IPPNW: Uranmunition verseucht den Irak noch nach zehn Jahren

Mrz 7th, 2013 | By | Category: Aktuell, Menschen- u. Bürgerrechte, Militär, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Uranmunition verseucht den Irak noch nach zehn Jahren

10. Jahrestag der Irak-Invasion

IPPNW/ICBUW-Presseinformation vom 7. März 2013

Die US-Amerikaner haben Uranmunition im Irakkrieg in zivilen Gebieten eingesetzt. Die Zivil-bevölkerung wurde anschließend mit den Folgen der Kontamination allein gelassen. Bis heute verweigert die US-amerikanische Regierung, Daten über die Ziele der eingesetzten Urangeschosse (400 Tonnen) zu veröffentlichen. Die irakische Regierung bestätigt auf Basis der begrenzten verfügbaren Daten, dass etwa 300 kontaminierte Stellen bekannt sind. Regelmäßig werden weitere Stellen entdeckt. Die Säuberung solcher Orte kostet um die 150.000 US-Dollar. Die Kosten variieren in Abhängigkeit von Ort, Ausmaß und Grad der Kontamination erheblich.

Berlin, 07.03.2013. (ippnw) Das geht aus den heute veröffentlichten Bericht “In a state of Uncertainty” hervor, den die  niederländische Sektion der Friedensorganisation pax christi anlässlich des zehnten Jahrestags der Irak-Invasion veröffentlicht. Außerdem analysiert werden die Kosten und die technischen Hürden, die sich aus der Dekontamination von Uranmunition ergeben. Der Bericht legt dar, dass viele der durch den Einsatz erzeugten Probleme auch zehn Jahre nach der Invasion ungelöst bleiben. Die Lockerung der Regeln für den Schrotthandel durch die provisorische Koalitionsregierung zum Beispiel führe dazu, dass illegale Metallsammler den gesundheitlichen Folgen der Uranmunition ausgesetzt werden und dass kontaminiertes Altmetall in Nachbarländer exportiert werde. Die irakische Regierung habe um internationale Hilfe gebeten, um das Problem des kontaminierten militärischen Schrotts zu analysieren und zu managen.

Report „Die gesundheitlichen Folgen von Uranmunition“

Die IPPNW Deutschland und die deutsche Sektion der International Coalition to Ban Uranium Weapons (ICBUW) haben in ihrem Report „Die gesundheitlichen Folgen von Uranmunition“ dargelegt, dass irakische Ärzte schon nach dem zweiten Golfkrieg über eine Zunahme angeborener Fehlbildungen und Kinderleukämien berichtet haben. Diese Veröffentlichungen seien jedoch von den USA und Großbritannien als unwissenschaftlich abqualifiziert worden. Im Rahmen einer Universitätspartnerschaft arbeiten irakische, deutsche und japanische Ärzte seit 2004 daran, ein Krebsregister für die Region Basra zu erstellen. Der Bericht der Studiengruppe weist auf einen deutlichen Anstieg von Lungen- und Brustkrebs hin; Erkrankungen des Lymphsystems und Leukämie treten ebenfalls gehäuft auf. 2010 gab die WHO zusammen mit dem irakischen Gesundheitsministerium eine Studie in Auftrag, mit der Art und Frequenz der Fehlbildungen in sechs irakischen Provinzen untersucht werden sollen.

Der Irakkrieg ist doppelt fragwürdig, einmal im Hinblick auf den Kriegsgrund und zum zweiten im Hinblick auf die eingesetzten Mittel

„Der betroffenen Bevölkerung in DU-verseuchten Gebieten müssen regelmäßig medizinische Screeningprogramme zur Verfügung gestellt werden, in denen besonders nach möglichen genetischen Veränderungen durch DU-Kontamination gefahndet wird. Kinder sollten dabei Vorrang genießen,“ fordert Dr. Angelika Claußen, IPPNW. „Der Irakkrieg ist doppelt fragwürdig, einmal im Hinblick auf den Kriegsgrund und zum zweiten im Hinblick auf die eingesetzten Mittel“, kritisiert Prof. Dr. Manfred Mohr, Sprecher von ICBUW Deutschland.

Die UN-Generalversammlung hat zweimal eine größere Transparenz über den Einsatz von Uranmunition angemahnt, zuletzt im Dezember 2012, als 155 Staaten für diese Forderung stimmten unter Bezugnahme auf das Vorsorgeprinzip: Danach muss der Verwender von Uranmunition deren Ungefährlichkeit für Umwelt und Zivilbevölkerung vor einem Einsatz nachweisen. Die USA, Großbritannien, Frankreich und Israel waren als einzige gegen den Text.

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