AG Konrad: Bürgerinitiativen untersuchen Ausbreitung von Radioaktivität bei Reaktorkatastrophen

Nov 14th, 2013 | By | Category: Aktuell, Atomkraft, Energie, Gesundheit, Menschen- u. Bürgerrechte, Ostfalen, Politik und Gesellschaft, Presse-Mitteilungen, Wirtschaft

Bürgerinitiativen untersuchen Ausbreitung von Radioaktivität bei Reaktorkatastrophen

Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD Presseinformation vom 14. November 2013

Banner200px_01Salzgitter, 14.11.2013. (ag konrad)  Mit einem bundesweiten Großversuch am Samstag, dem 16. November wollen Bürgerinitiativen an AKW-Standorten untersuchen, wie sich nach einer Reaktorkatastrophe Radioaktivität ausbreiten würde. An den beteiligten sieben Standorten werden fünf Minuten vor 12.00 Uhr jeweils 500 Luftballons aufsteigen, die sich dann auf dem gleichen Weg ausbreiten werden, wie radioaktive Stoffe bei einer Reaktorkatastrophe.

Pass bloß auf !
Unter dem Motto „Pass bloß auf“ rufen die VeranstalterInnen dazu auf, überall im Lande darauf zu achten, welchen Weg die Ballons nehmen und wo sie niedergehen. Die angehängten Karten sollen ausgefüllt und zurück geschickt oder die Fundorte direkt im Internet eingegeben werden. Alle Fundorte werden in einer gemeinsamen Übersichtskarte eingetragen und nach und nach ein komplettes Ausbreitungsbild ergeben. Bei einer vergleichbare Aktion am 09. März 2013 ergab sich die größte Dichte von Fundorten in der 50 – 100 km – Zone, der entfernteste Fundort lag mehr als 500 km entfernt in Polen (Link).

Beteiligte Standorte
Die Aktion findet an den AKW-Standorten Lingen und Grohnde (Niedersachsen), Grafenrheinfeld und Isar (Bayern), Philippsburg und Neckarwestheim (Baden-Württemberg) und am Forschungsreaktor in Berlin statt und wird auf der Homepage www.atomalarm.info abgebildet und ausgewertet.

Hintergrund: Innenministerkonferenz und Kontroverse über Katastrophenschutz
In einer Studie vom Herbst 2011 fragte das Bundesamt für Strahlenschutz erstmals nicht nach möglichen Katastrophenursachen, sondern untersuchte am Beispiel der AKW Esenshamm im Norden und Philippsburg im Süden, welche Ausbreitungen sich auf Basis lokaler Gegebenheiten und Wetterlagen bei einer mit Fukushima vergleichbaren Katastrophe in Deutschland ergeben würden. Ergebnis: Noch in 170 KM Entfernung könnte eine solche Katastrophe in Deutschland dramatische Eingriffe bis hin zu Umsiedlungen nötig machen. Darauf ist der Katastrophenschutz aber gar nicht eingerichtet. Bis heute gilt die Vorgabe von 2008 mit Evakuierungszonen von höchstens 10 KM und einer Jodprophylaxe bis 100 km. Von der Innenministerkonferenz, die Anfang Dezember in Osnabrück tagt, fordern die VeranstalterInnen, endlich Konsequenzen aus Fukushima zu ziehen.

„Politik und Medien suggerieren, das Thema Atomenergie sei abgehakt. Die Wirklichkeit sieht anders aus“, erklärt Peter Dickel von der mitveranstaltenden Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD: „Der Atomausstieg steht nur auf dem Papier, aber die die existenziellen Gefahren bleiben real. Das machen wir mit diesem Experiment deutlich.“

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