AoG: Lebensgefährliche Situation für Vertriebene im Bezirk Pibor, Südsudan

Jun 14th, 2013 | By | Category: Aktuell, Menschen- u. Bürgerrechte, Militär, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen

Südsudan: 120.000 Menschen von Nothilfe abgeschnitten

Lebensgefährliche Situation für Vertriebene im Bezirk Pibor

Ärzte ohne Grenzen Pressemitteilung vom 14. Juni 2013

Nach Kämpfen im Bezirk Pibor im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei haben rund 120.000 Menschen Zuflucht in unsicheren und Malaria verseuchten Sumpfgebieten gesucht. Dort gibt es keinerlei Zugang zu sauberem Trinkwasser, Nahrung oder medizinischer Versorgung, berichtet ÄRZTE OHNE GRENZEN. Die internationale Hilfsorganisation ruft die Regierung des Südsudans auf, sofort humanitäre Nothilfe für die Betroffenen zuzulassen und so den Tod Tausender Menschen zu verhindern.

aog_logoJuba / Berlin, 14. Juni 2013. (aog) Viele Vertriebene sind geflohen, um sich vor den Kämpfen zwischen der Südsudanesischen Armee (SPLA) und der bewaffneten Milizen-Gruppe von David YauYau in Sicherheit zu bringen, die im vergangenen Monat zugenommen haben. Im selben Zeitraum wurden im gesamten Bezirk medizinische Einrichtungen zerstört, darunter auch das Krankenhaus von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Pibor, das Ende Mai systematisch geplündert wurde. Die SPLA hat sich bisher geweigert, humanitäre Hilfe für Vertriebene zu ermöglichen.

„Sofortiges Handeln ist erforderlich, um eine Katastrophe zu verhindern“, sagt Bart Janssens, Leiter der Einsätze von ÄRZTE OHNE GRENZEN. „Das Gebiet im Bezirk Pibor, in dem die Bevölkerung sich versteckt hält, wird während der Regenzeit überschwemmt sein. Dies wird kein Ort sein, an dem Menschen überleben können. Im Augenblick haben wir keine Möglichkeit, die Menschen zu kontaktieren. Die Regenzeit hat bereits begonnen, und aus unserer langjährigen Erfahrung in Jonglei wissen wir, dass ohne medizinische Versorgung die Sterblichkeitsraten rasch ansteigen und Menschen an Lungenentzündungen und anderen Atemwegserkrankungen, an Malaria und Durchfallerkrankungen sterben werden. Hinzu kommt, dass den lokalen Gemeinden bis zur nächsten Ernte die Nahrungsmittel ausgehen werden.“

Da die einzigen beiden Krankenhäuser im Bezirk Pibor, in Boma und in der Stadt Pibor, geplündert und zerstört wurden, steht der Bevölkerung nun abgesehen vom Gesundheitszentrum von ÄRZTE OHNE GRENZEN in Gumuruk keine Gesundheitsversorgung mehr zur Verfügung. Vor der Zerstörung wurden im Krankenhaus in Pibor zwischen Januar und März 3.000 Menschen behandelt und 100 Patienten mit Kriegsverletzungen operiert, darunter auch SPLA-Soldaten.

Wiederholte Versuche von ÄRZTE OHNE GRENZEN eine Genehmigung zu erhalten, außerhalb dieser Städte Hilfe für die Menschen leisten zu dürfen, wurden von den Behörden abgelehnt. Vor kurzem wurde ÄRZTE OHNE GRENZEN unmissverständlich von SPLA-Befehlshabern darüber informiert, dass die Organisation keine Genehmigung erhalten würde, im Oppositionsgebiet medizinische Hilfe zu leisten, und dass keine Bedarfserhebung bei den Vertriebenen zugelassen werde, bis die Regierung das Gebiet unter Kontrolle habe.

„Unsere Teams stehen bereit, die medizinische Hilfe für alle Menschen in Not aufzunehmen und auszuweiten, unabhängig davon, welcher Gruppe sie angehören. Doch die südsudanesischen Behörden müssen eine ungehinderte Leistung humanitärer Hilfe für die Vertriebenen ermöglichen“, erklärt Bart Janssens. „Alle Konfliktparteien müssen medizinische Einrichtungen, Patienten sowie Gesundheitspersonal respektieren, das kann nicht genug betont werden. Die Vertriebenen befinden sich in einem Gebiet, das bald einen Meter oder mehr unter Wasser stehen wird.“

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