Menschenrechtler klagen an: Putins Spiele verhöhnen die Nachfahren der tscherkessischen Völkermordopfer und bringen noch mehr Gewalt in den Nordkaukasus

Feb 7th, 2014 | By | Category: Aktuell, Freizeit und Sport, Menschen- u. Bürgerrechte, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Aktion in Berlin zur Eröffnung der olympischen Winterspiele in Sotschi

Menschenrechtler klagen an: Putins Spiele verhöhnen die Nachfahren der tscherkessischen Völkermordopfer und bringen noch mehr Gewalt in den Nordkaukasus

Gesellschaft für bedrohte Völker Pressemitteilung vom 7. Februar 2014

logo_deuBerlin, 07.02.2014. (gfbv) Wenige Stunden vor der Eröffnung der olympischen Winterspiele in Sotschi hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit einer Menschenrechtsaktion vor der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin noch einmal schwere Vorwürfe gemacht. „Putin verhöhnt die Nachfahren der tscherkessischen Völkermordopfer und bringt noch mehr Gewalt und Willkür in den Nordkaukasus“, kritisierte die GfbV-Referentin für die GUS-Staaten, Sarah Reinke, am Freitag in Berlin. Vertreter der Tscherkessen, die sich an der GfbV-Menschenrechtsaktion beteiligten, ergänzten: „Es ist unerträglich, dass auf den Gebeinen unserer Vorfahren in Krasnaja Poljana ohne einen Gedanken an ihr Leid vor 150 Jahren heute Skiwettkämpfe stattfinden.“ Im Zuge der Bauarbeiten für die olympischen Stätten waren hier sterbliche Überreste von Tscherkessen entdeckt worden, die 1864 während des blutigen letzten Kampfes ihres Volkes gegen die russische Vorherrschaft gefallen sind. Nach ihrer Niederlage wurden die Tscherkessen kollektiv vertrieben. Schätzungen zufolge verlor bei dem Genozid rund eine Million Menschen ihr Leben.

„Anstatt die Chance der Winterspiele zu ergreifen und den Tscherkessen 150 Jahre nach dem Genozid die Hand zu reichen, hat die russische Regierung die Vorbereitung auf die Spiele genutzt, um die tscherkessische Bewegung zu unterdrücken und zu bedrohen sowie die Zivilbevölkerung in anderen Regionen des Nordkaukasus noch mehr zu schikanieren“, sagte Reinke. „Hilferufe von Tscherkessen aus Syrien, die im Bürgerkrieg zu Flüchtlingen wurden, und in den Nordkaukasus zurückkehren wollten, verhallten ungehört. Die Bitte, die Tscherkessen einzubeziehen und das ihnen angetane Leid im Vorfeld der Spiele aufzuarbeiten, wurde abgeschlagen. Stattdessen werden sie in die Nähe von Terroristen gerückt, die es zu verfolgen gilt. Das war auch die Begründung für die Verhaftung von acht tscherkessischen Aktivisten im Dezember 2013.“

Sotschi sei von Putin zu einem gigantischen Potemkinschen Dorf gemacht worden. Tatsächlich herrschten hinter der glänzenden Fassade im nahe gelegenen Nordkaukasus Terror und Gewalt, kritisierte die GfbV. „In unserem Dorf wurden in den vergangenen Wochen Dutzende junge Männer von den Sicherheitsorganen willkürlich festgenommen“, berichtete ein Flüchtling aus Tschetschenien der Menschenrechtsorganisation. Die Bevölkerung in Dagestan spricht von einem Krieg, den Putin wegen Sotschi führt. Mütter von Verschwundenen werden eingeschüchtert, nicht weiter nach ihren Söhnen zu suchen. Viele verzweifelte Frauen fürchten, dass sich auch nach den Winterspielen niemand für ihre verschleppten Söhne einsetzt und alles nur noch schlimmer wird.

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