Oxfam-Report zu Biosprit: Voller Tank schafft leere Teller – EU muss Beimischung verbieten

Sep 17th, 2012 | By | Category: Aktuell, Energie, Klima, Menschen- u. Bürgerrechte, Nahrungsmittel, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Oxfam-Report zu Biosprit: Voller Tank schafft leere Teller – EU muss Beimischung verbieten

Oxfam-Pressemitteilung vom 17. September 2012

Berlin, 17.09.2012. (ox) Die Folgen von Biosprit für die weltweite Ernährungslage sind gravierend. Würde man das Land, das für die Produktion von Biokraftstoffen für die EU verwendet wird, für den Anbau von Weizen und Mais nutzen, würden 127 Millionen Menschen ein ganzes Jahr lang davon satt. Das zeigt Oxfams heute veröffentlichte Studie „The Hunger Grains“ (Das Hunger-Getreide). 90 Prozent der erneuerbaren Energien für den EU-Transportsektor werden aus Grundnahrungsmitteln hergestellt. „In Zeiten einer globalen Ernährungskrise ist das fahrlässig“, sagt Oxfam-Geschäftsführerin Marion Lieser. „Die von der EU-Kommission in Aussicht gestellte Änderung der Beimischungsquote ab 2020 ändert an der jetzigen Situation nichts.“

Oxfam fordert von den EU-Energieministern, auf Biosprit zu verzichten und die Zehn-Prozent-Beimischungsquote sofort abzuschaffen

Oxfam fordert von den EU-Energieministern, auf Biosprit zu verzichten und die Zehn-Prozent-Beimischungsquote sofort abzuschaffen. Die Energieminister treffen sich heute zu Beratungen über künftige Strategien für erneuerbare Energien in Zypern. „Wir wissen, dass eine Energiewende national wie international dringend notwendig ist, doch dürfen wir diese nicht auf Kosten der in Armut lebenden Menschen vorantreiben“, hat Lieser an Bundesumweltminister Peter Altmaier geschrieben. Es dürfe keine weitere Biosprit-Politik gemacht werden, ohne zuvor die Folgen für Menschenrechte und Ökologie untersucht zu haben – zumal der umweltfreundliche Aspekt von Biosprit umstritten ist.

Beispiel Indonesien: Landkonflikte, Umweltzerstörung, weniger Arbeitsplätze

Welche verheerenden Wirkungen die Biosprit-Produktion für arme Menschen hat, zeigt im Bericht das Beispiel indonesischer Palmölplantagen. Aus Indonesien stammen mehr als 20 Prozent des in der EU verbrauchten Biodiesels. Riesige, in Monokulturen angelegte Palmölfelder zerstören in dem südostasiatischen Land den Regenwald, vergiften die Flüsse und bringen kaum Arbeitsplätze: Kleinbäuerliche Wirtschaftsstrukturen würden zehnmal mehr Menschen beschäftigen und ernähren. Die Betroffenen vor Ort wehren sich verzweifelt, wie die Oxfam-Studie zeigt. Allein in Indonesien wurden im Jahr 2010 etwa 630 Landkonflikte zwischen den Betreibern von Palmölplantagen und lokalen Gemeinschaften registriert.

„Der Biosprit-Verbrauch in der EU und den USA ist eine zentrale Ursache für steigende Nahrungsmittelpreise auf den Weltmärkten und für die massive Verdrängung kleiner Bauernhöfe durch exportorientierte Biosprit-Plantagen in Afrika, Asien und Landamerika,“ sagt Lieser. „Hilfe zur Selbsthilfe erfordert aber mehr Land für die Armen, nicht weniger.“

Weitere Informationen

Die deutsche Zusammenfassung der Studie und den englischen Bericht finden Sie hier:

www.oxfam.de/publikationen/biosprit-hunger

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