IPPNW: Auch Philippsburg-1, Biblis und Unterweser müssen vom Netz

Mrz 15th, 2011 | By | Category: Atomkraft, Energie, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Auch Philippsburg-1, Biblis und Unterweser müssen endgültig vom Netz

IPPNW: „Scherheitstechnisch nicht nachvollziehbar“

IPPNW-Pressemitteilung vom 15. März 2011

Nach der Ankündigung, mit Brunsbüttel, Krümmel, Isar-1 drei Siedewasserreaktoren der Baureihe 69 aus Sicherheitsgründen endgültig stillzulegen, stellt sich die Frage, warum das baden-württembergische Atomkraftwerk Philippsburg-1 derselben Baureihe nur für drei Monate vom Netz genommen werden soll.  Wenn mit Neckarwestheim-1 ein Druckwasserreaktor der zweiten Generation (2. DWR-Generation) endgültig stillgelegt wird: Warum sollen dann die hessischen Atomkraftwerksblöcke Biblis A und Biblis B sowie Unterweser in Niedersachsen nur für drei Monate vom Netz gehen und dann möglicherweise weiterbetrieben werden?

Berlin, 15.03.2011. (ippnw) „Es ist sicherheitstechnisch nicht begründbar, die Atomkraftwerksblöcke Philipsburg-1, Biblis A und B sowie Unterweser nun nicht auch endgültig stillzulegen“, so IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz. „Der Reaktordruckbehälter von Philippsburg-1 ist eine extreme Fehlkonstruktion mit der Gefahr unerkannter Rissbildungen.“ Die Kernschmelzfestigkeit dieses Reaktortyps ist nach Untersuchungen der Gesellschaft für Reaktorsicherheit katastrophal schlecht. Nicht zu vergessen ist, dass sich das Atomkraftwerk Philippsburg im erdbebengefährdeten Rheingraben befindet.

Die Anlagen der 2. DWR-Generation weisen Dutzende schwerwiegende Sicherheitsdefizite auf

Die Anlagen der 2. DWR-Generation (Biblis A und B, Unterweser) weisen Dutzende schwerwiegende Sicherheitsdefizite auf. Beispielsweise ist die Kühlwassermenge zu knapp, das Notkühlsystem hat nur 4 statt der erforderlichen 8 Druckspeicher, die Batteriekapazität ist eng begrenzt, es fehlen Automatisierungen beim Abschalten der Anlage, es fehlt ein so genanntes Zusatzboriersystem und es fehlen Ventile an den Dampferzeugern. Zudem stellen überflüssige Schweißnähte und veraltete Werkstoffe eine erhebliche Gefahr dar.

Ministerpräsidenten und Bundesregierung gefragt, sich gegen den Widerstand von EnBW, RWE und E.On durchzusetzen

„Es kann nicht sein, dass ein Mix aus Wahlterminen und die fehlende Bereitschaft von Atomkonzernen, nicht mehr als ein Bauernopfer zu bringen, ausschlaggebend für derartige Entscheidungen ist“, so Paulitz. „Jetzt sind die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen wie auch die Bundesregierung gefragt, sich gegen den Widerstand von EnBW, RWE und E.On durchzusetzen und eine verantwortungsvolle politische Entscheidung zu treffen.“

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