Umweltschützer fordern: Stoppt das Greenwashing – Kein Nachhaltigkeitspreis für Unilever!

Nov 30th, 2012 | By | Category: Aktuell, Klima, Menschen- u. Bürgerrechte, Nahrungsmittel, Naturschutz, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wald, Wirtschaft

Raubbau in den Tropen bald preisgekrönt?

Umweltschützer fordern: Stoppt das Greenwashing – Kein Nachhaltigkeitspreis für Unilever!

Robin wood Pressemitteilung vom 30. November 2012

Hamburg, 30.11.2012. (robin) ROBIN WOOD und Rettet den Regenwald haben die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis aufgefordert, keine Auszeichnung an Unilever zu verleihen. In einem gemeinsamen Brief an die Stiftung kritisieren die Umweltorganisationen, dass Unilever durch die Verwendung von Palmöl zur Zerstörung von Regenwäldern und zur Verletzung von Menschenrechten beiträgt. Dennoch ist Unilever in diesem Jahr für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Wirtschaft nominiert. Die Preisverleihung soll am 7. Dezember 2012 bei einer großen Show in Düsseldorf stattfinden.

Unilever ist einer der größten Einzelverbraucher von Palmöl in Europa

Unilever ist einer der größten Einzelverbraucher von Palmöl in Europa. Der Konzern verwendet das billige, tropische Pflanzenöl für seine Markenprodukte wie Rama und Knorr. Die ungebremste Expansion der Palmöl-Plantagen hat seit den achtziger Jahren vor allem in Südostasien und Afrika verheerende Folgen: Die letzten Tropenwälder werden kahl geschlagen, das Klima weltweit enorm belastet und Menschen von ihrem Land vertrieben.

An diesem Zerstörungswerk beteiligen sich die Unilever-Zulieferer Wilmar und IOI. Beide sind große Player im Palmöl-Geschäft und in unzählige Landkonflikte verwickelt. So hat Wilmar in Indonesien ganze Dörfer für neue Palmöl-Plantagen zerstört. (http://palmoilleaks.org/) Ein Tochterunternehmen von IOI hat sich in Zentralkalimantan illegal Regenwald und Gemeindefläche angeeignet, um sie in Monokulturen zu verwandeln. (https://www.regenwald.org/aktion/873)

Seine KundInnen speist Unilever mit Ökomärchen über seinen angeblich nachhaltigen Palmöl-Einkauf und mit dem Verweis auf das RSPO-Siegel ab

Unilever ist sich der illegalen Methoden seiner Zulieferer bewusst und ändert dennoch nichts an den Geschäftsbeziehungen zu ihnen. Seine KundInnen speist Unilever mit Ökomärchen über seinen angeblich nachhaltigen Palmöl-Einkauf und mit dem Verweis auf das RSPO-Siegel ab. Dieses von der Industrie dominierte Siegel unterbindet jedoch keine Kahlschläge im Tropenwald und erlaubt außerdem den Einsatz hochgiftiger Pestizide.

„Ein Unternehmen täuscht die Verbraucher, wenn es in Werbekampagnen Schlagwörter wie Nachhaltigkeit und Verantwortung benutzt – und gleichzeitig für seine Produkte weiter Raubbau betreiben lässt“, sagte David Vollrath von Rettet den Regenwald. „Mit einer Preisverleihung an Unilever würde die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis Beihilfe zum Greenwashing leisten und ein fatales Signal an andere Unternehmen senden.“

Nachhaltigkeitspreis ist ein Hohn für die Opfer dieser verantwortungslosen Konzernpolitik

Ziel einer nachhaltigen Unternehmenspolitik muss es sein, die Expansion von Palmöl-Plantagen in den Tropen zu stoppen. „Als Großabnehmer von Palmöl sitzt Unilever an einer Schaltstelle“, sagte Stefanie Hess von ROBIN WOOD. „Durch öffentlichen Druck muss der Konzern dazu bewegt werden, auf Palmöl aus Raubbau zu verzichten. Solange er dies nicht tut, ist ein Nachhaltigkeitspreis ein Hohn für die Opfer dieser verantwortungslosen Konzernpolitik.“

Der Vorsitzende der Jury, Günther Bachmann, hat bereits auf das Schreiben reagiert. Er sehe „keine Veranlassung, das Votum der Jury zurückzunehmen“.

