NABU: Flussauen an den 15 wichtigsten Binnenwasserstraßen in schlechtem Zustand

Jan 10th, 2014 | By | Category: Aktuell, Klima, Naturschutz, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Verkehr, Wirtschaft

NABU: Flussauen an den 15 wichtigsten Binnenwasserstraßen in schlechtem Zustand

Tschimpke: Bundesprogramm Blaues Band zügig umsetzen

NABU-Pressemitteilung vom 10. Januar 2014

Berlin, 10.01.2014. (nabu) Die noch vorhandenen Flussauen an den wichtigsten deutschen Bundeswasserstraßen sind in einem schlechten Zustand. Das ist das Ergebnis einer Analyse des NABU, die am heutigen Freitag in Berlin veröffentlicht wurde. Untersucht wurden insgesamt 15 Flüsse – von der Oder bis zur Saar – die als Binnenwasserstraßen genutzt werden. Sie repräsentieren mit über 880.000 Hektar über die Hälfte der nationalen Flussauen. Diese Niederungen entlang der Flüsse sind ein wichtiger Lebens- und Rückzugsraum für viele Tiere und leisten einen natürlichen Beitrag zum Hochwasserschutz. Neben der Auenanalyse werden in den Fluss-Steckbriefen auch Potenziale zur Verbesserung des jeweiligen Gewässer- und Auenzustandes vorgestellt.

Der NABU sieht vor diesem Hintergrund immensen Handlungsbedarf, die im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Vereinbarungen zur Renaturierung von Fließgewässern und Auen zügig umzusetzen. „Bundesumweltministerin Hendricks und der für die Bundeswasserstraßen zuständige Bundesverkehrsminister Dobrindt müssen jetzt Farbe bekennen und zeigen, wie wichtig ihnen der Schutz der heimischen Flüsse ist. Drei Viertel der ohnehin nur noch in Bruchstücken erhaltenen Auen an den für die Schifffahrt ausgebauten Flüssen sind deutlich bis stark verändert, nahezu 20 Prozent der Auenrelikte an den Bundeswasserstraßen sogar sehr stark“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Nach der NABU-Analyse steht es auch um die besonders bedeutsamen, nach der europäischen FFH-Richtlinie geschützten gewässer- und auentypischen Lebensräume schlecht: Weich- und Hartholzauenwälder, Schlammbänke mit ihrer charakteristischen Vegetation, nährstoffreiche, vom Hochwasserregime der Flüsse abhängige Stillgewässer – sie alle sind an den Bundeswasserstraßen in einem weitgehend unzureichenden oder gar schlechten Erhaltungszustand.

Mit der Broschüre „ Das Blaue Band“ schafft der NABU eine Grundlage für all jene Akteure, die die inhaltliche Ausgestaltung des Bundesprogramms zum Blauen Band verhandeln oder sich für den Gewässerschutz und die ökologischen Chancen der Wasserstraßenreform interessieren. Sie ist im Internet unter www.NABU.de verfügbar ist und liegt Ende Januar auch als Druckexemplar vor.

Hintergrund:

Dem Bund als Eigentümer aller als Bundeswasserstraßen eingestuften Flüsse kommt nach Ansicht des NABU bei dieser Aufgabe eine besondere Vorbildrolle zu. Denn nur zehn Prozent der Fließgewässer in Deutschland weisen bisher den nach EU-Vorgaben bis zum Jahr 2015 zu erreichenden „guten Zustand“ auf. Viele Flüsse wurden in den vergangenen Jahrzehnten begradigt, ihre Ufer befestigt und ihre Auen abgeschnitten. Wertvolle Lebensräume für zahllose gefährdete Tier- und Pflanzenarten gingen dabei ebenso verloren wie natürliche Überschwemmungsflächen: Lediglich ein Drittel der Auen in Deutschland ist noch an die zugehörigen Flüsse angebunden, an den großen Strömen gingen bis zu 90 Prozent dieser Flächen verloren. In den kommenden Wochen und Monaten wird es daher darum gehen, die inhaltliche Ausgestaltung des Bundesprogramms zum Blauen Band kritisch zu begleiten, um günstige Rahmenbedingungen für künftige Renaturierungsprojekte zu schaffen. Hilfreich könnte dabei die laufende Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes sein, die mit reduzierter Gewässerunterhaltung und abgestuften Unterhaltungskategorien dazu beitragen kann, den Nutzungsdruck auf die Fließgewässer zu reduzieren.

Weitere Informationen

Die Broschüre Blaues Band (Art.-Nr.5247 ), 48 Seiten, gibt es im NABU-Natur-Shop, info@nabu-natur-shop.de, Tel. 0511-898138-0, Gutenbergstraße 12, 30966 Hemmingen, Fax 05 11.89 81, Versandkosten werden Ihnen in Rechnung gestellt.

 

Kommentar hinterlassen