Amnesty: Giftmüllkatastrophe in der Elfenbeinküste

Sep 25th, 2012 | By | Category: Abfall, Aktuell, Gesundheit, Menschen- u. Bürgerrechte, Naturschutz, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Strafverfahren gegen Öl-Handelskonzern Trafigura einleiten

Giftmüllkatastrophe in der Elfenbeinküste

Amnesty International Pressemitteilung vom 25. September 2012

Das multinationale Unternehmen Trafigura muss in Großbritannien strafrechtlich verfolgt werden für das illegale Abladen von Giftmüll im Jahr 2006 in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste. Zu diesem Schluss kommen Amnesty International und Greenpeace Niederlande in einem heute veröffentlichten Bericht zu der Giftmüllkatastrophe.

Bonn, 25.09.2012. (ai) Der 230-seitige Bericht „Die Giftige Wahrheit“ ist Ergebnis einer dreijährigen Recherche und untersucht umfassend die Kette von Fehlentscheidungen, die das gesundheitliche, politische und ökologische Desaster ausgelöst haben. Mehr als 100.000 Menschen mussten in der Folge medizinisch behandelt werden, mindestens 15 Menschen starben. Der Bericht listet detailliert auf, wie bestehende Gesetze zur Verhinderung solcher Tragödien missachtet wurden. Mehrere Regierungen versagten dabei, den Tanker „Probo Koala“ und seine giftige Fracht auf dem Weg nach Abidjan zu stoppen.

eine ernsthafte Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen der Niederlande

Der Bericht stellt zudem die Rechtmäßigkeit der außergerichtlichen Einigung mit der Regierung der Elfenbeinküste in Frage, die es Trafigura ermöglichte, einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen. Interviews mit Opfern der Giftmüllentsorgung und den medizinischen Experten, die sie versorgten, werfen zudem ein neues Licht auf die verheerenden Folgen des Skandals.

Ursprünglich war der Müll in die Niederlande gebracht worden, die sachgerechte Entsorgung lehnte Trafigura jedoch aus Kostengründen ab. Trotz Bedenken ließen die niederländischen Behörden die „Probo Koala“ mit ihrer giftigen Fracht wieder auslaufen – eine ernsthafte Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen der Niederlande.

Export ohne Genehmigung eine Straftat

Der Abfall, der in Abidjan entsorgt wurde, ist nach dem Baseler Übereinkommen – das die grenzüberschreitende Verbringung und Beseitigung von gefährlichen Abfällen kontrolliert – als gefährlich eingestuft, was den Export ohne Genehmigung zu einer Straftat macht.

Die Veröffentlichung des Berichts fällt mit einem Treffen der Vertragspartner des Baseler Übereinkommens zusammen. Dieses Treffen bietet die Gelegenheit dafür zu sorgen, dass nie wieder giftiger Abfall aus industriellen Prozessen an Bord von Schiffen in ärmeren Ländern abgeladen wird.

 

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