VCD: Bundesregierung torpediert ambitionierte Lärmgrenzwerte

Sep 19th, 2011 | By | Category: Gesundheit, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Verkehr, Wirtschaft

Deutschland torpediert ambitionierte Lärmgrenzwerte der EU-Kommission

Aktueller Gegenvorschlag der Bundesregierung stellt Interessen der Autoindustrie vor Lärmschutz der Bevölkerung

VCD-Pressemitteilung vom 19. September 2011

Berlin, 19.09.2011. (vcd) Der ökologische Verkehrsclub VCD kritisiert den heute im Rahmen des Treffens der Lärmarbeitsgruppe der UNECE (Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen) präsentierten Vorschlag der Bundesregierung, für zukünftige Lärmgrenzwerte für Pkw und Nutzfahrzeuge. Neben langen Übergangszeiten sollen vor allem Lkw und hochmotorisierte Pkw von ambitionierten Lärmgrenzwerten ausgenommen werden. Damit versucht die Bundesregierung auf den in diesem Monat erwarteten EU-Vorschlag Einfluss zu nehmen. Würde die deutsche Position in dieser Form übernommen, wäre dies eine Bankrotterklärung an die von der Bundesregierung formulierten Ziele zur Verkehrslärmreduzierung.

Porsche, BMW und Audi dürften demnach fast doppelt so laut sein wie die restlichen Fahrzeuge

Gregor Kolbe, VCD-Verkehrslärmexperte: „Die Bundesregierung beweist mit dem aktuellen Vorschlag wieder einmal ihre Verbundenheit mit der deutschen Automobilindustrie. Wie schon beim CO2-Label, sollen vor allem die überdurchschnittlich hochmotorisierten Modelle aus heimischer Produktion von der Regelung profitieren.“ Porsche, BMW und Audi dürften demnach fast doppelt so laut sein wie die restlichen Fahrzeuge. Auch für Lkw würde sich im Vergleich zu den heutigen Grenzwerten nur wenig ändern.

Der Vorschlag der Bundesregierung führt mittelfristig zu keiner Verbesserung der Lärmsituation. Er enthält keinen Anreiz leisere Autos zu bauen, denn die empfohlenen Grenzwerte werden schon heute von zahlreichen Autos erfüllt. Die laschen Vorgaben und der lange Einführungszeitraum verbessern auch langfristig nicht wesentlich die Lärmsituation.

50.000 Menschen sterben jährlich in Folge von Verkehrslärm

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind europaweit etwa 210 Millionen Menschen (entspricht rund 44% der Bevölkerung) gesundheitsgefährdendem Verkehrslärm ausgesetzt, in dessen Folge jährlich rund 50.000 Menschen sterben. Die Reduzierung der Lärmemissionen an der Quelle ist dabei eine der wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zur Behebung des Problems.

„Wir fordern die EU-Kommission auf, an den ursprünglichen Entwürfen festzuhalten“, so Gregor Kolbe. „Dem Vorhaben der Bundesregierung, Lärmschutz einerseits als wichtiges Regierungsziel zu erklären und andererseits industriefreundliche und betroffenenfeindliche Lärmpolitik zu gestalten muss eine klare Absage erteilt werden.“

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