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Weitere Informationen über den Raubbau für Palmöl und Recherchen vor Ort in Indonesien unter: www.robinwood.de/palmoel

Stellungnahmen zum RSPO:

Warum ROBIN WOOD nicht am Runden Tisch der Palmölindustrie sitzt

Internationale Erklärung gegen den „Etikettenschwindel“ des RundenTisches zu nachhaltigem Palmöl (RSPO)

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Den offenen Brief von Rettet den Regenwald und ROBIN WOOD an die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis finden Sie hier und zusätzlich als pdf-Datei:

Offener Brief

An den Vorstand, die Mitgliederversammlung, das Kuratorium und die Jury der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis

Vorstand: Stefan Schulze-Hausmann, Dr. Florian Becker, Dr. Otto Schulz

Kuratorium: Dr. Georg Schütte, Michael Söffge, Bärbel Diekmann, Sylvia Schenk,
Dr. Volker Hauff

Jury: Dr. Gesine Schwan, Prof. Dr. Heribert Meffert, Prof. Dr. Edda Müller, Dr. Martin Sonnenschein, Olaf Tschimpke, Frank Niehage, Hildegard Müller, Prof. Dr. Alexander Bassen, Prof. Dr. Dr. Axel Zweck, Prof. Dr. Stefan Schaltegger, Prof. Dr. Maximilian Gege, Prof. Dr. Christa Liedtke, Dr. Achim Derks, Kathrin Menges, Jens Plachetka, Dr. Günther Bachmann

Hamburg, 22.11.2012

Betreff: Nominierung von Unilever für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Unverständnis vernahmen wir die Mitteilung, dass sich der Unilever-Konzern unter den Top-3-Kandidaten der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategien“ des Deutschen Nachhaltigkeitspreises befindet.

Seit Jahren kritisieren Rettet den Regenwald, Robin Wood und andere Umweltorganisationen Unilever wegen seiner Palmöl-Zulieferer Wilmar und IOI. Der Konzern Unilever ist einer der größten Einzelverbraucher des tropischen Pflanzenöls in Europa. Berichte von Wissenschaftlern, Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen belegen die verheerenden sozialen und ökologischen Auswirkungen von Ölpalm-Plantagen in Südostasien, Lateinamerika und Afrika.

Wegen des exzessiven Ausbaus der Plantagen und der damit zusammenhängenden Regenwaldzerstörung ist Indonesien in den letzten Jahren zu einem der weltweit größten CO2-Emittenten aufgestiegen. Die internationale Artenschutzorganisation IUCN bezeichnet den Ausbau der Ölpalm-Monokulturen als die größte Bedrohung für das Überleben seltener Tierarten. Der Sumatra-Tiger und der Orang-Utan stehen kurz vor dem Aussterben. Allein in Indonesien gibt es Tausende soziale Konflikte zwischen Palmölkonzernen und der Bevölkerung.

Vor allem die Unilever-Zulieferer Wilmar und IOI verstoßen immer wieder gegen Menschenrechte und zerstören durch ihren Palmölraubbau die letzten biologischen Hot Spots unserer Erde.

Ein Tochterunternehmen des Unilever-Zulieferers IOI eignete sich nach Recherchen unserer indonesischen Partnerorganisation beispielsweise 7.000 Hektar Regenwald und Gemeindeland in Zentralkalimantan illegal an, um weitere Ölpalm-Plantagen anzubauen. Obwohl IOI eine konstruktive Aufklärung in diesem Fall zusicherte, wurden die Mitarbeiter unserer Partnerorganisation aufgrund ihrer Recherchen unter Druck gesetzt und bedroht.

