GfbV: Schutz der Zivilbevölkerung in Mali muss Vorrang haben

Sep 25th, 2012 | By | Category: Aktuell, Menschen- u. Bürgerrechte, Militär, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen

Schutz der Zivilbevölkerung in Mali muss Vorrang haben – Islamisten dürfen finanziell nicht länger gefördert werden

Sicherheit in der Sahara – Internationale Staatengemeinschaft berät in New York über Militäreinsatz (26.9.)

Gesellschaft für bedrohte Völker Pressemitteilung vom 25. September 2012

Göttingen, 25.09.2012. (gfbv) Bei einer internationalen Militärintervention im Norden Malis muss der Schutz der Zivilbevölkerung absoluten Vorrang haben, fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). „Ein Drohnen-Krieg in der Sahara birgt das große Risiko, dass irrtümlich Nomaden, Reisende und Händler, die sich außerhalb der Städte meist in kleineren Gruppen bewegen, getötet werden“, warnte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. In den vergangenen Monaten wurden bereits mehrfach Tuareg-Zivilisten von Soldaten aus Hubschraubern angegriffen und getötet, weil sie irrtümlich für Rebellen gehalten wurden.

Das erpresste Lösegeld aus Europa trägt entscheidend dazu bei, dass islamistische Gruppen neue Kämpfer für sich gewinnen

Am Rande der UN-Vollversammlung wird die internationale Staatengemeinschaft am Mittwoch in New York über eine unmittelbar bevorstehende Militärintervention der ECOWAS im Norden Malis beraten. Die Intervention soll sich gegen die Terrorbewegung „El Kaida im Maghreb“ (AQMI) und verbündete radikale Islamisten richten, die inzwischen zwei Drittel des Staatsterritoriums Malis kontrollieren.

Nachdrücklich appellierte die GfbV vor allem an die Staaten der Europäischen Union (EU), im Falle von Entführungen oder Geiselnahmen an AQMI und seine Verbündeten kein Lösegeld mehr zu zahlen. „Das erpresste Lösegeld aus Europa trägt entscheidend dazu bei, dass islamistische Gruppen neue Kämpfer für sich gewinnen und Geld- sowie Sachgeschenke unter der Bevölkerung verteilen können“, sagte Delius. So haben die nur 400 AQMI-Aktivisten rund 5.000 lokale Kämpfer um sich geschart, die nicht unbedingt ihre Ideologie teilen, aber finanziell vom Geldsegen profitieren wollen.

Auch aus dem Drogenschmuggel nach Europa, in den die Behörden in Mali und den Nachbarländern verstrickt sind, zieht AQMI Profit

AQMI fordert zurzeit für die Freilassung von vier entführten Franzosen 100 Millionen Euro Lösegeld. Die mit AQMI verbündete „Bewegung für die Einheit und den Jihad in Westafrika“ (MUJAO) soll im Juli 2012 für die Freilassung von drei Geiseln aus Spanien und Italien 15 Millionen Euro erhalten haben. Deutschland und Österreich sollen seit 2002 größere Millionenbeträge für die Freilassung von Geiseln gezahlt haben.

Auch aus dem Drogenschmuggel nach Europa, in den die Behörden in Mali und den Nachbarländern verstrickt sind, zieht AQMI Profit. „Nur wenn die Finanzierung dieses Terrornetzwerkes unterbunden wird, wird der Einfluss von AQMI spürbar abnehmen“, sagte Delius.

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