Hubertusfeiern im Hainberg

Jan 13th, 2010 | By | Category: Geschichte, Ostfalen, Politik und Gesellschaft, Wandern

Hubertusfeiern im Hainberg

Ausflugsziele in Ostfalen – Natur, Geschichte, Gegenwart

Mehr als einen Ausflug wert ist der Hainberg zwischen Bockenem und Sehlde. Markante Punkte sind die Bodensteiner Klippen auf dem südlichen Hauptkamm, die Hubertuskapelle mit dem Jägerhaus in der Mitte der bewaldeten Erhebung, der Jägerturm im Nordosten und die Burg Wohldenberg am nordwestlichen Ausläufer des Höhenzuges. Unserer modernen Zeit geschuldet ist zudem noch die Autobahn (BAB 7) zu nennen, die den Hainberg im Nordwesten durchschneidet.

 

Anfahrt: mit dem Pkw oder mit dem Bus, Fahrplanauskünfte:

Ausgangspunkte: Hainberg, Niedersachsen, Parkplatz an der L500 westlich von Bodenstein Richtung Bockenem, Parkplatz am Nordrand der L498 mitten auf dem Hainberg, am Jägerhaus in der Nähe der L498 mitten auf dem Hainberg oder die Burg Wohldenberg am Nordrand – um die wohl geeignetsten Ausgangspunkte zu nennen

Länge: je nach gewähltem Weg, in diesem Beitrag wird keine bestimmte Tour beschrieben

Höhen: zwischen etwa 150 und 299 Meter über NN

Kennzeichnung der Wege: Ähnlich wie im nahen Harz üblich sind die Wege meist gut beschildert und ausgezeichnet. Dies erfolgt auch hier durch einen Zweigverein des Harzklubs.

Rast: Bänke, Felsen, Gaststätte Jägerhaus

Grundsätzliche Ratschläge: finden sich bei Gedanken, Hinweise und Tipps zum Wandern

Sehlde. (re Winter 2009/2010, aktualisiert Januar 2012) Der Höhenzug erstreckt sich mit seinem nördlich Ausläufer auf einer Länge von etwa neun Kilometern von Nord nach Süd und in einer Breite zwischen vier (im Süden) und sechs (mit seinem nordwestlichen Zipfel) Kilometern in Ost-West-Richtung. Das Gebiet ist vollständig bewaldet und hat vier Haupttäler, von denen sich jeweils zwei nördlich und südlich öffnen. In der Mitte durchquert eine Passstraße den Höhenzug von Bockenem im Westen nach Sehlde im Osten. Die Straße hat dabei auf beiden Seiten einen steilen Anstieg, so dass Radfahrer durchaus in ihrer Kondition gefordert sind.

Hainberg: Sofaklippe, die bekannteste Bodensteiner Klippe (Foto:re)

Als Ausgangspunkte für Wanderungen bieten sich mehrere Standorte an. Im Süden findet sich westlich der Ortschaft Bodenstein ein kleiner Parkplatz am südlichen Rand der L500 von Bodenstein nach Bockenem. Vorbei am Schmiedeteich sind von hier aus die Bodensteiner Klippen auf dem kürzesten Weg zu erreichen. Zugleich kann auch zum Jägerhaus gewandert werden. Und für eine Durchquerung ist dies ebenfalls ein guter Ausgangspunkt. Dann gibt es an der L498, die den Hainberg überquert, einen großen Parkplatz etwa auf dem Scheitelpunkt der Passstraße. Von hier kann in alle Richtungen gut gewandert werden. Die Ausflugsgaststätte Jägerhaus mit der Hubertuskapelle ist nur wenige Gehminuten entfernt. Dort, am Jägerhaus, befindet sich ein weiterer großer Parkplatz, der als Ausgangspunkt für eine Wanderung zum Jägerturm dienen kann. Und schließlich kann auch bei der Burg Wohldenberg geparkt und von hier aus gewandert werden. Der Hainberg ist dank des Harzklubs auch gut beschildert.

Wer sich auf den Weg macht durch den Hainberg, wird am Wegesrand den einen oder anderen markanten Punkt finden. Zu den bekanntesten Punkten folgen nun einige wissenswerte Informationen.

Bodensteiner Klippen

Die Bodensteiner Klippen befinden sich nördlich der Ortschaft Bodenstein auf dem südlichen Hauptkamm des Hainberges. Ein bisschen wie auf einer Kette aufgereiht ragen die Felsen immer wieder aus dem Waldboden mitunter zehn und mehr Meter empor. Die Klippen sind aus Hilssandstein und reichen auf einer Länge von etwa vier Kilometern bis zum Jägerhaus mit der Hubertuskapelle in der Mitte des Hainbergs.

