VCD: Unfallvermeidung muss im Vordergrund stehen

Jun 19th, 2013 | By | Category: Aktuell, Menschen- u. Bürgerrechte, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Verkehr

Selber-Schuld: Helm-Urteil gibt falsches Signal an Verkehrsteilnehmer

Unfallvermeidung muss im Vordergrund stehen

VCD-Pressemitteilung vom 19. Juni 2013

Berlin, 19.06.2013. (vcd) Im gestern bekannt gewordenen Gerichtsurteil des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichtes (OLG) zur Mitschuld von Radfahrenden geht es vorrangig um finanzielle Interessen. Für die Radverkehrssicherheit sendet das Urteil ein verkehrtes Signal, denn die Unfallursache tritt in den Hintergrund, kritisiert der ökologische Verkehrsclub VCD. Die verletzte Radlerin, bei der es im Prozess ging, hätte den Unfall, an dem sie nun eine Mitschuld tragen soll, nicht verhindern können − ob mit oder ohne Helm.

„Sollten wir nicht auf eine Gesellschaft hinarbeiten, in der wir uns sicher und geschützt fühlen, statt uns gegen jede mögliche Gefahr absichern und schützen zu müssen, weil wir sonst selbst schuld sind, wenn uns etwas zustößt?”

Durch dieses Urteil besteht die Gefahr, dass in der öffentlichen Diskussion die Reduzierung der Unfallfolgen über wichtige Maßnahmen der Unfallvermeidung gestellt wird. Anja Hänel, Referentin für Verkehrssicherheit:„Sollten wir nicht auf eine Gesellschaft hinarbeiten, in der wir uns sicher und geschützt fühlen, statt uns gegen jede mögliche Gefahr absichern und schützen zu müssen, weil wir sonst selbst schuld sind, wenn uns etwas zustößt?”

Das Urteil lenkt von der wichtigen Frage ab, wo die Ursachen für Fahrradunfälle liegen. Im innerstädtischen Bereich sind dies vor allem falsches Abbiegen und hohe Geschwindigkeiten. Ebenso unbeachtet bleibt die Tatsache, dass kein einziger Unfall durch das Tragen eines Helms verhindert werden kann. Durch den Kopfschutz kann bestenfalls die Verletzungsschwere gemindert werden.

Magdalena Eul, VCD-Bundesvorstand: „Wem die Sicherheit von Radlern am Herzen liegt, unterstützt die Maßnahmen, die Unfälle gar nicht erst entstehen lassen wie zum Beispiel Tempo 30 als Basisgeschwindigkeit innerorts. Bei geringeren Geschwindigkeiten lässt sich besser wahrnehmen, was am Fahrbahnrand passiert und der Anhalteweg verkürzt sich gegenüber Tempo 50 von gut 27 Meter auf 13 Meter.” Bei Unfällen mit Radfahrenden, ist wiederum sehr oft die Infrastruktur mit entscheidend. Beispiel Abbiegeunfälle: Nur wenn der Radverkehr im Kreuzungsbereich gut sichtbar geführt wird, ist er auch im Blick der Autofahrenden.

Dass Radfahren auch ohne Helmpflicht sicher sein kann, belegen die niedrigen Unfallzahlen in Dänemark und Holland oder auch im niedersächsischen Oldenburg

Die Einführung einer gesetzlichen Helmpflicht ist gegenüber den Maßnahmen zur Unfallvermeidung absolut unverhältnismäßig. Ihr Nutzen ist nur in einem geringen Teil der Unfälle nachweisbar.

Dass Radfahren auch ohne Helmpflicht sicher sein kann, belegen die niedrigen Unfallzahlen in Dänemark und Holland oder auch im niedersächsischen Oldenburg. Gute Rahmenbedingungen für den Radverkehr in Oldenburg sorgen dafür, dass 40 Prozent aller Wege mit dem Rad absolviert werden, und dabei verunglücken Radfahrer, bezogen auf den Gesamtverkehr, weniger oft als andere Verkehrsteilnehmer.

Der VCD fordert deshalb, die Diskussion auf die Unfallursachen zu konzentrieren und der Selbst-Schuld-Mentalität keinen Raum zu geben.

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