GfbV: Krimkrise: Minderheiten fürchten um ihre Sicherheit

Mrz 31st, 2014 | By | Category: Aktuell, Menschen- u. Bürgerrechte, Militär, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen

Hetze gegen muslimische Krimtataren und jüdische Ukrainer löst erste Fluchtbewegung aus

Krimkrise: Minderheiten fürchten um ihre Sicherheit

Gesellschaft für bedrohte Völker Pressemitteilung vom 31. März 2014

logo_deuBerlin / Göttingen, 31.03.2014. (gfbv) Antimuslimische und antijüdische Hetze haben eine erste Fluchtbewegung von der Krim ausgelöst. Rund 5.000 Angehörige der muslimischen Krimtataren – vor allem Frauen und Kinder – haben die Halbinsel in den vergangenen Tagen und Wochen bereits verlassen, berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Montag. Außerdem ist der oberste reformjüdische Rabbiner der Krim, Mihail Kapustin, aus Furcht vor antijüdischen Ausschreitungen aus Simferopol nach Kiew geflohen. Auch die Gesandten der Simferopoler Chabad-Organisation Jitzchak, Meir-Lifschitz, und seine Ehefrau Leja haben die Krim mit den Tora-Rollen ihrer Gemeinde verlassen, um die heiligen Bücher in Sicherheit zu bringen.

Nach Beobachtungen der GfbV wächst die Unsicherheit unter den Angehörigen der Minderheiten. „Krimtataren sehen bedrohliche Signale gegen ihre Volksgruppe“, berichtete die GfbV-Referentin für die GUS-Staaten, Sarah Reinke, in Berlin. So hetzen russischsprachige Medien gegen den krimtatarischen Geschäftsmann und Eigentümer des unabhängigen Fernsehsenders ATR, Lenur Isljamow. Er sei „russophob“ und „extremistisch“, weil er die Sprache und Kultur der Krimtataren förderte. Zudem diskreditiere er die Rote Armee durch den von ihm finanzierten preisgekrönten Film über die Deportation der Krimtataren 1944. Dabei kamen von 190.000 Deportierten 46 Prozent ums Leben.

„Auch dass der krimtatarische Abgeordnete des ukrainischen Parlaments in Kiew, Mustafa Dschmilew, die Krim nicht besuchen durfte, ist empörend“, sagte Reinke. „Viele Krimtataren fürchten, dass sie schon bald ähnlich behandelt werden könnten, wie gläubige Muslime in der Russischen Föderation: Bei Polizeikontrollen werden sie schnell des „Extremismus“ bezichtigt, Strafverfahren werden ohne Beweise angestrengt und sie stehen unter dem Generalverdacht, „Terroristen“ zu sein oder zu unterstützen.“ Schon wurde ein Krimtatar, der in Simferopol russische Koranausgaben verteilte, verhaftet. Er wurde gefragt, weshalb er einen Bart trage und ob er ein Extremist sei. Seitdem hält die Polizei ihn wegen „Ordnungsverstößen“ fest, ohne dass eine Anklage erhoben wurde.

Nach Angaben des Vorsitzenden der Assoziation der jüdischen Organisationen und Gemeinden der Krim, Anatoli Genin, beschmierten Unbekannte in der Nacht zum 28. Februar die Wände der reformjüdischen Synagoge „Ner-Tamid“ in Simferopol in russischer Sprache mit den Worten „Tod den Juden!“und mit Hakenkreuzen. Genin betont, dass dies die erste derartige antisemitische Aktivität seit Erlangung der Unabhängigkeit durch die Ukraine (1991) war.

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