VCD: 80 Prozent der täglichen Wege legen Landbewohner mit dem Auto zurück

Okt 8th, 2012 | By | Category: Aktuell, Energie, Klima, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Verkehr, Wirtschaft

Landlust erstickt im Auto-Frust:

80 Prozent der täglichen Wege legen Landbewohner mit dem Auto zurück − engagierte Gemeinden versuchen die Trendwende

VCD-Pressemitteilung vom 8. Oktober 2012

Berlin, 08. 10.2012. (vcd) 60 Prozent der Münchner leben ohne eigenes Auto, in Berlin sind es sogar über 70 Prozent. In den Städten boomen Carsharing, ÖPNV und Radleihsysteme, ein eigenes Auto besitzen immer weniger. Doch was in Ballungszentren modern ist, wird in ländlichen Regionen oft noch mit dem Argument „Geht hier nicht” weggewischt. Insgesamt 80 Prozent der täglichen Wege legen Landbewohner mit dem eigenen Pkw zurück. Wer kein Auto hat, wird abgehängt beziehungsweise abhängig von Anderen. Gibt es eine Lösung für das Dilemma?

Welche Alternativen es zum eigenen Auto im ländlichen Raum gibt und wie diese für Bürgerinnen und Bürger interessant werden, darüber berichtet das aktuelle VCD-Mitgliedermagazin fairkehr.

Im Umkreis von Wismar in Mecklenburg-Vorpommern kombiniert ein neues Projekt Expressbusse mit E-Rädern

Steigende Benzinpreise und eine sich verschlechternde Straßeninfrastruktur stellen die Landbewohner vor neue Herausforderungen, machen Alltagswege immer teurer. Doch ein anderes Mobilitätsverhalten könnte Abhilfe schaffen. Erste Gemeinden haben das erkannt. Im hessischen Hübenthal starteten bereits vor sechs Jahren zwei Frauen ein Dorfautosystem. Im Umkreis von Wismar in Mecklenburg-Vorpommern kombiniert ein neues Projekt Expressbusse mit E-Rädern. Zwischen größeren Ortschaften fahren die Busse, anschließend geht es mit den E-Rädern in die kleineren Dörfer. Diese Initiativen gilt es, bekannter zu machen, denn wie Melanie Herget, Umweltwissenschaftlerin an der TU Berlin herausgefunden hat: „Den meisten Menschen auf dem Land fehlt die Erfahrung mit Alternativen zum eigenen Pkw.”

Im Interview mit der fairkehr klärt die Umweltwissenschaftlerin darüber auf, dass es genügend Alternativen zum eigenen Pkw gibt, deren Nutzung aber oft an der Gewohnheit scheitert. „Die Bereitschaft zur Veränderung des Verkehrsverhaltens wird erst dann größer, wenn ihre Problemwahrnehmung durch stark und dauerhaft steigende Spritpreise deutlich zunimmt. Parallel dazu müssen die Menschen die Möglichkeit bekommen, positive Erfahrungen mit Alternativen zum eigenen Auto zu machen.”

acht Millionen Deutsche können die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit nicht per Fuß erreichen

Positive Erfahrungen können Landbewohner, insbesondere Pendler und Firmen, auch über die Internet-Mitfahr-Zentrale flinc machen. Die Plattform analysiert alltägliche Fahrtrouten und bringt Fahrer und Mitfahrer zusammen. Die Mitarbeiter des Outdoor-Hersteller Vaude, mit Sitz im schwäbischen Obereisenbach, nutzen beispielsweise flinc in einer Vaude-Gruppe. Neben dem Arbeitsweg ist aber auch Einkaufen auf dem Land allzu oft ein Auto-Weg. Insgesamt acht Millionen Deutsche können die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit nicht per Fuß erreichen. Gemeinden engagieren sich auch in diesem Bereich, sei es mit dem Einkaufsladen oder der Bibliothek auf vier Rädern oder ein wiederbelebter Schlecker-Markt, der zum Tante-Emma-Laden umfunktioniert wird.

Diese und weitere Themen lesen Sie in der Ausgabe 05/2012 der VCD-Mitgliederzeitschrift fairkehr, dem Magazin für Umwelt, Verkehr und Reisen. Interessierten senden wir ein Rezensionsexemplar gerne kostenfrei zu. Weitere Informationen auch unter www.fairkehr-magazin.de

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