BUND, DUH, NABU und WWF begrüßen die geplante Wasserstraßenreform und verlangen endgültige Absage an Elbe-Saale-Kanal

Sep 25th, 2012 | By | Category: Aktuell, Naturschutz, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Verkehr, Wirtschaft

BUND, DUH, NABU und WWF begrüßen die geplante Wasserstraßenreform und verlangen endgültige Absage an Elbe-Saale-Kanal

NABU-Pressemitteilung vom 25. September 2012

Berlin,25.09.2012. (nabu) Die vier Umweltorganisationen BUND, DUH, NABU, und WWF begrüßen die von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer begonnene Reform der Bundeswasserstraßen, fordern in der Konsequenz aber eine deutlichere Absage an den geplanten Elbe-Saale-Kanal.

Statt einen Geisterkanal zwischen Elbe und Saale zu bauen wäre es sinnvoller am Elbe-Seiten-Kanal in eine neue Schleuse bei Scharnebeck zu investieren

„Die im Reformkonzept vorgesehene Einstufung in viel bzw. weniger befahrene Wasserstraßen schafft neue Spielräume für die ökologische Gewässerentwicklung“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die Abkehr von der Politik der vergangenen Jahre, einen nicht existierenden Bedarf herbei bauen zu wollen, sei zu begrüßen. „Dass der geplante Elbe-Saale-Kanal im Konzept der Bundesregierung nicht mehr auftaucht, ist daher nur folgerichtig und konsequent“, so Tschimpke weiter.

Der Vorsitzende des BUND Hubert Weiger kritisierte in diesem Zusammenhang, dass einige politische Akteure dennoch weiter am Elbe-Saale-Kanal festhielten: „Wir brauchen endlich eine klare Entscheidung gegen den Bau des Saalekanals, damit die ständigen Diskussionen darum ein Ende haben. Auch darf dieses Bauvorhaben nicht mehr in dem neuen Bundesverkehrswegeplan auftauchen“, so Weiger. Statt einen Geisterkanal zwischen Elbe und Saale zu bauen wäre es sinnvoller am Elbe-Seiten-Kanal in eine neue Schleuse bei Scharnebeck zu investieren. Damit könnte die Relation Hamburg-Magdeburg gestärkt und der ökologisch bedeutsame Gewässerabschnitt der Elbe auf derselben Strecke entlastet werden. Diese Investition läge nicht nur im Interesse Hamburgs und Niedersachsens, sondern auch Sachsen-Anhalts, da die Position Magdeburgs als Verkehrsknotenpunkt weiter gestärkt würde.

Die Reform muss sich stärker an dem Schutz der noch vorhandenen, natürlichen Lebensräume orientieren

Vernünftig sei von daher der Ansatz von Minister Ramsauer die knappen Gelder dort einzusetzen, wo tatsächlich Schiffstransporte im großen Stil stattfinden. „Auf Elbe und Saale sind Ausbaumaßnahmen jedenfalls aussichtslos. Hier müssen ökologische Schwerpunkte gesetzt werden. Die Reform muss sich somit stärker an dem Schutz der noch vorhandenen, natürlichen Lebensräume orientieren. Denn nachhaltiger Hochwasserschutz und die Sicherung von Trinkwasserressourcen dienen nicht zuletzt den Menschen an Elbe und Saale“, sagt Dr. Diana Pretzell, WWF-Leiterin Naturschutz Deutschland. Damit käme die Entwicklung auch dem Konzept der Umweltverbände und der Elbe-Erklärung von 1996 näher, die nach wie vor hoch aktuell sei und bis heute gute Lösungen für die vorherrschenden Probleme aufzeige.

„Zudem wird durch ein klares Bekenntnis zum Verzicht auf den Bau des Saale-Kanals die naturtouristische Entwicklung der Region gestärkt“, so Michael Spielmann, Bundesgeschäftsführer der DUH. Das bereits in den 90er Jahren ins Leben gerufene Konzept „Lebendige Elbe“ könne zum Vorbild dienen und auch das landschaftlich reizvolle Saaletal wieder zu einem Anziehungspunkt für Rad- und Kanutouristen werden lassen.

Die Ausbauvorhaben an Elbe und Saale

Die Ausbauvorhaben an Elbe und Saale gehen letztlich auf den Bundesverkehrswegeplan von 1992 zurück. Die damaligen euphorischen Steigerungsraten sind nicht eingetreten. Hinzu kommt, dass bei diesen Plänen die hohen Wasserstände der siebziger und achtziger Jahre zugrunde gelegt wurden. Doch in den vergangenen 20 Jahren haben sich die Wassermengen (Abflussmengen) reduziert und die Niedrigwasserzeiten erheblich verlängert. Selbst wenn sich diese Bedingungen künftig nicht weiter verschlechtern würden, wie von Modellrechnungen vorhergesagt, wäre nichts gewonnen, da die Wasserstände schon jetzt nicht mehr für rentable Massenguttransporte per Binnenschiff ausreichen.

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