Mai 30

Danke Lena!

Love, Peace and Harmony

Danke Lena! Dein Erfolg gibt Hoffnung

Kommentar

Von Rainer Elsner

Oslo, Norwegen, 29. Mai 2010, ganz Europa feiert gemeinsam den Eurovision Song Contest. Der Abend ist fortgeschritten, die Beiträge der 25 qualifizierten Länder sind gesungen. Alle warten auf die Ergebnisse. Und in dieser Wartezeit wird ein stimmungsvolles Video gezeigt, in dem von Madrid bis Moskau und von Island bis Istanbul unzählige fröhliche Menschen simultan zur gleichen Musik tanzen. Ein unterhaltsamer Abend, ein wunderschöner Augenblick – ein Augenblick, den wir unbedingt in unserer Erinnerung halten sollten. Denn er steht für eine Entwicklung in Europa, die nicht selbstverständlich ist und ohne ständiges Bemühen auch nicht bleiben wird!

Berlin, Paris, London, … 1914, keine hundert Jahre ist es her, da marschierten noch fröhliche Soldaten simultan zur „gleichen Musik“ in den Ersten Weltkrieg. Mit Blumen und jubelnd verabschieden Väter ihre Söhne, Frauen ihre Männer, damit sie für ihr Vaterland ihre Nachbarn töten. Krieg gilt als rechtmäßiges Mittel der Außenpolitik. Für den wirtschaftlichen Vorteil dürfen Menschen getötet werden. Das britische Empire für die Schätze Indiens, die französische Republik in Nordafrika, das deutsche Kaiserreich für Kolonien in Übersee. Das ist längst Geschichte? Mit Nichten! Wer den jüngsten Äußerungen des Bundespräsidenten Horst Köhler (CDU) aufmerksam gelauscht hat, wähnt sich fast schon wieder im 19. Jahrhundert. Dieser verfassungsrechtliche Skandal bedarf sicher einer eigenen Würdigung. In dieser fröhlichen und ausgelassenen Stunde sollen andere Menschen gewürdigt werden.

Mit natürlicher Heiterkeit, authentisch im Auftreten und mit einem ansprechenden Song erobert eine junge Frau die Herzen der Europäerinnen und Europäer, indem sie von Liebe singt – und das lässt hoffen! Manch deutscher Politiker hat zwar scheinbar schon wieder vergessen, warum unsere Verfassung einen Angriffskrieg verbietet und den Kampfeinsatz deutscher Soldaten auch nur in engen Grenzen zulässt. Doch die Menschen in Deutschland haben dies noch nicht. Während manch Politiker das Volk wieder in die „gute alte – vordemokratische – Zeit“ führen will, schicken die Menschen eine Botschafterin der Freude zu ihren Nachbarn! Und die Menschen in den anderen Ländern haben diese Botschaft verstanden. Sie wählen die fröhliche Lena aus Deutschland auf den ersten Platz. Herzlichen Glückwunsch Lena! Herzlichen Glückwunsch Europa! Und auch herzlichen Glückwunsch Deutschland!

Doch keine Feier ohne Kater. In diesem Augenblick ist es wichtig, das Grundsätzliche zu erkennen: Der Fortschritt im Zusammenleben der Menschen bleibt nur erhalten, wenn sich die Menschen – jeder einzelne Mensch – fortwährend dafür einsetzen. Und das Leiden in der Welt zeigt weiterhin, dass wir Menschen unverändert viel Arbeit vor uns haben!


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Veröffentlicht30. Mai 2010 von Schriftleiter in Kategorie "Kommentare", "Kultur", "Politik und Gesellschaft