GfbV: IOC wurde zum „Steigbügelhalter“ von Wladimir Putin gemacht

Jan 29th, 2014 | By | Category: Aktuell, Freizeit und Sport, Menschen- u. Bürgerrechte, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Olympische Winterspiele in Sotschi

Scharfe Kritik an Thomas Bach: IOC wurde zum „Steigbügelhalter“ von Wladimir Putin gemacht – Neues Memorandum zur Menschenrechtslage im Kaukasus vorgelegt

Gesellschaft für bedrohte Völker Pressemitteilung vom 29. Januar 2014

logo_deuGöttingen, 29.01.2014. (gfbv) Scharfe Kritik hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, geübt. Die in Göttingen ansässige Menschenrechtsorganisation warf Bach in einem offenen Brief vor, er habe das IOC zum „Steigbügelhalter“ von Wladimir Putin gemacht und die olympische Idee von Toleranz und Frieden verraten. Trotz aller Aufforderungen auch der GfbV habe Bach sich nicht für ein Ende der menschenverachtenden Politik Putins und für mehr Freiheitsrechte für alle Menschen in Russland engagiert. Der IOC-Präsident habe vielmehr zugelassen, dass Putin die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele dazu nutzen konnte, seine Macht durch repressive Gesetze auszubauen.

Russland sei heute unfreier und undemokratischer als noch vor einem Jahr, heißt es in dem GfbV-Schreiben an Bach. Unter dem Vorwand, die Sicherheit der Olympischen Spiele garantieren zu müssen, werde gegen Nichtregierungsorganisationen, Akteure der Zivilgesellschaft, Migranten und Minderheiten vorgegangen. Ganz besonders leide die Bevölkerung im Nordkaukasus, in unmittelbarer Nachbarschaft von Sotschi. In einem neuen 20-seitigen Memorandum beleuchtet die GfbV die deprimierende Lage der dortigen Zivilbevölkerung und stellt sie gleichzeitig in ihren traumatischen historischen Zusammenhang, der von Völkermord an den Tscherkessen vor 150 Jahren, der kollektiven Deportation der Tschetschenen, Inguschen, Karatschaier und Balkaren unter Stalin 1943/44 sowie den Tschetschenienkriegen 1994-1996 und 1999-2009 geprägt ist.

In Tschetschenien hat der Diktator Ramzan Kadyrow dafür gesorgt, dass die von zwei Kriegen traumatisierten Menschen in ständiger Angst vor Verhaftung, Folter und Verschwindenlassen leben. Dagestan befindet sich am Rand eines Bürgerkriegs, hier werden die meisten Terroranschläge verübt, Polizei, Geheimdienst und Militär reagieren mit Gegengewalt, der auch Zivilisten zum Opfer fallen. Die neu entstandene tscherkessische Bewegung in den Republiken Adygea, Karatschai-Tscherkessien und Kabardino-Balkarien wird unterdrückt.

„Wenn am 7. Februar 2014 die Olympischen Winterspiele feierlich eröffnet werden, blickt die Welt auf die Region der Russischen Föderation, in der die schwersten Menschenrechtsverletzungen verübt werden. Hier leiden große Teile der Bevölkerung unter den Folgen von Kriegen und Verbrechen, staatlicher Willkür und Terror sowie Armut und Korruption“, bilanziert die GUS-Referentin der GfbV, Sarah Reinke. „Die Vorbereitungen für Sotschi haben den Menschen in Dagestan, Tschetschenien oder Karbardino-Balkarien nichts Gutes gebracht. Im Gegenteil: Dort wurden die Repressionen nochmals verschärft.“

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