Greenpeace: Verpflichtende Direktvermarktung hebelt Einspeisevorrang für Erneuerbare aus

Feb 17th, 2014 | By | Category: Aktuell, Atomkraft, Energie, Greenpeace-Presseerklärungen, Klima, Menschen- u. Bürgerrechte, Ostfalen, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Studie zeigt: Gabriels Marktregeln für Ökostrom stärken Kohle- und Atommeiler

Verpflichtende Direktvermarktung hebelt Einspeisevorrang für Erneuerbare aus

Greenpeace-Presseerklärung vom 15. Februar 2014

Sigmar Gabriels Plan einer Vermarktungspflicht für Erneuerbare Energien begünstigt Strom aus Kohle und Atom. Gleichzeitig verhindert der SPD-Wirtschaftsminister, dass Deutschlands Energiesystem flexibler wird und sich dem Bedürfnis der Energiewende anpasst. Zudem machen die geplanten Änderungen die Energiewende teurer. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) im Auftrag der unabhängigen Umweltorganisation Greenpeace.

WindkraftAsse

Windkraftanlage im Vordergrund, Windpark im Hintergrund – am Südost-Ende der Asse nahe Wolfenbüttel (Foto: re)

Hamburg, 15.02.2014. (gp: Cora Gebel) „Gabriel bremst die Energiewende ohne Not und Verstand aus“, kommentiert Niklas Schinerl, Greenpeace Energieexperte die Ergebnisse der Studie.

Die neuen Vermarktungsregeln zerstören laut Studie eines der Herzstücke der Energiewende: den Einspeisevorrang für erneuerbare Energien. Eine verpflichtende Direktvermarktung sorgt dafür, dass bei einem Überangebot an Strom zuerst saubere und flexible Solar- und Windkraftanlagen abgeschaltet werden. Schmutzige Kohle- und gefährliche Atommeiler dagegen laufen weiter. „Statt weniger Kohle- und Atomstrom produzieren zu lassen, sorgt Gabriel für das Gegenteil: Seine Vermarktungspflicht garantiert die Auslastung von Uralt-Kraftwerken“, fasst Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl die Ergebnisse der Studie zusammen.

Direktvermarktung macht Energiewende teurer

Einspeisetarife sind bislang der Motor des Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Sie haben den Ausbau der Erneuerbaren Energien beschleunigt und grünen Strom wettbewerbsfähig gemacht. Vor allem aber haben die festen Tarife Millionen Bürger zu Energieerzeugern werden lassen. Sigmar Gabriel will diese Einspeisetarife fast vollständig durch die bislang freiwillige Direktvermarktung ersetzen. Dadurch aber würde er kleineren Erzeugern wie Genossenschaften, Stadtwerken oder privaten Haushalten den Markteintritt erschweren. Diesen stehen künftig nur noch wenige große Direktvermarkter gegenüber, die die Marktbedingungen diktieren. Es entstünde ein neues Oligopol am Energiemarkt. Eine Energiewende in Bürgerhand wäre gefährdet.

Zudem würde Gabriels Umbau die Erneuerbaren sogar teurer machen. Weil die Investitionssicherheit in Erneuerbare abnimmt, steigern die Banken ihre Risikoaufschläge für Investments. Dadurch steigen laut Studie die Kosten der Energiewende.

„Gabriel sollte genau hinhören, wer seinen Vorschlägen am lautesten applaudiert. Das sind vor allem die Betreiber von Kohle- und Atommeilern. Er erweist damit den Erneuerbaren Energien einen Bärendienst und treibt die Kosten der Energiewende in die Höhe“, analysiert Schinerl die Interessen der konventionellen Energiewirtschaft.

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One comment
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  1. Ganz so schwarz würde ich es nicht malen wollen, auch wenn die Neuerungen nicht so ideal scheinen. Die Idee einer Marktintegration Erneuerbarer Energien ist ja in der Theorie sinnvoll und wünschenswert. Problematisch ist in diesem Zusammenhang eher, dass die die Benennung von Subventionierungen etablierter Energieerzeuger häufig unter den Tisch fällt. Diese führen jedoch zu einer starken Wettbewerbsverzerrung.
    Ihre Einschätzung zum Thema Direktvermarktung teile ich nicht. So wie es sich momentan darstellt, ist Direktvermarktung keine reine Angelegenheit weniger großer Player. Hier finden sich eine große Anzahl an mittleren Unternehmen, die insbesondere im Bereich Erneuerbare Energien Mehrerlöse für Anlagenbetreiber erzielen. In diesen Blog-Beiträgen wird exemplarisch gezeigt, wie die Direktvermarktung eines Erzeugers aussehen könnte:
    http://www.next-kraftwerke.de/neues/stromverkauf-stromboerse

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