Robin Wood u. a.: Münchener Rück: Profite auf Kosten von Mensch und Umwelt

Apr 24th, 2013 | By | Category: Aktuell, Energie, Klima, Menschen- u. Bürgerrechte, Naturschutz, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Münchener Rück: Profite auf Kosten von Mensch und Umwelt

Gemeinsame Pressemitteilung von: Urgewald,  GegenStrömung, Pro REGENWALD, FDCL, Kooperation Brasilien, Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt, Gesellschaft für bedrohte Völker, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre und ROBIN WOOD vom 24. April 2013

München / Hamburg, 24.04.2013. (robin) Anlässlich der morgigen Hauptversammlung der Münchener Rück fordert ein breites Bündnis aus Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen mehr Verantwortung von dem Rückversicherer. Denn obwohl sich der Konzern gern als nachhaltig agierendes Unternehmen präsentiert, ist er aktuell in die Absicherung eines der umstrittensten Energieprojekte weltweit verstrickt.

Wir vor Ort begreifen dieses Projekt als brutales Attentat auf das Überleben Tausender Menschen in einer der artenreichsten Regionen Amazoniens und der Welt

Helena Palmquist, Vertreterin der Staatsanwaltschaft im brasilianischen Pará, wo Belo Monte gebaut wird, und Verena Glass von der Widerstandsbewegung „Lebender Xingu-Fluss“ sind eigens aus Brasilien nach München gereist. Sie wollen die Münchener Rück mit den Auswirkungen des von ihr abgesicherten Staudamms Belo Monte konfrontieren. „Das Staudammprojekt Belo Monte entzieht den Einwohnern der Amazonas-Region um Altamira und an der großen Flussschlinge des Xingu ihre Lebensgrundlage“, beschreibt Verena Glass die Situation in Brasilien. Durch das Staudammprojekt werden 400 km² Regenwald vernichtet und bis zu 40.000 Menschen sind von Zwangsumsiedlung bedroht. Tausende Fischer, Flussanwohner, Indigene und Kleinbauern stehen vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage. „Wir vor Ort begreifen dieses Projekt als brutales Attentat auf das Überleben Tausender Menschen in einer der artenreichsten Regionen Amazoniens und der Welt“, so Glass weiter.

Zudem gibt es zahlreiche juristische Auseinandersetzungen. „Die Bundesstaatsanwaltschaft im brasilianischen Bundesstaat Pará hat bereits 17 Mal  Klagen gegen das Staudammprojekt Belo Monte eingereicht, weil das Projekt so viele Gesetze  bricht“, so Helena Palmquist von der Bundesstaatsanwaltschaft in Pará. Dabei geht es um fehlende Konsultationen der betroffenen indigenen Bevölkerung, um unvollständige und widersprüchliche Umweltverträglichkeitsstudien, um intransparente und rechtlich fragwürdige Genehmigungsprozesse sowie die fehlende Kontrolle und Sanktionierung des Baukonsortiums, wenn es vorgeschriebene Bauauflagen nicht einhält. Zusammenfassend hält Palmquist Belo Monte für „einen Angriff auf die brasilianische Verfassung“.

Die Münchener Rück präsentiert sich gern als Vorreiter in Sachen Klimaschutz

Die Münchener Rück hat 25 Prozent der Rückversicherungssumme für den Bau des Staudamms übernommen und erhält dafür umgerechnet 15,5 Millionen Euro an Prämien über einen Zeitraum von vier Jahren. „Die Beteiligung an der Rückversicherung des Staudamms Belo Monte in Brasilien ist ein Skandal“, so Martin Glöckle von der Organisation Pro Regenwald. „Die Münchener Rück präsentiert sich gern als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Ihr tatsächliches Handeln steht dazu im Widerspruch, denn Belo Monte hat nicht nur schwere soziale und ökologische Auswirkungen, sondern wird in großem Stil Methangas freisetzen, ist also alles andere als klimafreundlich“, so Glöckle weiter.

Belo Monte ist kein einmaliger „Ausrutscher“ der Münchener Rück: Brasilianischen Quellen zufolge sichert die Münchener Rück zudem den Teles-Pires-Staudamm im Bundesstaat Mato Grosso ab. Auch bei diesem Staudamm wurden die Bauarbeiten bereits mehrfach gerichtlich gestoppt, da indigene Gemeinschaften nicht hinreichend konsultiert wurden und die Zerstörung kultureller Heiligtümer droht.

„Diese beiden Beispiele belegen, dass die Münchener Rück in Sachen Nachhaltigkeit enormen Nachholbedarf hat und dringend mehr Verantwortung übernehmen muss. Sie sollte als Rückversicherer die Risiken in der Welt minimieren statt, wie bei Belo Monte und Teles Pires, die Kosten und Risiken für Mensch und Umwelt zu vergrößern“, fordert Barbara Happe von der Umweltorganisation urgewald.

ROBIN WOOD unterstützt die Gegenanträge (pdf) des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre auf der Hauptversammlung der Münchener Rück.

Hintergrund:

Wegen ihrer Beteiligung am Bau des Belo Monte-Staudammes im brasilianischen Amazonasgebiet wurde die Münchener Rück 2012 aus dem Global Challenges Index entfernt, da dies gegen die Umweltregeln des GCX verstößt.  Der GCX ist ein von der Börse Hannover in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsrating-Agentur oekom research AG entwickelter Index. Er umfasst 50 Unternehmen, die wesentliche Beiträge zur Bewältigung globaler sozialer und ökologischer Herausforderungen leisten sollen.

Mehr Informationen zu Belo Monte unter: http://www.gegenstroemung.org/drupal/de/node/120

Das NRO-Netzwerk empfängt am Donnerstag, 25. April, vor dem Internationalen Congress Center in München die Aktionärinnen und Aktionäre mit Informationen. Anschließend sprechen die Vertreterinnen aus Brasilien sowie einzelner Bündnisorganisationen auf der Jahreshauptversammlung der Münchener Rück.

ROBIN WOOD hat bereits bei der Hauptversammlung von Siemens gegen eine Beteiligung am Belo Monte-Projekt protestiert: PM dazu vom 23.1.2013

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