Digitale Gesellschaft: Antwort auf die Vodafone-PR-Antwort auf unsere Kampagne

Dez 2nd, 2012 | By | Category: Aktuell, Digitale Welt, Menschen- u. Bürgerrechte, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Antwort auf die Vodafone-PR-Antwort auf unsere Kampagne “Die Freiheit nehm ich Dir!”

Digitale Gesellschaft Pressemitteilung vom 30. November 2012

Verlinkt zur Kampagnenseite der Digitalen Gesellschaft (Bild: Digitale Gesellschaft)

Berlin, 30.11.2012. (dg) Wir haben von der Pressestelle Vodafones ein Antwortschreiben zu unserer Kampagne für Netzneutralität erhalten, in dem Vodafone die Kritik vordergründig als haltlos zurückzuweisen versucht. Anhand dieses Schreibens zeigen wir, warum Vodafone beispielhaft für viele Mobilprovider agiert.

Gestern hat die Digitale Gesellschaft e.V. eine Kampagne gestartet, in der Vodafone eine prominente Rolle spielt. Den Machern geht es darin um das „echte Netz“, um das „freie Internet“ und um „Transparenz“. Und: Die Organisatoren haben deutlich gemacht, dass sie eigentlich die gesamte Branche adressieren. Nun sind wir direkt angesprochen – und wollen auch direkt antworten. Dass wir dies im Blog und nicht auf Twitter tun, sei uns verziehen. Wenn wir allerdings zu einer sachlichen Debatte zum Thema Netzneutralität kommen wollen, ist ein Blog doch ein guter Ort um damit zu beginnen.

Ein Blog ist tatsächlich ein guter Ort dafür. Unser Blog hat sogar eine Linkfunktion nach außen! Kostet auch nichts mehr!

Die Kampagnen-Macher werfen uns vor, unseren Kunden nur ein „halbes Netz“ zu servieren, da diese Dienste wie Instant Messaging, P2P-Verbindungen und Voice over IP nicht nutzen könnten. Nicht ganz richtig, wie wir meinen. Denn bei Vodafone können alle Mobilfunk-Kunden Dienste wie Instant Messaging, P2P und Voice over IP nutzen. Viele dieser Dienste sind in den meisten aktuellen Vodafone-Tarifen sogar ohne Zusatzkosten enthalten. Was nicht schon inklusive ist, können Kunden hinzubuchen. Wenn auf der Webseite der Kampagne also steht: „Nutzer sollen die Freiheit haben, mit jeder Hard- und Software jede Anwendung nutzen zu können, die ihnen gefällt.“ – dann können wir sagen: Genau das bilden unsere aktuellen Mobilfunk-Tarife auch ab.

Was Vodafone als Feature verkauft, ist für uns eine Abschaffung der Netzneutralität. Tief versteckt in den AGB werden bestimmte Services untersagt. Wenn man Services dazuschalten kann, die ein offenes Internet als Grundfeature anbietet, sind wir beim berühmten Zweiklassen-Netz. Das haben wir hier bereits anschaulich visualisiert. Und für die Verbraucher ist es oft nicht nachvollziehbar, dass mit der Formulierung “Instant-Messaging ist untersagt” z.B. die Nutzung des Facebook-Chats verboten wird.

Nehmen wir diese Tarife in Sachen Instant Messaging, P2P und Voice over IP mal unter die Lupe: Instant Messaging ist in allen Vodafone RED Tarifen für den Kunden inklusive. Das bedeutet freie Fahrt für ICQ, MSN-Messenger, Whatsapp, Twitter oder Facebook. P2P können Kunden ebenfalls in allen Tarifen nutzen – hierfür bieten wir ihnen eine entsprechende Zusatzoption an. Voice over IP ist (wie nebenbei auch Tethering) in drei der vier Vodafone RED Tarife bereits kostenlos enthalten – und damit auch die Nutzung von Skype. Im günstigsten RED Tarif können Kunden diese Dienste als Option hinzubuchen. Damit wird die vertragliche Nutzungsbeschränkung für Voice over IP und Tethering in diesem Tarif aufgehoben. Kunden, die solche Dienste nicht nutzen wollen, erhalten mit diesem Tarif eine günstige Alternative.
Die Mitglieder, Follower und Freunde der Digitalen Gesellschaft sind wahrscheinlich zumeist „heavy user“ der mobilen Datennutzung – aus dieser Perspektive mag die Idee, bewusst auf solche Dienste zu verzichten, absurd aussehen. Aber es gibt nun einmal Menschen, denen Voice over IP, Peer-2-Peer und Tethering egal sind. Und für diese ist der kleinste Tarif der Vodafone RED Familie eben auch die beste und preiswerteste Lösung.

Danke für den Aufschlag. Dann werfen wir mal einen Blick darauf, wie Ihr Eure Tarife bewerbt:

Vodafone RED L (3 Gigabyte inkl. LTE): “Mit Bestleistung alles bedenkenlos nutzen”
5. Die Nutzung für Peer-to-Peer-Kommunikation ist nicht gestattet.