Hubertuskapelle

Hainberg: Felsen mit der Hubertuskapelle – rechts der Eingang (Foto: re)

Um 1730 herum wurde hier die Hubertuslegende zweimal im Fels verewigt, einmal an der Südwand des Felsen und dann im Innern des Felsen. Die eigentliche Hubertuskapelle befindet sich in einer kleinen Höhle im Felsen unterhalb der Südseite des Jägerhauses. Diese Felsgrotte wurde wahrscheinlich schon lange als heilige Stätte genutzt. Die Kapelle ließ seinerzeit der Droste des Amtes Wohldenberg, der Hildesheimer Domherr Johann Friedrich Anton Freiherr von Bocholtz, einrichten.

Jägerhaus

Vermutlich etwa 1830 entstand das Jägerhaus, welches der Grafen Ernst Friedrich Herbert von Münster erbauen ließ. Zunächst diente es wohl als Jagdhaus des Grafen. Im Lauf der Jahre erfuhr das Gebäude mehrere An- und Umbauten. Später wurde das Haus dann zu einer Waldgaststätte. Auch heute ist das Jägerhaus seit vielen Jahren wieder eine beliebte Waldgaststätte. Bei Wanderungen oder Montainbike-Touren über den Hainberg ist es ein willkommener Ort für eine längere Pause. Mit dem großen Parkplatz kann es aber auch als Ausgangs- und Endpunkt für diverse Touren dienen. Eine Stärkung am Ende einer Tour kann auch ein guter Abschluss sein. Seit Juni 2013 hat die Waldgaststätte Jägerhaus leider ihre Pforten geschlossen. Bis auf weiteres steht sie also nicht mehr für eine Stärkung vor, während oder nach einer Tour zur Verfügung.

Der heilige Hubertus unterm Hakenkreuz

Der letzte große Umbau des Jägerhauses fand 1936 statt. Für die seit 1933 alljährlich stattfindenden Hubertusfeiern der „Deutschen Jägerschaft“ ließ Friedrich Alpers das Jägerhaus umbauen. Es wurde nun zur „Weihestätte“ der Deutschen Jägerschaft. Alpers war damals „Gaujägermeister“ des „Jagdgaues Braunschweig“ und SS-Standartenführer. Der Umbau stand im Zusammenhang mit weiteren Baumaßnahmen bei Braunschweig für den „obersten deutschen Jäger“, den „Reichsjägermeisters“ Hermann Göring.

Diese historische Begebenheit wird an verschiedenen Stellen im Internet recht unbeschwert und ohne jede kritische Anmerkung berichtet. Das Jägerhaus selbst hatte zuletzt seinen Internetauftritt mittlerweile komplett überarbeitet und auch die Domain gewechselt. Die seinerzeit (2010) noch zu findenden recht unkritischen Worte sind dabei gleich mit verschwunden. In einem auf der Internetseite wiedergegebener Pressebericht distanziert sich das Jägerhaus nun eindeutig von der braunen Vergangenheit und der leider auch heute noch anzutreffenden Geisteshaltung. An anderer Stelle im Internet wird aber weiter schlicht vom „Reichsjägermeister Hermann Göring“ gesprochen oder einfach von „prominenten Mitmenschen“. Noch heute (2012) sind denn auch die Spuren dieser unseligen Vergangenheit zu finden.
Anmerkung Mai 2016: 2013 wurde der Gastronomiebetrieb im Jägerhaus aus Altersgründen aufgegeben. Inzwischen hat das Jägerhaus einen neuen Besitzer gefunden mit widerum neuer Domain (siehe oben). Wie und wann dort wieder ein Gastronomiebetrieb stattfindet, ist noch offen.

Hainberg: Balken mit Spuren der Vergangenheit im Jägerhaus (Foto: Redaktion/jl)

Die beteiligten Personen sollen hier nicht einfach in die braune Ecke gestellt werden. Und genauso wenig ist dies ein weiterer Versuch, die gesamte Jägerschaft in diese Ecke zu stellen. Doch dieser sorglose Umgang mit diesem finstersten Kapitel deutscher Geschichte gibt Anlass, es anzusprechen.

Wie alle Vereine und Verbände in Deutschland war auch die Deutsche Jägerschaft von den Nazis gleichgeschaltet worden. Und das Göring ein leidenschaftlicher Jäger war, kann anderen Jägern nicht zum Vorwurf gemacht werden. Insofern sollte also nicht ohne nähere Betrachtung der Stab gebrochen werden. Jedoch müssen alle Unternehmungen in dieser Zeit auch immer im Zusammenhang mit dem mörderischen Regime Hitlers betrachtet werden. So fanden diese Hubertusfeiern mit anwesenden Naziführern sicher mit dem monströsen Schmuck und der menschenverachtenden Rhetorik der Nazis statt. Da dann einfach vom „Reichsjägermeisters Hermann Göring“ zu sprechen, als sei er irgendeine „prominente Persönlichkeit“, grenzt fast schon an  Geschichtsverfälschung.

