IAA: VCD kritisiert Show unter elektro-grünem Deckmantel

Sep 11th, 2013 | By | Category: Aktuell, Energie, Klima, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Verkehr, Wirtschaft

Motto der IAA ohne Zukunftsbezug

VCD kritisiert Show unter elektro-grünem Deckmantel

VCD-Pressemitteilung vom 11. September 2013

Berlin / Frankfurt, 11.09.2013. (vcd) Unter dem Motto »Die automobilste Show der Welt« startet die Internationale Automobil-Ausstellung 2013 und zeigt deutlich, dass ihr jeglicher Zukunftsbezug fehlt. Die Autobauer feiern sich selbst und ihren finanziellen Erfolg auf den fernen Märkten in China und Russland. Hier lassen sich noch Luxuslimousinen mit hohem Verbrauch und CO2-Ausstoß verkaufen. Für die Politik und die umweltbewussten Verbraucher werden einzelne, grün angestrichene Modelle mit viel Spektakel vorgeführt, während das Verkaufsziel ein ganz anderes ist.

Das Geschäft mit den Luxusautos ist fragil und blendet den Blick in die Zukunft aus, kritisierte der ökologische Verkehrsclub VCD. Nehmen Wetterextreme durch den ungebremsten CO2-Ausstoß zu, sind radikale politische Maßnahmen weltweit vorprogrammiert.

Ingolf Hetzel, Mitglied des VCD-Bundesvorstands: „Statt um das Goldene Kalb zu tanzen, braucht die Autoindustrie eine ehrliche Wendung zur Vernunft, eine Antwort auf die Umweltprobleme und den sozialen und demografischen Wandel. Was wir brauchen, sind effiziente Fahrzeuge für Carsharing, Bürgerbusse für den ländlichen Raum, E-Bikes in der Nahmobilität. Diese Geschäftsmodelle brauchen mehr Raum, mehr als besonders aufwendig präsentierte Luxuskarossen, die der automobilen Vergangenheit angehören.”

Während die Autoindustrie unter dem Deckmantel »Verantwortungsbewusstsein« einzelne E-Autos in den Mittelpunkt rückt, wirbt sie massiv und erfolgreich für die sogenannten SUVs, die Geländewagen, die für den Transport von A nach B fast niemand braucht. Haarsträubend ist dabei, dass die Hersteller versuchen mithilfe der E-Autos den Absatz der voluminösen Sprit schluckenden Geländewagen zu sichern. So hat auch die Vorstellung des BMW-Elektroautos i3 einen faden Beigeschmack.

Einerseits ist die Fahrgastzelle des BMW i3 aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) wegweisend. Denn dadurch wird eine erhebliche Gewichtsreduzierung von mehr als 200 Kilogramm erreicht. Andererseits aber unterläuft BMW mit dem i3 die Verbrauchsreduzierungen für herkömmliche Pkw mit Diesel- oder Benzinmotoren. „BMW hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu gebracht, den in Brüssel fertig ausgehandelten Kompromiss zum CO2-Grenzwert zu blockieren, weil dem Premiumhersteller die ausgehandelten Supercredits nicht ausreichten.”, kritisiert Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD scharf.

Über die Supercredits werden Autos wie der i3 mehrfach als Nullemissionsautos angerechnet. Die Folge: Ohne weitere Anstrengungen kann der jeweilige Hersteller den Flottendurchschnitt schönrechnen. Mit jedem gekauftem i3 machen die Kunden somit den Weg frei für neue Sprit schluckende Sportwagen beziehungsweise SUVs. Damit ist der i3 kein Öko-Auto mehr. Lottsiepen unterstreicht: „Bundeskanzlerin Merkel sollte ihren morgigen Besuch auf der IAA zum Anlass nehmen, um beim CO2-Grenzwert für Pkw einzulenken. Tut sie das nicht, handelt sie für BMW und gegen die Interessen der Autofahrer, die bei einem CO2-Grenzwert von 95 g/km im Vergleich zu heute rund 600 Euro jährlich sparen.”

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