Auch Wilmar bedient sich dieser Geschäftspraktiken und hat nachweislich ganze Dörfer für neue Ölpalm-Plantagen zerstört. Jan-Kees Vis, Direktor für Nachhaltige Entwicklung bei Unilever und zugleich RSPO-Direktor gab im Gespräch mit uns zu: „Wir wissen von 5.000 Landkonflikten allein in Indonesien. Wilmar hat vielleicht Hunderte davon.“

Unilever ist sich der illegalen Methoden seiner Zulieferer bewusst und ändert dennoch nichts an den Geschäftsbeziehungen zu ihnen.

In Anbetracht der geschilderten Unternehmenspolitik seiner Zulieferer täuscht Unilever seine Kunden. Auf seiner Internetseite verbreitet Unilever Ökomärchen über seinen Palmöl-Einkauf. Die Kunden erfahren dort nichts über die Gewalt, die Menschenrechtsverletzungen und die Umweltzerstörung, die hinter den Unilever-Produkten stecken.

Unilever rühmt sich seiner Mitgliedschaft bei dem Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO), auch Wilmar und IOI sind seit Jahren Mitglieder des sogenannten Nachhaltigkeits-Labels. Die geschilderten Geschäftsmethoden der Konzerne änderten sich durch diese Mitgliedschaft aber nicht. Bereits 2008 lehnten deshalb 256 Umwelt-, Sozial-, und Menschenrechtsorganisationen rund um den Globus das Industrielabel RSPO als „Greenwashing“ ab.

Auf der Internetseite des Deutschen Nachhaltigkeitspreises steht: „Die Auszeichnung soll zeigen, dass nachhaltiges Handeln soziale und ökologische Probleme im globalen oder lokalen Maßstab löst … .“

Mit Nachhaltigkeit sowie sozialer und ökologischer Verantwortung haben die Geschäftspraktiken der Zulieferer von Unilever überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil, Unilever trägt durch seine Nachfrage nach billigem Palmöl zur Verschärfung sozialer und ökologischer Probleme bei.

Mit einer Preisverleihung an Unilever würde sich die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis seiner Glaubwürdigkeit berauben und ein fatales Signal an andere Unternehmen aussenden. Ein Unternehmen verfolgt keine nachhaltige Zukunftsstrategie, wenn es in Werbekampagnen Schlagwörter wie Nachhaltigkeit und Verantwortung benutzt – und gleichzeitig für seine Produkte weiter Raubbau betreiben lässt.

In ihrer Begründung für die Nominierung von Unilever schreibt die Jury: „Kritische Stimmen (z.B. zur Kennzeichnung von Produkten, der Palmölproblematik und nachhaltiger Landnutzung) wurden intensiv diskutiert.“ Es reicht allerdings nicht, bloß über die Probleme zu reden, sondern es muss etwas dagegen unternommen werden. Unilever ist, wie dargestellt, bislang Teil des Problems und nicht der Lösung.

Im Namen der Umwelt und der Menschen, die für Unilever-Produkte leiden müssen, sowie unserer indonesischen Partnerorganisationen appellieren wir an die Jury, den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nicht an Unilever zu verleihen.

Wir bitten Sie um eine Stellungnahme bis zum 28.11.2012. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen
Rettet den Regenwald e.V.
Ansprechpartner:
David Vollrath
Jupiterweg 15
22391 Hamburg
Tel: 040 – 41 03 8044
Fax: 040 – 45 00 144
redaktion@regenwald.org
www.regenwald.org

Robin Wood e.V.
Anprechpartnerin:
Stefanie Hess
Nernstweg 32
22765 Hamburg
Tel: 040 – 380 89 2-18
Fax: 040 – 380 89 2-14
tropenwald@robinwood.de
www.robinwood.de

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