VCD: Pkw-Label dient weder dem Klimaschutz noch der Verbraucherinformation

Nov 26th, 2012 | By | Category: Aktuell, Energie, Klima, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Verkehr, Wirtschaft

Pkw-Label dient weder dem Klimaschutz noch der Verbraucherinformation

VCD: CO2- und Verbrauchsgrenzwerte sind effektiver

VCD-Pressemitteilung vom 26. November 2012

Berlin, 26.11.2012. (vcd) Seit einem Jahr müssen Neuwagen für den Verkauf mit einem farbigen Energielabel gekennzeichnet werden. Verbraucher sollen so auf den ersten Blick Auskunft über die Kraftstoffeffizienz eines Pkw-Modells erhalten.

Doch während sich das Energielabel bei Kühlschränken und Waschmaschinen bewährt hat und der Energieverbrauch bei diesen Produktgruppen deutlich gesunken ist, liefert das Pkw-Label keinen Beitrag zum Klimaschutz. Auch bei der Verbraucherinformation sieht es schlecht aus. Als Grund sieht der ökologische Verkehrsclub VCD die mangelhafte Ausgestaltung des Pkw-Labels und die damit verbundene geringe Aussagekraft bezüglich des tatsächlichen Verbrauchs.

Wenn Fahrzeuge mit einem hohen Verbrauch, allein aufgrund ihres hohen Gewichtes, in eine gute Effizienzklasse eingeordnet werden, dann werden Verbraucher getäuscht

„Für Autofahrer und Autofahrerinnen ist die Höhe des Spritverbrauchs und der CO2-Ausstoß das Maß dafür, wie sparsam ein Auto ist. Wenn Fahrzeuge mit einem hohen Verbrauch, allein aufgrund ihres hohen Gewichtes, in eine gute Effizienzklasse eingeordnet werden, dann werden Verbraucher getäuscht”, kritisiert Michael Müller-Görnert, Verkehrsexperte beim VCD.

Geburtsfehler der deutschen Regelung zur Energiekennzeichnung von Pkw ist die Formel zur Einteilung der Fahrzeuge in die Effizienzklassen. Diese orientiert sich am Fahrzeuggewicht und bevorzugt eindeutig schwere Fahrzeuge. Für viele SUVs, Großraum-Vans oder Mittelklasse-Pkw ist es so einfach, ein grünes A- oder B-Label zu bekommen. Kleinwagen hingegen sind selten besser als C, obwohl sie deutlich weniger Kraftstoff verbrauchen und CO2 emittieren.

„Obwohl Kunden gelernt haben, dass A besser ist als B, ist es für den eigenen Geldbeutel und für das Klima tatsächlich besser, einen Kleinwagen mit einem C zu fahren, als einen großen, schweren Pkw mit einem viel höheren CO2-Ausstoß, der mit B einen tiefgrünen Mantel trägt”, betont Müller-Görnert. Beispiel: Der Toyota Yaris 1.0 VVT-i mit einem CO2-Ausstoß von 111 g/km bekommt ein C. Der schwere Audi Q7 3.0 TDI quattro mit einem CO2-Ausstoß von 195 g/km erhält ein B. Aus Sicht des VCD sieht eine gute Verbraucherkennzeichnung anders aus. Diese muss sich am Klimaschutz orientieren, leicht verständlich sowie nachvollziehbar sein und für alle Fahrzeuge einen Anreiz zur Effizienzsteigerung setzen.

Nach wie vor ist ein ambitionierter CO2-Grenzwert das effektivste Instrument zur Verringerung des Verbrauchs und der CO2-Emissionen von Pkw

Nach wie vor ist ein ambitionierter CO2-Grenzwert das effektivste Instrument zur Verringerung des Verbrauchs und der CO2-Emissionen von Pkw. Dieser würde Fahrzeugherstellern einen wirkungsvollen Rahmen vorgeben. „Davon profitieren letztlich Verbraucher und Umwelt”, erklärt Müller-Görnert.

Die Bundesregierung ist aufgefordert, sich in Brüssel dafür einzusetzen, dass der bestehende Vorschlag der EU-Kommission für einen CO2-Grenzwert von 95 g/km in 2020 noch ambitionierter ausgestaltet wird, statt wie gewohnt die Interessen der deutschen Autoindustrie zu bedienen und die Regelung zu verwässern. Verbraucher können schon heute über 30 Automodelle kaufen − siehe VCD Auto-Umweltliste 2012/2013 − die den von der EU angepeilten Flottengrenzwert von 95 g/km unterschreiten.

Weitere Informationen zum CO2-Label finden Sie auf http://www.vcd.org/co2-label.html

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