Vodafone RED Premium (10 Gigabyte inkl. LTE): “Der Alleskönner unter den Tarifen”
5. Die Nutzung für Peer-to-Peer-Kommunikation ist nicht gestattet.

“Aber es gibt nun einmal Menschen, denen Voice over IP, Peer-To-Peer und Tethering egal sind.” – Voice over IP-Nutzer würden Vodafone bares Geld kosten: statt teure Telefonminuten bei Vodafone zu bezahlen, würden günstige VoIP-Anbieter das Geschäftsmodell wohl gefährden.

Besonders gut gefällt uns der Tarif “Vodafone SuperFlat Internet”. Der ist total super in Sachen Verbrauchertäuschung. Man darf viele schöne Services dazu kaufen kann, um einen funktionierenden Internetzugang zu erwerben: Also Voice-over-IP, Peer-to-Peer, Instant Messaging und Tethering.

Spannend finden wir auch die Erklärung, was ein Peer-to-Peer-Dienst ist, der verboten wird: “Dienste, die Peer-to-Peer-Verbindungen, also Rechner-zu-Rechner-Verbindungen verwenden”. Da das ganze Internet auf dem Prinzip aufbaut, ist wohl auch die Nutzung desselben untersagt.

Setzen wir noch einmal die Lupe woanders an – und zwar diesmal bei unseren LTE Zuhause Tarifen, die wir Kunden als Festnetzersatz-Produkt anbieten. Hier sagen die Kampagnen-Macher zwei Dinge: Erstens, wir wollten die bestehenden vier Millionen Anschlüsse unserer DSL-Kunden allesamt auf LTE Zuhause umstellen. Und zweitens, wir würden für LTE Zuhause Kunden Voice over IP vertraglich ausschließen. Der erste Punkt ist – sorry – grober Unfug. Niemand bei Vodafone hat vor, unsere bestehenden DSL-Kunden auf irgendwas umzustellen.

Hier wird uns von den Vodafone-Pressemitarbeitern etwas in den Mund gelegt, was wir bewusst so nicht formuliert haben. Wir haben es so formuliert: “Vodafone ist auch deshalb interessant, weil der Konzern den DSL-Anbieter Arcor aufgekauft hat und nun überlegt, alle vier Millionen DSL-Kunden auf die LTE-Technologie (4G) umzustellen. Die Kunden würden dann automatisch Mobilfunk-AGBs erhalten, wo vieles verboten ist, was Spaß macht.”

Aber danke für die Klarstellung: Wir haben uns an Aussagen des Vodafone-Chefs im vergangenen Sommers orientiert, die sicherlich bewusst etwas offen formuliert waren, um in den Zwischentönen sowas rauszuhören.

Der zweite Punkt ist – leider – richtig. Da kam uns die Kampagne ein paar Wochen zuvor. Seit einiger Zeit arbeiten wir daran, Voice over IP LTE Zuhause Kunden auch ohne vertragliche Nutzungseinschränkung anzubieten. Die Anpassung werden wir – auch rückwirkend für alle Altverträge – in Kürze vornehmen.

Interessant: Den Punkt in den AGB/Tarifbedingungen einfach zu streichen scheint eine größere Diskussion bei Vodafone zu sein. Das erstaunt uns wenig, macht aber auch klar: bei Vodafone geht ohne Druck von Außen bei der Netzneutralität kaum etwas voran.

Was die Kampagne uns allen zeigt? Es gibt durchaus Redebedarf! Das sollte auch unser Beitrag deutlich gemacht haben. Was liegt also näher, miteinander zu reden statt nur übereinander. Vodafone Deutschland lädt deshalb die Organisatoren der Kampagne zu einem Round Table ein, um über die einzelnen Aspekte zu diskutieren. Im Januar könnte so ein Round Table in Berlin stattfinden. Wir freuen uns auf einen konstruktiven Dialog.

Wir danken artig für das Angebot. Redebedarf besteht offensichtlich, daher bieten wir interessierten Verbrauchern mit unserem Vodafail-Remixer auch an, ihre eigene Meinung zu den Geschäftspraktiken von Vodafone zu äußern. Und davon wird auch rege Gebrauch gemacht. An einem runden Tisch nehmen wir gerne teil, sobald Vodafone die Netzneutralität einhält. Die Antwort von Vodafone macht jedoch leider deutlich, dass dies derzeit nicht gewollt ist. Sonst würde ein Abbau der Netzneutralität nicht als tolles Feature eines Ramschnetzes verkauft.

Wir freuen uns unter diesen Bedingungen sehr auf den Runden Tisch, an dem wir dann gerne teilzunehmen bereit sind.

Posted on 30. November 2012 by in Blog, Presse

Lizenz: CC BY-SA 3.0

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