Der „Reichsjägermeisters“ Hermann Göring war lange Zeit der Stellvertreter Hitlers. Er veranlasste den Bau der ersten Konzentrationslager und die Gründung der Gestapo. Im Juli 1941 erließ er den Befehl zur „Endlösung der Judenfrage“ und war somit einer der Hauptverantwortlichen für die Vernichtung der Juden in Deutschland und Europa. Das darf bei der Nennung seines Namens oder seiner Taten nicht unerwähnt bleiben.

Hainberg: Zur Einkehr geht es ins Jägerhaus (Foto: re)

Burg Wohldenberg

Die Burg Wohldenberg findet ihre erste Erwähnung im Jahr 1174 als neuer Sitz der Grafen von Wöltingerode. Die Burgherren standen in der Auseinandersetzung zwischen Heinrich dem Löwen und dem deutschen Kaiser auf kaiserlicher Seite. Dies hatte eine Zerstörung der Burg durch den Braunschweiger Herzog zur Folge. Die Burg wurde wieder aufgebaut und blieb bis 1275 im Besitz der Grafen. 1275 erwarb dann der Bischof von Hildesheim die Burg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg von kaiserlichen Truppen zu großen Teilen zerstört.

Eine Weile dienten die Reste der Burg aber noch als Amtssitz. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden 1800 die meisten Gebäude abgerissen. Nur das Pforthaus mit Eckturm und der Stumpf des Bergfrieds sind erhalten geblieben. Der Eckturm wurde zum Glockenturm der 1731 erbauten katholischen Pfarrkirche St. Hubertus, der Stumpf des Bergfrieds wurde 1856 zu einem Aussichtpunkt ausgebaut.

Unterhalb der Burg entstand 1852 ein neues Amtshaus, welches heute als Haus Wohldenberg eine Jugendbildungsstäte der katholischen Kirche beherbergt. Der Bergfried befand sich zuletzt im Besitz des Landes Niedersachsen und wurde 1993 an einen Mobilfunknetzbetreiber verkauft, der dort eine Antennenanlage installiert hat. Die katholische Kirchengemeinde ist Pächter des unverändert zugänglichen Turms.

Als Ausgangspunkt für eine Wanderung ist die Burg Wohldenberg über eine Stichstraße zu erreichen, die von der K308 oberhalb der Ortschaft Silium abzweigt. Wie über die Bodensteiner Klippen kann auch von der Burg Wohldenberg aus zum Jägerhaus gewandert werden, so dass eine Einkehr auf halber Strecke möglich ist. Dabei führt der Weg anfangs über teilweise schmale aber gut zu begehende Pfade. Auf dem Weg zur autobahn wechselt der Weg dann auf eine Forststraße, die die BAB7 über eine 2012 erneuerte Brücke überquert.

Auch von anderen Orten am Hainberg können Wanderungen begonnen werden. Da diese Orte für diesen Artikel aber noch nicht wandernd erkundet wurden, bleibt es zunächst bei einigen allgemeinen Informationen.

Jägerturm

Der Jägerturm diente ebenfalls der Jagd und wurde wohl im Jahr 1736 errichtet. Leider ist der Turm selbst heute nicht zugänglich. Aber als Anlaufpunkt während einer Wanderung durch den Hainberg lohnt er dennoch.

Blick auf die Reste der Burg Wohldenberg; links die Pfarrkirche, rechts der Bergfried (Foto: re)

BAB 7

Die Bundesautobahn 7 wurde in mehreren Abschnitten seit 1937 als Nord-Süd-Verbindung gebaut. Der Abschnitt durch den Hainberg wurde erst nach dem Krieg in den 1950er Jahren erbaut und freigegeben. Die für unsere derzeitige Mobilität sicher notwendige Autobahn stellt einen starken Einschnitt in die Landschaft dar. Besonders für die Tierwelt wurde zahlreiche Wechsel unterbrochen.

Da der Hainberg sicher noch weitere Wanderungen wert ist, wird dieser Artikel wohl auch noch die eine oder andere Ergänzung und Bearbeitung erfahren.

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Quellen

Brüning, Kurt; Schmidt, Heinrich (Hrsg.):

Handbuch der historischen Stätten Deutschlands: Zweiter Band: Niedersachsen und Bremen. 3., verb. u. erw. Aufl. Stutgart: Alfred Körner Verlag, 1969.

http://www.jaegerhaus-strohmeyer.de (Herbst/Winter 2009/2010; mittlerweile offline)

http://www.jaegerhaus-hainberg.de/ Neue Internetseite des Jägerhauses im Hainberg (bis 2013; mittlerweile offline)

http://www.jaegerhaus-sehlde.de nun aktuelle Internetseite des Jägerhauses im Hainberg – derzeit nur mit kurzer Information über den aktuellen Sachstand

Diverse Webseiten, die gefunden werden, wenn nach dem Hainberg, der Hubertuskapelle oder dem Jägerhaus gesucht wird.

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