind die Preise moderat. Und vor allem für ältere Waldliebhaber, die keine kilometerlangen Wanderungen mehr unternehmen können, ist dieser entlegene Ort dennoch erreichbar, denn er darf mit dem Auto angefahren werden.

Nach der stärkenden Rast geht es über den Parkplatz wieder neben einem Bach parallel zur alten Bahntrasse bergan. An einer Biegung wird eine Jagdhütte rechts des Weges passiert. An der nächsten größeren Wegegabelung geht es nach rechts (Osten) weiter. Bevor die Forststraße wieder bergab führt, zweigt links fast im rechten Winkel ein Forstweg (Rolando-Weg) ab zur Forststraße des Hinweges. In vielleicht gut einhundert Metern Entfernung ist dessen entsprechende Wegabzweigung zu sehen. An dieser Abzweigung geht es nach rechts in Richtung Kaiserweg und zur großen Wegekreuzung nahe des Schweinepfahls. Damit der Rückweg abwechslungsreich bleibt, geht es ab der Kreuzung nahe des Schweinpfahls nicht auf dem alten Weg (Kaiserweg) weiter, sondern links ab (nordwestlich) auf die Waldstraße. Diese trifft nach etwa tausend Metern auf einen von der Odertalsperre kommenden Wanderweg und führt mit diesem dann im Bogen zurück zum Parkplatz beziehungsweise der Bushaltestelle „Lausebuche“. Etwa 18 Kilometer haben die Stiefel nun zusätzlich auf ihren Sohlen.

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