Robin Hood – ein mitreißendes Musical
Nov 7th, 2011 | By Schriftleiter | Category: Kultur, Lokales, OstfalenRobin Hood – Liebe, Gerechtigkeit und eine mitreißende Aufführung in Wolfenbüttel
Eine kurze Theaterkritik
Von Rainer Elsner
Es muss nicht Hamburg sein und es muss auch kein großes Theater oder Opernhaus sein. Nein. Manchmal verstecken sich die schönsten Erlebnisse des Bühnenspiels irgendwo hinter einer unscheinbaren Klinkerfassade. Und dann darf das nicht verschwiegen werden. Denn Freude und Dankbarkeit ist der schönste Lohn. Und den hat sich die junge Spielschar redlich verdient!

Eintrittskarte für Robin Hood - für Liebe und Gerechtigkeit die Vorstellung am Sonntagnachmittag (Scan: re)
Robin Hood – Musical von Martin Doepke
Unter dem Titel Robin Hood – für Liebe und Gerechtigkeit wurde das Musical von Martin Doepke von der Musicalgruppe St. Thomas in der St.-Thomas-Kirche in Wolfenbüttel inszeniert und aufgeführt. Dafür wurde der große Andachtsraum geschickt in ein aufwendiges Theater umgewandelt und mit allerlei moderner Technik ausgestattet. Hätte nicht die Orgel im Halbdunkel über einem geschimmert, die Illusion wäre perfekt gewesen.
Ein Märchen, wie wir es lieben, mitreißend und hingebungsvoll gespielt
Langsam füllte sich der Eingangsbereich mit Menschen. Dann, mit kleiner Verzögerung, durfte das “Theater” erwartungsfroh betreten werden. Mit freundlicher Begrüßung wurde schnell eine angenehme Atmosphäre erzeugt und schon ging es los. Robin von Locksley fällt durch seinen Einsatz für Richard Löwenherz bei König Johann ohne Land in Ungnade und flieht in die Wälder. Er wird zu Robin Hood. Es folgt ein Spiel voll Ränke, Intrigen, Kerker und Befreiung und schließlich dem Kampf für Gerechtigkeit und erfüllter Liebe als Lohn. Ein Märchen, wie wir es an solchem Ort lieben, mitreißend und hingebungsvoll gespielt. Überzeugend, die Intrigen von Lady Isabelle und des Sheriffs von Nottigham, herzzerreißend, wie sich Jess zu Robins Schutz in des Sheriffs Schwert stürzt und schön, wie Lady Marian und Robin zueinander finden. Dies sei nur beispielhaft genannt, denn wirklich alle haben mit Leib und Seele gespielt. Humor gab es ebenso wie ernste Töne. Und dabei boten die Akteure auch einen Gesang, der die Zuschauerinnen und Zuschauer kaum noch an ein Laientheater denken ließ. Begeistert wollte auch der Zuschauer für die Gerechtigkeit kämpfen. Und von der Spiel- und Sangesfreude angesteckt klatschte das Publikum mit, als von der Bühne der ganze Chor erklang.
Professionalität gilt gleichermaßen für die meist im “Unsichtbaren” tätigen Kräfte
Die genannte Professionalität gilt gleichermaßen auch für die meist im “Unsichtbaren” tätigen Kräfte. Ein kleines Orchester sorgte für die unverzichtbare und schöne Musik. Mit geübten und eingespielt wirkenden Bewegungen wurde die Bühne für jeden Akt von einer regen Helferschar geschwind umgebaut – bei meist schwachem Licht. Und auch die Details stimmten. Vögel zwitscherten im Hintergrund, wenn die Szene im Wald spielte. Bäume wurden zu Säulen der Burg, Säulen wurde Bäume des Waldes, … Eine komplexe Lichtanlage und kalter Rauch sorgten für besondere Effekte. Nie kam Langeweile auf und freudig wurde dem Ende der Pause entgegengefiebert, in der auch für das leibliche Wohl gesorgt war. Die ganze Theatergruppe also konnte überzeugen und begeistern und wurde dann zum Schluss auch zu Recht vom Publikum mit minutenlangen und stehenden Ovationen gefeiert.

Das Musicaltheater - eigentlich aber die St. Thomas-Kirche in Wolfenbüttel (Foto: Autor1956 from de.wikipedia.org, Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0)
ein Geschenk, in den Besitz einer der Eintrittskarten gelangt zu sein
Neunzehn Jahre gibt es diese komplett ehrenamtlich spielende Truppe nun schon, die sich zuletzt mit “Die Schöne und das Biest”, ebenfalls von Martin Doepke, hervorgetan hatte. Gut drei Stunden Theater waren das diesen Sonntag, die sich wirklich gelohnt haben und herzlichsten Dank verdienen! Kurz, es war tatsächlich ein Geschenk, in den Besitz einer der insgesamt 1.500 Eintrittskarten gelangt zu sein. Und so hat es in den Säcken “der Geächteten” am Ende hoffentlich reichlich geraschelt. Denn das Spiel der Musicalgruppe war ehrenamtlich und der Eintritt frei. Technik und Umgestaltung verursachten dennoch erhebliche Kosten, die nur zum Teil durch Stadt, Landkreis, Kirche und Sponsoren abgedeckt waren.
Also, nochmal: Danke und weiter so!
Wolfenbüttel, 7. November 2011
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Lizenz: Foto siehe dort, Text CC BY-NC-ND 3.0




