VCD: Neueste Untersuchungen belegen Wirksamkeit von Partikelfiltern bei Benzin-Direkteinspritzern

Nov 28th, 2013 | By | Category: Aktuell, Gesundheit, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Verkehr, Wirtschaft

Benzin-Direkteinpritzer weiterhin schmutziger als Diesel

Neueste Untersuchungen belegen Wirksamkeit von Partikelfiltern bei Benzin-Direkteinspritzern − Industrie spielt aber auf Zeit

VCD-Pressemitteilung vom 28. November 2013

Berlin, 28.11.2013. (vcd) Transport & Environment (T&E), der europäische Dachverband der Nichtregierungsorganisationen aus dem Verkehrsbereich wie dem VCD, belegt in einer aktuellen Studie: Fahrzeuge mit Benzin-Direkteinspritzung haben ein massives Partikelproblem. Der mit der Untersuchung betraute TÜV Nord testete drei Pkw mit Benzin-Direkteinspritzung unterschiedlicher Hersteller. Dabei überschritt die Partikelanzahl den für Dieselfahrzeuge bereits heute gültigen Grenzwert von 6×1011 Partikel/km bei allen Fahrzeugen und in allen Testzyklen deutlich.

Dies ist möglich, da für Benzinfahrzeuge erst ab 2014 ein Grenzwert vorgesehen ist, der zudem auch noch bis 2017 zehnmal höher angesetzt ist als der für Diesel-Pkw heute verbindliche. Die Problematik: Eine hohe Anzahl besonders kleiner Partikel wirkt gesundheitsgefährdend, da sie tief in die Lungen eindringen und schwere Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems hervorrufen können.

Bei einer weiteren Testreihe wurden die drei Fahrzeuge, ein Ford Focus, ein Hyundai i40 und ein Renault Megane, jeweils mit einem Partikelfilter ausgestattet. Die Anzahl der Partikel im Abgas sank um bis zu 99,95 Prozent. Alle drei Fahrzeuge hielten so den für Diesel geltenden Grenzwert mehr als deutlich ein.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Die bei Dieselfahrzeugen seit Jahren sicher und zuverlässig funktionierende Technologie könnte heute schon die gefährlichen Partikelemissionen von Direkteinspritzern senken. Doch die Autohersteller spielen auch hier wieder auf Zeit und der Einsatz, mit dem sie pokern, ist die Gesundheit der Menschen. Die Bemühungen, den Partikelausstoß innermotorisch zu senken, funktionieren nur auf dem Prüfstand, nicht auf der Straße.”

Bestätigt wird dies auch durch eine Untersuchung der Berner Fachhochschule im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe. Dabei wurden zwei Benzin-Direkteinspritzer nicht nur auf dem Rollenprüfstand getestet, sondern auch auf der Straße. Besonders frappierend ist das Ergebnis bei einem getesteten VW Golf: zwar hält er den strengeren Grenzwert von 6×1011 P/km im offiziellen Testzyklus (NEFZ) ein, jedoch steigt der Partikelausstoß bei der simulierten Autobahnfahrt. Bei einer mobilen Messung auf der Straße hat der VW Golf sogar einen mehr als doppelt so hohen Ausstoß wie ein ebenfalls getesteter Hyundai i30, der im NEFZ-Test noch deutlich schlechter als der VW war. Dies ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass Volkswagen seinen Golf auf den offiziellen und verbindlichen NEFZ hin optimiert hat.

„Allein mit dem Partikelfilter ist es derzeit möglich, den Partikelausstoß in allen Fahrzuständen effektiv zu reduzieren”, so Lottsiepen. „Die deutschen Autohersteller sollten jetzt nicht den gleichen Fehler machen wie bei der Einführung von Dieselpartikelfiltern und erst auf Druck reagieren. Damals waren ausländische Hersteller die treibende Kraft.”

Die Verweigerungsargumente der Automobilindustrie, seien es die Kosten oder der zusätzliche Kraftstoffverbrauch, können klar widerlegt werden. Werden die Partikelfilter in Großserie produziert, liegen die Mehrkosten pro Fahrzeug bei unter 50 Euro. Nur brauchen die Zulieferer verlässliche Bestellungen, um die entsprechenden Kapazitäten aufzubauen. In oben genannten Untersuchungen konnte zudem belegt werden, dass der Einbau eines Partikelfilters fast gar keinen Einfluss auf den Verbrauch hat. Maximal steigt er um 0,2 Prozent.

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